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Sonntag, 28.05.2017
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Dufttrick schützt Vogelnester vor Ratten

Beutegeruch ohne Beute hält Räuber nach einer Weile von einem Angriff ab

Das Motto "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht" gilt offenbar auch im Tierreich: Wenn Ratten einige Stunden lang den Geruch eines Futters riechen, aber nichts finden, trauen sie ihm nicht mehr: Sie ignorieren diese Duftspuren anschließend selbst dann, wenn tatsächlich eine Beute vorhanden ist. Das haben australische Forscher in einem Experiment festgestellt. Wurden Ratten dabei längere Zeit dem Duft von Wachteln ausgesetzt, ohne dass die Vögel oder deren Eier präsent waren, griffen sie später eingesetzte Wachtelnester kaum mehr an. Sie hatten gelernt, dass sich eine Verfolgung dieses Geruchs nicht lohnte. Die Überlebensrate der Wachteljungen sei dadurch um 62 Prozent gestiegen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Möglicherweise ließe sich dieser Lerneffekt nutzen, um zukünftig gezielt bedrohte Arten vor Fressfeinden zu schützen.
Wanderratte (Rattus norvegicus)

Wanderratte (Rattus norvegicus)

"Ein erfolgreiches Raubtier muss lernen, nur den Gerüchen oder Spuren nachzugehen, die es zur Beute führen", erklären Catherine Price von der University of New South Wales in Randwick und ihr Kollege Peter Banks von der University of Sydney. Signale, die kein Futter anzeigten, müsse es ignorieren, um nicht unnötig Energie zu verschwenden. Am Beispiel der Ratte und der Wachtel habe man nun erstmals getestet, wie schnell und effektiv ein Räuber lerne, solche irreführenden Reize auszublenden.

Wachtelfedern und Kot als Duftmarken


Für ihre Studie wählten die Forscher 41 Geländestücke von jeweils einem Hektar Größe aus, in denen zahlreiche Ratten lebten. Alle Versuchsflächen lagen in der Nähe der Stadt Sydney in einem Nationalpark. In der Hälfte der Flächen legten die Forscher sieben Tage lang an mehreren Stellen Federn und frischen Kot von Wachteln aus. "Wir wählten die Wachtel deshalb, weil diese in dieser Gegend nicht vorkommt", berichten Price und Banks. Dadurch werde sichergestellt, dass die Ratten den Geruch und seine Bedeutung neu lernen. Nach einer Woche verteilten die Wissenschaftler dann mehrere Nester mit Wachteleiern in den Testgebieten. Bei der anderen Hälfte der Versuchsflächen wurden Nester und Duftmarken gleichzeitig eingesetzt.

"Wenn die Beute und ihr Geruch gleichzeitig eingeführt wurden, dezimierten die Ratten die Wachteleier rapide", berichten die Forscher. Selbst eine Tarnung der Nester habe dies nicht verhindert. Anders dagegen auf den bereits mit dem Duft vorbehandelten Flächen: Dort überlebten 62 Prozent mehr Wachteleier, weil die Ratten die Nester nicht angriffen. "Die Ratten haben gelernt, dass der Wachtelgeruch unrentabel ist und nicht zu einer Beute führt", schreiben Price und Banks. Bereits einen Tag nach Einführung der Duftmarken hätten die Tiere aufgehört, in der Nähe der Geruchsquellen nach Beute zu suchen. Dieser Lerneffekt habe dann die gesamten zwei Wochen der Versuchszeit angehalten.


Dieses Wissen um die Lernfähigkeit von Räubern könnte man nach Ansicht der Forscher auch beim Artenschutz nutzen. "Vor allem bedrohte Arten, die in einem neuen Gebiet wiederangesiedelt werden, werden oft zu leichter Beute für Raubtiere", erklären die Wissenschaftler. Wenn man aber in diesen Gebiet Duftmarken lege, bevor die bedrohte Art ausgewildert werde, könnten die Raubtiere lernen, dass dieser Geruch keine Beute bringt und die Art verschonen. Auf diese Weise könnte man die wiederangesiedelte Art schützen, ohne den Raubtieren schaden zu müssen. (doi:10.1073/pnas.1210981109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 16.10.2012 - NPO)
 
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