• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 26.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Gentherapie gibt Mäusen den Riechsinn zurück

Behandlung könnte auch Menschen mit angeborener Geruchsstörung helfen

Ein internationales Forscherteam hat erstmals eine angeborene Geruchsblindheit mittels Gentherapie geheilt. Bei Mäusen reparierten sie eine Genmutation, die zu verkümmerten Sinneshärchen in den Riechzellen der Nase führt. Diese auch beim Menschen vorkommende Fehlbildung blockiert den Geruchssinn und war bisher nicht heilbar. Den Forschern gelang es nun, diese Fehlbildung rückgängig zu machen, indem sie in intaktes Ersatzgen in die Riechzellen einschleusten. Schon 24 Stunden nach dieser Behandlung hätten die zuvor geruchsblinden Mäuse wieder riechen können. Die Sinneshärchen ihrer Riechzellen seien wieder funktionsfähig geworden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Medicine". Dieses Ergebnis eröffne einen Weg, solche Fehlbildungen auch beim Menschen zukünftig mittels Gentherapie heilen zu können.
Nase - Sitz der Riechsinneszellen

Nase - Sitz der Riechsinneszellen

Viele Sinneszellen unsere Körpers tragen feine, haarförmige Anhänge, die sogenannten Cilien. Diese Härchen sind unter anderem für die Wahrnehmung von Reizen unabdingbar. Sind sie durch einen Gendefekt verkümmert oder fehlgebildet, kann dies die Fähigkeit zu riechen blockieren, wie die Forscher berichten. Eine Therapie, die Patienten mit einer solchen Ciliopathie helfen könne, habe es bisher nicht gegeben. "Wir haben nun erstmals eine therapeutische Behandlung gefunden, die die Cilien wiederherstellt und diese Fehlbildungen heilt", schreiben Jeremy McIntyre von der University of Michigan in Ann Arbor und seine Kollegen.

Virenspray bringt Ersatzgen an seinen Einsatzort


Die Forscher testeten ihr Verfahren an einem Mäusestamm, bei dem ein bestimmtes Gen, IFT88, durch eine Mutation verändert ist. Als Folge besitzen die Tiere fehlgebildete Cilien und sind geruchsblind. Wie McIntyre und seine Kollegen mittels Genanalysen herausfanden, ist dieses Gen auch bei vielen Menschen mit Ciliopathie defekt. Um ein intaktes Ersatzgen in die Riechzellen der Mäuse einzuschleusen, bauten die Wissenschaftler es zunächst in Viren ein, die mit den Erregern des Schnupfens verwandt sind. Diese Adenoviren befallen die Zellen der Nase und bauen dabei ihre DNA in die der Wirtszellen ein. Dadurch gelangt auch das Ersatzgen für das defekte IFT88 in das Genom der Riechzellen. Mittels Nasenspray verabreichten die Forscher den Mäusen die Lösung mit den zu Genfähren umgerüsteten Viren.

Bereits wenige Stunden nach der Behandlung ließ sich das von dem Ersatzgen produzierte Eiweiß in den Riechzellen der Mäuse nachweisen, wie die Forscher berichten. Auch die Cilien hätten erste Anzeichen für eine Erholung gezeigt. Um herauszufinden, ob dadurch auch der Geruchssinn der Mäuse wiederkehrte, ließen die Forscher die Tiere an verschiedenen Konzentrationen eines Duftstoffs riechen. Gleichzeitig maßen sie die Hirnströme im Riechzentrum des Gehirns. "Die zuvor geruchsblinden Mäuse zeigten dabei eine normale, gesunden Mäusen ähnliche Reaktion", schreiben McIntyre und seine Kollegen. Das zeige, dass die Gentherapie nicht nur die Cilienfehlbildung korrigiert, sondern auch die Riechfähigkeit wiederhergestellt habe.


"Eine solche Gentherapie hat daher auch großes Potenzial, um Ciliopathien beim Menschen zu heilen", konstatieren die Forscher. Weil die Riechzellen der Nase nicht lange leben und häufig erneuert werden, halte die Wirkung einer Behandlung allerdings nicht dauerhaft an. Bei den Mäusen habe man das neue Gen rund einen Monat lang nachgewiesen, berichten die Wissenschaftler. Der Vorteil sei aber, dass die Nasenzellen gut zugänglich seien und das Einschleusen des Ersatzgens mittels Virenspray daher sehr einfach. Alternativ müsse man nach Strategien suchen, das Ersatzgen zukünftig dauerhafter zu etablieren. (doi:10.1038/nm.2860)
(Nature Medicine, 03.09.2012 - NPO)
 
Printer IconShare Icon