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Donnerstag, 27.07.2017
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Immer weniger Platz für Afrikas Menschenaffen

Lebensräume von Schimpansen, Gorillas und Bonobos schrumpfen um vier Fußballfelder pro Tag

In den letzten 20 Jahren haben die Menschenaffen Afrikas mehr als 200.000 Quadratkilometer Lebensraum verloren. Dies entspricht etwa einer Fläche von vier Fußballfeldern pro Tag. Das zeigt die bisher umfassendste Studie zu diesem Thema. Die Regionen mit den größten aktuellen Verlusten sind die Regenwaldgebiete des Kongobeckens und der Westafrikanische Küstenwald in Liberia. In anderen Regionen sei der Lebensraum bereits vor Beginn der Datenerhebung geschrumpft, berichten die Forscher im Fachmagazin "Diversity and Distribution".
Bonobo (Zwergschimpanse)

Bonobo (Zwergschimpanse)

In den vergangenen 30 Jahren hat die Anzahl der in Afrika lebenden Menschenaffen stetig abgenommen. Gründe dafür sind die kommerzielle Jagd auf die Tiere, die Zerstörung ihrer Lebensräume und Krankheiten. “Die Bedrohungen, denen diese Arten ausgesetzt sind, nehmen rasant zu: Die Buschfleischjagd nimmt weiterhin zu, ebenso die Umwandlung der Habitate von Wald in Palmölplantagen und andere Monokulturen", sagt Fiona Maisels von der Wildlife Conservation Society. Sofortige Aufmerksamkeit sei erforderlich um sicherzustellen, dass die nationale und regionale Landnutzungsplanung von Anfang an auch Tier- und Artenschutzmaßnahmen beinhalte. Auch die Strafverfolgung sei wesentlich um die großen Menschenaffen und ihre Lebensräume für die Zukunft zu schützen und zu erhalten.

Standorte von Schimpansen, Gorillas und Bonobos erfasst


Initiiert von der Artenschutzunion IUCN haben 47 Wissenschaftler und Naturschützer, darunter auch ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig (MPI-EVA), Daten über 15.000 Aufenthaltsorte von Schimpansen, Gorillas und Bonobos gesammelt haben und in einer Datenbank kombiniert. Anhand der Ergebnisse schätzten sie die Verteilung geeigneter Lebensraumbedingungen für Menschenaffen über den gesamten afrikanischen Kontinent in den letzten 20 Jahren und fanden heraus: Insgesamt gingen den Menschenaffen mehr als 200.000 Quadratkilometer Lebensraum verloren, eine Fläche von etwa vier Fußballfeldern pro Tag verteilt über die letzten 20 Jahre. Es gibt jedoch teils drastische Unterschiede zwischen den Arten.

Während mehr als 50 Prozent der Lebensräume von Östlichen Gorillas im Laufe der Zeit unbrauchbar geworden sind, ist das nur bei etwa 10 Prozent der Schimpansen-Habitate der Fall. Gründe dafür sind den Autoren zufolge unterschiedliche ökologische Bedingungen, wie beispielsweise Nahrungspräferenzen oder eine stärkere Bedrohung durch Wilderer aufgrund der Verhaltensweisen und Sozialstrukturen verschiedener Menschenaffenarten.


Größte Verluste im Kongobecken und in Liberia


Die Regionen mit dem größten Verlust an geeigneten Menschenaffenhabitaten sind die Regenwaldgebiete des Kongobeckens und der Westafrikanische Küstenwald in Liberia. Allerdings sind in anderen Gebieten, die in letzter Zeit keinen so starken Rückgang vermelden, ein großer Teil der Lebensräume bereits vor den 1990er- Jahren zerstört worden, wie etwa in Ost- und Westafrika. Noch besorgniserregender ist nach Ansicht der Forscher die Erkenntnis, dass gerade in den letzten Hochburgen der Menschenaffen besonders viel Lebensraum geschwunden ist. Sogar diese riesigen und einst abgelegenen Waldgebiete sind nun von Holz- und Bergwerksstraßen durchzogen und wurden in Folge von Menschen besiedelt.

“Diese Studie zeigt, dass die Bedrohungen für afrikanische Menschenaffen mit der Zeit in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zunehmen”, sagt Inaoyom Imong vom MPI-EVA. "Sie verdeutlicht die dringende Notwendigkeit zur Verstärkung der Erhaltungsmaßnahmen, die auch Strafverfolgungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen beinhalten sollten." Ein zunehmendes und nachhaltiges Engagement aller lokalen und internationalen Interessenträger an den Erhaltungsbemühungen sei für das Überleben der Menschenaffen unerlässlich. (Diversity and Distributions, 2012; doi:10.1111/ddi.12005)
(Max-Planck-Gesellschaft, 27.09.2012 - NPO)
 
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