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Sonntag, 26.10.2014
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Firnis ließ Farbe in Van Gogh-Gemälde ausgrauen

Chemische Reaktion mit einem nachträglichen Lacküberzug machte gelbe Farben stumpf

Ein nachträglich aufgebrachter Lacküberzug ist schuld an der dunklen Verfärbung einiger Gemälde von Vincent Van Gogh. Das hat ein internationales Forscherteam mit Hilfe von Röntgenanalysen herausgefunden. Der Firnis reagierte mit der gelben Farbe des Gemäldes und bildete eine undurchsichtige graue Kruste. Die Blumen in dem Bild "Blumen in blauer Vase" erscheinen dadurch statt in leuchtendem Gelb heute nur noch matt orange-grau. Diese Erkenntnis zeige, dass nachträglich aufgetragene Firnis-Schichten zum Verfall bestimmter Pigmente eines Gemäldes beitragen können. Künftig lässt sich nun dieser Zerfallsprozess hoffentlich stoppen oder sogar mit neuen Konservierungstechniken verhindern, berichte die Forscher im Fachmagazin "Analytical Chemistry". Ob eine Entfernung des Firnis auf diesem und anderen betroffenen Gemälden möglich und sinnvoll sei müsse aber noch geklärt werden.
Vincent Van Goghs "Blumen in blauer Vase"; die Markierungen zeigen die Orte der Probenentnahme.

Vincent Van Goghs "Blumen in blauer Vase"; die Markierungen zeigen die Orte der Probenentnahme.

Weißer Überzug und graue Kruste


Vincent Van Gogh überzog seine Werke normalerweise nicht mit einem Firnis, so auch nicht das Bild "Blumen in blauer Vase", das er 1887 in Paris fertigstellte. Der Künstler verwendete dafür aber das damals relativ neue Pigment Cadmiumgelb. Bereits vor einigen Jahren hatten Forscher festgestellt, dass dieser Farbstoff im Laufe der Zeit weißlich anläuft, weil die Cadmium-Verbindung mit dem Luftsauerstoff reagiert. Doch bei einer Untersuchung im Jahr 2009 entdeckte die Konservatorin Margje Leeuwestein vom Kröller-Müller-Museum im niederländischen Ottlero, dass die gelben Flächen in diesem Gemälde neben den weißlichen Verfärbungen auch eine graue Kruste aufwiesen. "Die Beobachtung, dass die Pigmente hier mit einer dunklen, rissigen Kruste überzogen sind, statt mit der leicht weißen, transparenten Oxidationsschicht, hat uns sehr neugierig gemacht", berichtet Studienleiter Koen Janssens aus Antwerpen.

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, schickte das Kröller-Müller-Museum zwei mikroskopisch kleine Farbproben des Gemäldes - beide nur Millimeterbruchteile groß - zur Untersuchung an Janssens und seine Kollegen. Die Forscher durchleuchteten die Farbproben mit Hilfe von energiereichen Röntgenstrahlen, unter anderem an der Röntgenquelle PETRA II im Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg.

Dabei habe sich gezeigt, dass Sulfat-Ionen aus dem Cadmiumgelb mit Blei aus dem Firnis reagiert hatten. Dabei sei sogenanntes Bleivitriol, eine undurchsichtige Substanz gebildet worden. "An der Grenzschicht zwischen Farbe und Firnis bildete sich zudem mit Abbauprodukten aus dem Firnis eine Schicht aus Cadmiumoxalat", ergänzt Ko-Autorin Marine Cotte von der Europäischen Synchrotronquelle ESRF in Grenoble. Gemeinsam mit dem Bleivitriol sei dieses Cadmiumoxalat für die undurchsichtige, orange-graue Kruste auf den cadmiumgelben Bereichen des Gemäldes verantwortlich.

Mikroskop-Aufnahme einer Cadmiumgelb-Probe aus dem Van-Gogh-Gemälde "Blumen in blauer Vase"

Ergebnisse helfen beim Erhalt wertvoller Gemälde


"Einmal mehr stellen wir fest, dass Gemälde von Vincent Van Gogh nicht unveränderlich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte sind", schließt Janssens. Über einen Zeitraum von 100 Jahren seien sie ein ziemlich reaktiver Cocktail von Chemikalien, der sich überraschend verhalte. Wie die Forscher erklären, wurden viele der Gemälde aus Van Goghs Französischer Periode in der Vergangenheit mit ungeeignetem Firnis versehen. Die Entfernung dieser nicht originalen Firnisschichten sei nun eine der Herausforderungen, denen Konservatoren weltweit heute gegenüberstehen.

"Janssens und sein Team haben entscheidende Informationen geliefert, um Konservatoren bei den schwierigen Entscheidungen über solche komplexen Reinigungsbehandlungen zu unterstützen", kommentiert Ella Hendriks, Chef-Konservatorin des Van-Gogh-Museums in Amsterdam die Ergebnisse der Studie. (doi: 10.1021/ac3015627)
(Analytical Chemistry, 17.09.2012 - NPO)

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