Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Placebo-Effekt kann auch durch unbewusste Signale ausgelöst werden
Unterschwellige Botschaften beeinflussen im Experiment die Schmerzwahrnehmung
Der Placebo-Effekt funktioniert auch unterschwellig: Selbst unbewusst wahrgenommene Signale und Informationen können dazu führen, dass eine eigentlich wirkungslose Behandlung anschlägt. Das belegt das Experiment eines internationalen Forscherteams. Dabei hatten die Versuchsteilnehmer gelernt, ein bestimmtes Gesicht auf dem Bildschirm mit einem schmerzhaften, ein anderes mit einem harmlosen Hitzereiz zu verbinden. Im eigentlichen Test erschienen die Gesichter jeweils nur so kurz, dass die Probanden sie nicht bewusst wahrnehmen konnten. Dennoch werteten diese den Hitzereiz je nach Gesicht mal als schmerzhaft, mal als angenehm - obwohl die Temperatur der Hitzesonde die ganze Zeit die gleiche war. Das zeige, dass der Placebo-Effekt die Schmerzwahrnehmung auch dann beeinflussen könne, wenn der Auslöser zu schnell oder unauffällig sei, um bewusst wahrgenommen zu werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Tabletten
Tabletten
© Hemera Photo Objects
"Diese Erkenntnis öffnet eine ganz neue Tür zum Verständnis der Placebos und der Rituale der Medizin", sagt Ko-Autor Ted Kaptchuk von der Harvard Medical School in Boston. Denn der neu entdeckte Mechanismus funktioniere automatisch und schnell und sei unabhängig von bewussten Überlegungen und Bewertungen. Diese Erkenntnis sei sowohl für Ärzte und Patienten als auch für klinische Studien wichtig. "Der Patient registriert offenbar auch subtile Botschaften, beispielsweise solche, die der Mediziner aussendet, ohne sich dessen bewusst zu sein", sagen die Forscher. Das könnte erklären, warum selbst eine unausgesprochene Erwartung des Arztes an ein Medikament oder eine Behandlung schon beeinflussen kann, wie dieses beim Patienten wirkt.

Effekt ohne Wirkstoff
Ein Placebo-Effekt tritt dann auf, wenn es einem Patienten besser geht, obwohl er nur eine Scheinbehandlung oder ein Scheinmedikament erhalten hat, wie beispielsweise eine Tablette ohne medizinische Inhaltsstoffe. Aber auch das Umgekehrte kommt vor, der sogenannte Nocebo-Effekt: Dabei löst ein wirkstofffreies Präparat Nebenwirkungen oder eine Verschlechterung des Zustands aus. "Gängiger Theorie nach beruht diese Wirkung darauf, dass der Patient bestimmte Erwartungen hat oder aber auf bestimmte Signale reagiert", erklären Karin Jensen von der Harvard Medical School in Boston und ihre Kollegen. Solche Signale können die Erklärungen des Arztes sein, aber auch das Schlucken einer Pille.

Bisher sei man immer davon ausgegangen, dass die Auslöser dieser Effekte bewusst wahrgenommen werden müssen. Von vielen Verhaltensreaktionen wisse man jedoch inzwischen, dass auch unterschwellige Reize sie beeinflussen können. "Es ist aber nie untersucht worden, ob Placebo- oder Nocebo-Reaktion auch durch unterschwellige, nicht bis ans Großhirn weitergereichte Reize ausgelöst werden kann" schreiben die Forscher.

Hitzesonde am Arm als Schmerzreiz
Am Experiment nahmen 40 junge, gesunde Frauen und Männer teil. Zunächst lernten sie in einem Trainingsdurchlauf, ein bestimmtes Gesicht auf einem Bildschirm mit einem schmerzhaften Hitzereiz zu verbinden, ein anderes Gesicht mit einem nicht schmerzhaften. Je nach Bild heizte sich eine Thermosonde an ihrem linken Unterarm stärker oder weniger stark auf. Nach jedem Bild sollten die Teilnehmer auf einer Skala von 0 bis 100 angeben, wie stark der Schmerz an ihrem Arm war.

Beim Test wurden wieder die gleichen Gesichter eingeblendet, nur dass dabei ohne Wissen der Probanden jedes Mal der gleiche Hitzereiz ausgeübt wurde. Im ersten Testteil erschienen die Gesichter jeweils 100 Millisekunden lang - lang genug, um bewusst erkannt zu werden. Im zweiten Durchgang dagegen wurde jedes Gesicht nur 12 Millisekunden lang eingeblendet und die restliche Zeit von einer neutralen Maske abgedeckt. "Keiner der Probanden konnte die Gesichter dabei bewusst erkennen und unterscheiden", berichten die Forscher. Dennoch hätten die Teilnehmer in beiden Testteilen gleichermaßen den Hitzereiz immer dann als schmerzhaft bewertet, wenn das zuvor mit unangenehmer Hitze verknüpfte Bild eingeblendet wurde. (doi: 10.1073/pnas.1202056109)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Wirkstoffe, Placebo-Effekt, Nocebo-Effekt, Psychologie, Behandlung, Schmerzwahrnehmung
Weitere News zum Thema
Partnerwahl hinterlässt Spuren am Erbgut (03.06.2013)
Forscher manipulieren Paarbindung bei Prärie-Wühlmäusen mittels Chemikalie
SOS-Reaktion von Mikroben fördert Resistenzen (29.04.2013)
Forscher klären, warum selbst niedrig dosierte Antibiotika resistente Keime entstehen lassen
Neuer Helfer der Krebsabwehr entdeckt (08.04.2013)
Das Krebsabwehr-Eiweiß p53 bekommt Unterstützung durch eine Schleuse im Zellkern
Intelligente Drähte als künstliche Muskeln (26.03.2013)
Forscher entwickeln Drähte, die ohne Sensoren komplexe Abläufe präzise steuern können
Mundwasser gegen Krebs? (25.03.2013)
Orale Desinfektionsmittel induzieren Zelltod in menschlichen Tumorzellen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Homöopathie
Sanfte Medizin oder moderner Aberglaube?
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Die Gedanken der Anderen
Der Zuschreibung von Wahrnehmungen und Gedanken auf der Spur
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
News des Tages
Windkraft kann den Welt-Energiebedarf mehrfach decken
Placebo-Effekt kann auch durch unbewusste Signale ausgelöst werden
Babys überflügeln Erwachsene beim Lernen sprachlicher Regeln
Tropische Beere hat das schillerndste Blau der Natur
Bücher zum Thema
50 Schlüsselideen Psychologie
von Adrian Furnham
Das selbstbewusste Gehirn
Perspektiven der Neurophilosophie
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Schmerzen verstehen
von David Butler und Lorimer G. Moseley
Zukunft Gehirn
Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen von Peter Gruss und Tobias Bonhoeffer (Herausgeber)
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Riesige Stadt um Angkor Wat entdeckt
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst