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Sonntag, 22.01.2017
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Duft der Mutter muss erst gelernt werden

Individuelle Geruchsmischung des Fruchtwassers prägt Mäusejunge schon im Mutterleib

Jungtiere von Mäusen und anderen Säugetieren müssen den Geruch ihrer Mutter erst lernen: Der für das Überleben der Jungen so wichtige Saugreflex wird nur dann ausgelöst, wenn sie genau die Duftmischung riechen, die sie bereits im Mutterleib umgeben hat. Das zeigen Versuche US-amerikanischer Forscher mit Mäusen. Entgegen bisherigen Annahmen gebe es dabei keinen einzelnen, genetisch festgelegten Signalduft, der die Jungen quasi automatisch dazu bringe, die Zitze zu suchen und zu saugen. Stattdessen werde das Junge durch den individuellen Geruch des mütterlichen Fruchtwassers geprägt, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Current Biology".
"Bei den meisten Säugetieren, auch beim Menschen, löst der Geruch der Mutter den Saugreflex des Kindes aus", erklären Darren Logan vom Scripps Institute im kalifornischen La Jolla und seine Kollegen. Welche Komponenten dieses mütterlichen Dufts aber die entscheidenden Signale übermitteln, sei bisher ungeklärt. Nur von Kaninchen wisse man, dass ein Botenstoff in der Muttermilch die Jungen zum Saugen animiert. Er muss nicht erst gelernt werden, sondern wirkt von vornherein und bei allen Kaninchen gleichermaßen als auslösender Schlüsselreiz. Bislang vermutete man daher, dass es ein solches sogenanntes Pheromon auch bei anderen Säugetieren geben müsse. "Wir wollten dieses Pheromon auch bei den Mäusen finden und waren erstaunt, dann auf einen völlig anderen Mechanismus zu stoßen", sagt Studienleiterin Lisa Stowers vom Scripps Institute. Das Ergebnis zeige, dass Säugetiere mehrere verschiedene Strategien entwickelt haben, um das überlebenswichtige Saugeverhalten anzustoßen.

Fruchtwasser, Speichel oder Muttermilch


Normalerweise beseitigen Mäusemütter nach der Geburt zunächst die Fruchtblase um die Jungen und lecken diese dann gründlich ab. Anschließend lecken sie sich auch die Zitzen. "Dieses Verhalten bringt die Jungen mit mehreren mütterlichen Körperflüssigkeiten in Kontakt, darunter Fruchtwasser, Speichel und Milch", erklären die Forscher. Um zu testen, in welcher dieser Flüssigkeiten sich das Pheromon verbergen könnte, verhinderten die Wissenschaftler den ersten Kontakt der Jungen mit der Mutter, indem sie sie per Kaiserschnitt entbanden und dann isolierten. Anschließend hielten sie diese an eine Zitze der Mutter, die zuvor gründlich gewaschen worden war. Wie erwartet, saugten die Jungen nicht. Aber auch wenn die Forscher die Zitze mit Speichel oder Milch benetzten, reagierte das Junge nicht. Das zeige, dass es in diesen Flüssigkeiten keinen automatischen Auslöser geben könne, sagen die Forscher. Fruchtwasser dagegen brachte die Mäusejungen dazu, mit dem Saugen zu beginnen.

In nächsten Schritt suchten die Forscher im Fruchtwasser nach einem Pheromon, indem sie systematisch einzelne Komponenten isolierten. "Wir fanden aber keinen einzelnen Duftstoff, der das Saugverhalten auslöste", berichten die Wissenschaftler. Erst wenn mindestens zwei verschiedene Komponenten miteinander gemischt wurden, war dies der Fall.


Um herauszufinden, ob die Reaktion auf das Fruchtwasser genetisch bedingt oder individuell gelernt war, fütterten sie schwangere Mäuseweibchen mit Knoblauch- oder Vanillin-haltigem Futter. Die Duftstoffe dieser Substanzen gelangen auch in das Fruchtwasser und prägen daher die vorgeburtliche Umgebung der Mäusejungen. Nach der Geburt testeten die Forscher erneut an einer zuvor gewaschenen Zitze, wie die Jungen auf Knoblauch, Vanillin oder aber das unparfümierte Fruchtwasser einer Kontrollmaus reagierten. Wie sich zeigte, saugten die Jungen nur dann, wenn die Zitze nach dem Duft roch, dem sie auch im Mutterleib schon ausgesetzt waren. "Obwohl diese Düfte nicht per se auslösend wirken, werden sie dadurch gelernt, dass sie im Mutterleib präsent sind", erklären die Forscher. Das belege, dass es zumindest bei Mäusen und wahrscheinlich auch bei vielen anderen Säugetieren kein einzelnes Pheromon gebe, das den Saugreflex auslöse. (doi:10.1016/j.cub.2012.08.041)
(Current Biology, 08.10.2012 - NPO)
 
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