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Sonntag, 23.07.2017
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Größtes Riff der Erde verliert die Hälfte seiner Korallen

Stürme, Seesterne und Korallenbleiche dünnten Great Barrier Reef in nur 27 Jahren drastisch aus

Das australische Great Barrier Reef hat in nur 27 Jahren die Hälfte seiner Korallen verloren. Das haben australische Forscher bei einer Bestandsaufnahme im größten Korallenriff der Erde festgestellt. Schuld an dem rapiden Rückgang der Korallen seien drei Faktoren: Tropenstürme verursachten massive Schäden vor allem im Süden und in der Mitte des Riffs. Außerdem wurden die Korallen durch eine dramatische Vermehrung von korallenfressenden Seesternen und durch die vom Klimawandel geförderte Korallenbleiche dezimiert. Gehe der Trend so weiter, könnte das Great Barrier Reef bis zum Jahr 2022 noch einmal zehn Prozent seiner heutigen Korallendichte verlieren, warnen die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Das bedeute den Verlust des Lebensraums für zehntausende von riffbewohnenden Meerestieren und Pflanzen.
Das Great Barrier Reef aus dem Orbit gesehen

Das Great Barrier Reef aus dem Orbit gesehen

Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 345.000 Quadratkilometer und umfasst mehr als 3.000 einzelne Riffe, wie die Forscher berichten. Wegen seiner Größe und Artenvielfalt gehört es seit 1981 zum Weltnaturerbe der UNESCO. "Bisher galt das Great Barrier Reef noch als vergleichsweise wenig gefährdet", berichten Glenn De'ath vom Australian Institute of Marine Science (AIMS) und seine Kollegen. Denn es liege relativ weit von bewohnten Küsten entfernt und sei auch durch Fischerei nur wenig betroffen. Dennoch hätten Studien in den letzten Jahren gezeigt, dass auch in diesem Riffgebiet die Korallendichte abgenommen hat.

Das Ausmaß und die Ursache dieses Rückgangs haben die Forscher nun erstmals genauer ermittelt. Im Rahmen eines seit 1985 laufenden Überwachungsprogramms, hatten die Wissenschaftler des AIMS seit 1985 den Zustand und die Entwicklung des Great Barrier Reef kartiert. Insgesamt führten sie in den letzten 27 Jahren 2.258 Erhebungen in 214 einzelnen Riffen im Gebiet durch.

Diese Aufnahme zeigt zahlreiche Dornenkronenseesterne (Acanthaster planci) auf der Oberfläche eines Korallenriffs im Great Barrier Reef.

Diese Aufnahme zeigt zahlreiche Dornenkronenseesterne (Acanthaster planci) auf der Oberfläche eines Korallenriffs im Great Barrier Reef.

Dezimiert auch durch korallenfresssenden Seestern


Den Daten nach ist die Korallendichte im Great Barrier Reef seit 1985 von 28 auf 13,8 Prozent zurückgegangen. Tropische Wirbelstürme seien für 48 Prozent der Schäden verantwortlich, 42 Prozent der Korallen seien dem korallenfressenden Dornenkronenseestern (Acanthaster planci) zum Opfer gefallen. Dieser bis zu 40 Zentimeter große Seestern habe sich stark vermehrt. Ausbrüche der Korallenbleiche hätten weitere zehn Prozent der Riffbildner getötet.


"Die Geschwindigkeit, mit der die Korallen zurückgehen, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht", sagen die Forscher. Seit 2006 verliere das Riffgebiet pro Jahr 1,45 Prozent seiner Korallendecke - und damit deutlich mehr als nach früheren Erhebungen. Hinzu kommt, dass sich auch das Wachstum der Korallen verlangsamt hat, wie die Wissenschaftler berichten. "Seit 1990 hat die Rate, mit der Korallen neue Kalkskelette bilden, um 15 bis 20 Prozent abgenommen", schreiben De'ath und seine Kollegen. Ursache dafür sei der Klimawandel und das durch diesen immer wärmer und saurer werdende Wasser. Das aber bedeute, dass sich die Korallenriffe auch wesentlich langsamer von Schäden erholen als früher.

"Wir können die Stürme und die Erwärmung des Meeres nicht aufhalten", kommentiert der Leiter des Australian Institute of Marine Science, John Gunn. Aber wenn man wenigstens die Seesterne bekämpfe, könne dies den Korallen eine Chance geben. Denn die Studie zeige auch, dass sich die Korallen ohne diesen Fressfeind pro Jahr um 0,89 Prozent vermehren - vielleicht knapp ausreichend, um den ständigen Verlust durch Stürme und Klimawandel ausgleichen zu können. (doi: 10.1073/pnas.1208909109).
(Proceedings of the National Academy of Sciences, 02.10.2012 - NPO)
 
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