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Nahaufnahme des Gesichts macht misstrauisch
Geringe Distanz lässt Gegenüber weniger vertrauenswürdig erscheinen
Wer das Vertrauen von Wählern oder auch potenziellen Kunden gewinnen will, sollte sich nicht aus großer Nähe fotografieren lassen. Das ist das Fazit einer Studie amerikanischer Psychologen, in der sie die Reaktion von Betrachtern auf Porträtfotos testeten. Das Ergebnis: War die Kamera sehr nah am Gesicht des Fotografierten, bewerteten die Probanden diesen als weniger vertrauenswürdig, weniger attraktiv und weniger kompetent. Die Ursache für diesen Effekt ist eine leichte perspektivische Verzerrung des Gesichts, die allerdings nur unbewusst wahrgenommen wird. Sie vermittelt dem Betrachter das unangenehme Gefühl, das Gegenüber würde in seine persönliche Intimsphäre eindringen, schreiben Ronnie Bryan und seine Kollegen vom California Institute of Technology in Pasadena im Fachmagazin "PLoS One".
Portrait einmal aus geringer Distanz aufgenommen (links) und aus größerem Abstand.
Portrait einmal aus geringer Distanz aufgenommen (links) und aus größerem Abstand.
© Caltech Portrait einmal aus geringer Distanz aufgenommen (links) und aus größerem Abstand.
Gesichter verraten schon auf den ersten Blick viel über eine Person. So bewertet man beispielsweise bereits innerhalb einer Zehntelsekunde, ob das Gegenüber vertrauenserweckend wirkt oder nicht. Auch die Attraktivität, die Kompetenz und eine mögliche Bedrohung werden in Sekundenbruchteilen abgeschätzt. Als entscheidend dafür galten bisher vor allem der Gesichtsausdruck und bestimmte Merkmale des Gesichts, wie etwa das Verhältnis zu Breite und Höhe und der Grad an Kindlichkeit, der unter anderem durch runde Wangen und die Größe der Augen bestimmt wird.

Distanz als bisher übersehener Faktor
Doch das scheint noch nicht die ganze Geschichte zu sein, wie die neuen Ergebnisse von Bryan und seinen Kollegen zeigen. Die Wissenschaftler hatten dazu über 900 Probanden - einigen im Labor, anderen übers Internet - jeweils zwei Aufnahmen von insgesamt 40 Gesichtern gezeigt. Die beiden Fotos unterschieden sich ausschließlich durch den Abstand, den die Kamera vom Gesicht gehabt hatte: In einem Fall betrug er 45 Zentimeter, im anderen 135. Alles andere, wie etwa die Größe des Gesichts und die Helligkeit, bearbeiteten die Forscher so, dass sie exakt gleich wirkten. Die Testteilnehmer sollten angeben, wie attraktiv, kompetent und vertrauenswürdig sie die Abgebildeten fanden. Einige wurden zudem gebeten, dem jeweils Dargestellten eine Geldsumme anzuvertrauen, über deren Höhe sie frei entscheiden konnten.

Die Teilnehmer bewerteten die Gesichter in der Nahaufnahme durchgehend als weniger attraktiv, kompetent und vertrauenswürdig, zeigte die Auswertung. Entscheidend dafür war eine subtile Verzerrung der Abbildung: Je näher die Kamera am Gesicht war, desto größer erschien beispielsweise die Nase, während die Ohren im Verhältnis kleiner wurden. Das konnten die Forscher nachweisen, indem sie einige Fotos gezielt manipulierten und damit den gleichen Effekt bei den Betrachtern auslösten. Bewusst wahrgenommen hatte das jedoch keiner der Probanden. Wurden sie nämlich befragt, welches Bild aus größerer Nähe aufgenommen worden war, entschieden sich viele sogar für das vergrößerte Foto, das in einem größeren Abstand entstanden war.

Wer den persönlichen Abstand unterschreitet, wirkt bedrohlich
Erklären lasse sich diese starke Wirkung des Abstandes mit Hilfe des Konzeptes der sozialen Distanz, erläutern die Forscher. Jeder Mensch besitzt eine Art persönlichen Raum, auch Intimdistanz genannt, der etwa 45 bis 60 Zentimeter beträgt und in den er nur ganz bestimmte Menschen zu ganz bestimmten Zeitpunkten einlässt. Unterschreitet dagegen jemand ohne Erlaubnis diesen Abstand, löst das bei dem Bedrängten unangenehme Gefühle aus: Die Erregung steigt, ein Selbstschutzprogramm läuft an und das Aggressionspotenzial nimmt zu. Auch Angst und Stress können die Folge sein. Das wiederum beeinflusst die Einschätzung der Eindringlings - er wird als unsympathisch, möglicherweise weniger attraktiv und eben als weniger vertrauenswürdig eingeschätzt.

Offenbar imitiere ein Foto, das aus großer Nähe aufgenommen werde, diesen Prozess, interpretieren die Forscher. Denn der Betrachter habe auch hier das Gefühl, der andere dringe in seine Intimdistanz ein. Der Effekt sollte auf jeden Fall weiter untersucht werden, schließlich könne er Konsequenzen für die Darstellung etwa von Politikern haben und auch in der Werbung eine wichtige Rolle spielen. (doi: 10.1371/journal.pone.0045301)
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Nahaufnahme, Portrait, Foto, Kamera, Fotografie, Distanz, Neurobiologie, Psychologie, Gesicht, Vertrauen, Misstrauen
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