• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 23.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Lückenlose Klimageschichte im Eisbohrkern

Inlandeis in Grönland erstmals bis zur Basis durchbohrt

Zum ersten Mal wurde bei einer Bohrung in Nordgrönland ein Eiskern gewonnen, der die Klimageschichte der Nordhemisphäre über die letzte Eiszeit hinaus lückenlos erschließt. Die ersten Ergebnisse des internationalen Eiskern-Projekts NGRIP (North Greenland Ice Core Project) werden diese Woche in “Nature³ veröffentlicht.
Grönland

Grönland

Vergleichbar den Jahresringen eines Baumes enthält der 3.085 Meter lange Eiskern Schichten aus den Schneefällen der letzten 123.000 Jahre. Da auf dem Inlandgletscher Grönlands im Laufe der Jahrtausende mehr Schnee liegen blieb als abtauen konnte, verdichtete er sich durch das Eigengewicht schließlich soweit, das er zu Eis wurde. Durch den hohen Druck sind die einzelnen Jahresschichten im Eiskern nur noch etwa einen Zentimeter dick. Der Eisbohrkern reicht bis ins Eem zurück, einer warmen Klimaperiode vor der letzten Eiszeit, in der es einige Grade wärmer war als heute. Belege zum Klima des Eems sind jedoch selten. Der Eiskern bietet nun einen bisher unerreicht genauen Einblick in einen Abschnitt der Klimageschichte, der unserer jetzigen Warmzeit ähnelt. Am Ende des Eems sank die Temperatur über einige tausend Jahre hin langsam ab, bis sich die darauf folgende Eiszeit anschloss. Aus dem Vergleich des Eem mit den heutigen globalen Umweltbedingungen schließen die Wissenschaftler, dass sogar eine etwas wärmere Klimaperiode als die gegenwärtige langsam über mehrere tausend Jahre in eine neue Eiszeit übergehen würde.

Zeugen aus einem Grönland ohne Eis


Die Bohrstelle befindet sich bei 75 Grad Nord, 42 Grad West auf dem Inlandeis Grönlands. An der Basis der 3.085 Meter dicken Eisdecke schmilzt das Eis. Als vergangenes Jahr bei der Bohrung das Grundgestein erreicht wurde, flutete deshalb Wasser die unteren 45 Meter des Bohrlochs. Das rötliche Grundwasser unter dem Gletscher war vermutlich sehr lange Zeit von der Oberfläche isoliert. Es enthält möglicherweise organisches Material exotischer Lebensformen oder Überreste frühen Lebens aus einer Zeit, bevor das Eis Grönland völlig bedeckte. In diesem Sommer haben die Forscher - von deutscher Seite sind das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven sowie das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg beteiligt - das wieder gefrorene Grundwasser erfolgreich durchbohrt. Mit der Untersuchung haben sie gerade begonnen.

Vorhersagen zum künftigen Klima erwartet


Die Analyse des Eises zeigt nicht nur, wie sich die Temperatur in der Vergangenheit verändert hat, auch die Zusammensetzung der Atmosphäre lässt sich rekonstruieren. Denn winzige Proben der früheren Atmosphäre sind im Eis als Luftblasen eingeschlossen. Des Weiteren sind partikuläre Spurenstoffe wie Seesalz, Mineralstaub oder Aerosole vulkanischen Ursprungs archiviert. Sie bringen unter anderem Erkenntnisse darüber, wie die Treibhausgase und Aerosole das Klima beeinflussten, bevor der Mensch ins Spiel kam. Wenn die Wissenschaftler verstehen, was das Klima in der Vergangenheit bestimmte, haben sie den Schlüssel zur Vorhersage des zukünftigen Klimas.
(Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven, 09.09.2004 - ESC)
 
Printer IconShare Icon