Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Gentherapie gibt Mäusen den Riechsinn zurück
Behandlung könnte auch Menschen mit angeborener Geruchsstörung helfen
Ein internationales Forscherteam hat erstmals eine angeborene Geruchsblindheit mittels Gentherapie geheilt. Bei Mäusen reparierten sie eine Genmutation, die zu verkümmerten Sinneshärchen in den Riechzellen der Nase führt. Diese auch beim Menschen vorkommende Fehlbildung blockiert den Geruchssinn und war bisher nicht heilbar. Den Forschern gelang es nun, diese Fehlbildung rückgängig zu machen, indem sie in intaktes Ersatzgen in die Riechzellen einschleusten. Schon 24 Stunden nach dieser Behandlung hätten die zuvor geruchsblinden Mäuse wieder riechen können. Die Sinneshärchen ihrer Riechzellen seien wieder funktionsfähig geworden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Medicine". Dieses Ergebnis eröffne einen Weg, solche Fehlbildungen auch beim Menschen zukünftig mittels Gentherapie heilen zu können.
Nase - Sitz der Riechsinneszellen
Nase - Sitz der Riechsinneszellen
© IMSI Masterclips
Viele Sinneszellen unsere Körpers tragen feine, haarförmige Anhänge, die sogenannten Cilien. Diese Härchen sind unter anderem für die Wahrnehmung von Reizen unabdingbar. Sind sie durch einen Gendefekt verkümmert oder fehlgebildet, kann dies die Fähigkeit zu riechen blockieren, wie die Forscher berichten. Eine Therapie, die Patienten mit einer solchen Ciliopathie helfen könne, habe es bisher nicht gegeben. "Wir haben nun erstmals eine therapeutische Behandlung gefunden, die die Cilien wiederherstellt und diese Fehlbildungen heilt", schreiben Jeremy McIntyre von der University of Michigan in Ann Arbor und seine Kollegen.

Virenspray bringt Ersatzgen an seinen Einsatzort
Die Forscher testeten ihr Verfahren an einem Mäusestamm, bei dem ein bestimmtes Gen, IFT88, durch eine Mutation verändert ist. Als Folge besitzen die Tiere fehlgebildete Cilien und sind geruchsblind. Wie McIntyre und seine Kollegen mittels Genanalysen herausfanden, ist dieses Gen auch bei vielen Menschen mit Ciliopathie defekt. Um ein intaktes Ersatzgen in die Riechzellen der Mäuse einzuschleusen, bauten die Wissenschaftler es zunächst in Viren ein, die mit den Erregern des Schnupfens verwandt sind. Diese Adenoviren befallen die Zellen der Nase und bauen dabei ihre DNA in die der Wirtszellen ein. Dadurch gelangt auch das Ersatzgen für das defekte IFT88 in das Genom der Riechzellen. Mittels Nasenspray verabreichten die Forscher den Mäusen die Lösung mit den zu Genfähren umgerüsteten Viren.

Bereits wenige Stunden nach der Behandlung ließ sich das von dem Ersatzgen produzierte Eiweiß in den Riechzellen der Mäuse nachweisen, wie die Forscher berichten. Auch die Cilien hätten erste Anzeichen für eine Erholung gezeigt. Um herauszufinden, ob dadurch auch der Geruchssinn der Mäuse wiederkehrte, ließen die Forscher die Tiere an verschiedenen Konzentrationen eines Duftstoffs riechen. Gleichzeitig maßen sie die Hirnströme im Riechzentrum des Gehirns. "Die zuvor geruchsblinden Mäuse zeigten dabei eine normale, gesunden Mäusen ähnliche Reaktion", schreiben McIntyre und seine Kollegen. Das zeige, dass die Gentherapie nicht nur die Cilienfehlbildung korrigiert, sondern auch die Riechfähigkeit wiederhergestellt habe.

"Eine solche Gentherapie hat daher auch großes Potenzial, um Ciliopathien beim Menschen zu heilen", konstatieren die Forscher. Weil die Riechzellen der Nase nicht lange leben und häufig erneuert werden, halte die Wirkung einer Behandlung allerdings nicht dauerhaft an. Bei den Mäusen habe man das neue Gen rund einen Monat lang nachgewiesen, berichten die Wissenschaftler. Der Vorteil sei aber, dass die Nasenzellen gut zugänglich seien und das Einschleusen des Ersatzgens mittels Virenspray daher sehr einfach. Alternativ müsse man nach Strategien suchen, das Ersatzgen zukünftig dauerhafter zu etablieren. (doi:10.1038/nm.2860)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Sinne, Riechen, Riechsinn, Geruchsblindheit, Ciliopathie, Riechzellen, Cilien, Sinneshärchen, Gentherapie, Mäuse
Weitere News zum Thema
Dioxin erhöht Risiko für aggressiven Protstatakrebs (13.05.2013)
75 Prozent mehr Tumorfälle bei US-Veteranen nach Kontakt mit dioxinhaltigem Agent Orange
Rekord: Eine Motte hört am höchsten (08.05.2013)
Die Große Wachsmotte kann noch Frequenzen bis 300 Kilohertz wahrnehmen
Handschuh als Giftwarner (03.05.2013)
Neuartiges Textil zeigt Präsenz toxischer Substanzen durch einen Farbwechsel an
Gehör: Schutzschalter gegen Lärm identifiziert (16.04.2013)
Rezeptor im Innenohr passt unsere Hörschwelle der Umgebungslautstärke an
Höhlenfisch ist blind und fast taub (27.03.2013)
Zwei unterirdisch lebende Fischarten haben gleich zwei Sinne rückgebildet
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Riechen
Dossiers zum Thema
Duft
Von der Nase ins Gehirn
Tausendfache Geruchsfänger
Wie das Riechsystem Informationen verarbeitet
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Organe aus der Retorte
Tissue Engineering und Stammzellen revolutionieren die Medizin
Seltene Krankheiten
Gibt es Hoffnung auf neue Therapien?
Teamwork der Sinne
Auch die Augen hören mit
News des Tages
Gentherapie gibt Mäusen den Riechsinn zurück
Forscher entwickeln pollenlose Allergiker-Geranie
Bakterienprodukt hemmt Tumorzellen
Kabelloser Wächter meldet offene Fenster
Bücher zum Thema
Das Maiglöckchen-Phänomen
Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt von Hanns Hatt und Regine Dee
Dem Rätsel des Riechens auf der Spur
Grundlagen der Duft- wahrnehmung von Hanns Hatt
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Der erweiterte Phänotyp
Der lange Arm der Gene von Richard Dawkins
Top-Clicks der Woche
1. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
2. Neandertaler-Mütter stillten ihre Kinder genauso kurz wie wir
3. Urzeit-Wald auf Baustelle entdeckt
4. Kluge Hirne sind wählerisch
5. Zweisprachige nutzen zwei Lautsysteme