Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Steinzeitmenschen füllten Zahn mit Bienenwachs
6.500 Jahre alter Zahn zeigt Spuren einer medizinischen Zahnbehandlung
Bereits vor 6.500 Jahren haben Menschen womöglich ihre Zahnschmerzen mit Zahnfüllungen bekämpft. Darauf weist ein gut erhaltenes Kieferstück hin, das in Slowenien ausgegraben wurde und bis jetzt im Naturgeschichtemuseum von Trieste in Italien lagerte. Ein internationales Forscherteam durchleuchtete die Zähnedes Kieferstücks unter anderem mithilfe von Röntgen- und Infrarotstrahlen und fand heraus, dass ein Eckzahn mit Bienenwachs gefüllt war.
Dabei konnten die Wissenschaftler nicht ganz eindeutig nachweisen, ob die Füllung noch vor dem Tod des Zahnträgers gemacht wurde, oder erst nachdem dieser verstorben war. Treffe ersteres ein, wurde das Wachs jedoch vermutlich eingesetzt, um einen Riss im Zahn zu füllen und damit Zahnschmerzen zu lindern, berichten die Forscher im Fachmagazin "PLOS ONE". Ihr Fund wäre damit der bisher älteste Beleg für eine therapeutische Zahnbehandlung.

Die gelbe gestrichelte Linie deutet die Wachsfüllung im 6.500 Jahre alten Eckzahn an.
Die gelbe gestrichelte Linie deutet die Wachsfüllung im 6.500 Jahre alten Eckzahn an.
© Bernardini et al. (2012) PLoS ONE doi:10.1371/journal.pone.0044904 Die gelbe gestrichelte Linie deutet die Wachsfüllung im 6.500 Jahre alten Eckzahn an.
Bisher gibt es nur eine Handvoll Hinweise, dass Menschen ihre Zahnschmerzen schon in der Steinzeit medizinischmit Kronen oder Füllungen behandelten. Der bisher älteste Fund geht in die Jungsteinzeit vor über 7.500 Jahren v.Chr. zurück. In eine Grabstätte in Pakistan fand man mehrere Bohrlöcher in Backenzähnen. Doch wirkliche Belege für therapeutische Zahnbehandlungen gibt es erst aus jüngeren Zeiten. So berichten alte ägyptische Schriften von vor 1.600 Jahren v.Chr. über Methoden, bei denen Zähne mit einer Mischung aus Honig und Mineralien wieder angeklebt wurden.

"Unser Fund ist vielleicht das älteste bekannte Beispiel, das auf eine therapeutische, schmerzlindernde Zahnfüllung hinweist", sagt Studienleiter Federico Bernardini vom Abdus Salam International CentreforTheoreticalPhysics in Trieste. Entdeckt hatten die Forscher dies, als sie einen gut erhaltenes Kieferstück untersuchten. Dieses wurde in der Nähe des Dorfes Lonche im Südwesten Sloweniens aus dem Kalkspat eine Höhle ausgegraben und war bis jetzt im Naturgeschichtemuseum von Trieste ausgestellt. Für die Forscher stellte es ein interessantes Untersuchungsobjekt, da es als der bisher älteste menschliche Fund aus dem nördlichen Adriagebiet gilt.

Ein Riss durchzieht den Eckzahn
Dabei bestehen die Knochenüberreste lediglich aus einem herausgebrochenen Stück des linken Unterkiefers, das noch einen Eckzahn, zwei vordere Backenzähne und zwei hintere Backenzähne trägt.Mit der Radiokarbonmethode, mit der man anhand der Radioaktivität von Kohlenstoff das Alter organischen Materials bestimmen kann, wiesen die Forscher nach, dass der Kieferknochen 6645-6440 Jahre alt ist. Eine Aufnahme im Computertomographen zeigte zudem, dass der Eckzahn nicht nur stark abgenutzt ist, sondern auch einen vertikalen Riss hat, berichten die Forscher.

Der wurzeltiefe Riss im Zahn war jedoch durch eine Füllung mit bloßem Auge nicht zu erkennen.Um das Füllmaterial genauer zu untersuchen, entnahmen die Forscher davon winzige Proben und durchleuchteten diese mit Infrarot-Strahlen. Anhand des Strahlenspektrums erkannten die Forscher, das es sich hierbei um Bienenwachs handelt.

Durch die Ungenauigkeit der Datierungsmethoden konnten die Wissenschaftlerjedoch nicht eindeutig feststellen, ob die Füllung noch vor dem Tod des Zahnträgers gemacht wurde, oder das Wachs erst in den Zahn schmolz, nachdem dieser verstorben war.Da jedoch damals schon bekannt war, dass Bienenwachs sehr gut bindet, könnte dies in der Tat absichtlich als Zahnfüllung genutzt worden sein, um die Empfindlichkeit des Zahns zu senken, sagen die Forscher. (doi:10.1371/journal.pone.0044904)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Neandertaler, Zahn, Zahnfüllung, Zahnschmerzen, Datierung, Frühmensch, Menschheitsgeschichte, Steinzeit
Weitere News zum Thema
Älteste Gehörknochen eines Vormenschen entdeckt (14.05.2013)
1,8 Millionen Jahre alter Fund bietet Einblick in das Gehör unserer Urahnen
Moderner Mensch verließ Afrika doch relativ spät (22.03.2013)
Auswanderung nach Europa begann erst vor maximal 95.000 Jahren
Neandertaler starben früher aus als gedacht (05.02.2013)
Auf der iberischen Halbinsel entdeckte Funde sind 10.000 Jahre älter als gedacht
China: Frühmensch-Genom entschlüsselt (22.01.2013)
Verwandtschaftsbeziehungen anhand von 40.000 Jahre alter DNA
Stein-Speerspitzen gab es schon vor 500.000 Jahren (16.11.2012)
Fundstücke aus Südafrika werfen neues Licht auf die Fähigkeiten unserer frühen Vorfahren
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Urahnen des Menschen
Frühmenschen
Dossiers zum Thema
Projekt Neandertaler
Gene lösen Rätsel um eiszeitlichen Vetter
Der Streit um den Neandertaler
Anmerkungen zur Evolution des Menschen
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
News des Tages
Erbgut der Auster ist entschlüsselt
Steinzeitmenschen füllten Zahn mit Bienenwachs
Bohrschwämme bedrohen Korallenriffe
Nachdenken macht egoistisch
Bücher zum Thema
Die Welt des Neandertalers
Von den Ursprüngen des Menschen von Juan L. Arsuaga
Tod im Neandertal. Akte Ötzi. Tatort Troja
Die ungelösten Fälle der Archäologie von Dirk Husemann
Die Ursprünge der Menschheit
von Fiorenzo Facchini
Das Rätsel der Menschwerdung
von Josef H. Reichholf
Top-Clicks der Woche
1. Zucker macht Goldgewinnung "grün"
2. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
3. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
4. Nächster Schritt zum Rechnen mit Licht
5. Die Minoer kamen nicht aus Afrika