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Dienstag, 24.01.2017
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Klimawandel gefährdet Wildbienen im Hochgebirge

Wärmer werdendes Klima führt zur Verdrängung

Wenn der Klimawandel weiter voranschreitet, könnte er viele Wildbienen im Hochgebirge und in kühleren Regionen der Erde gefährden – mit nicht absehbaren Folgen für den Artenreichtum dort. Denn die an die höheren Lagen angepassten Arten sind denen aus tieferen Gebieten unterlegen, wenn das Klima wärmer wird. Sie könnten dann verdrängt werden, wie Wissenschaftler vom Biozentrum der Uni Würzburg im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" berichtenr.
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Eine Berglandhummel (Bombus monticola) im Nationalpark Berchtesgaden auf einer Kleeblüte

Eine Berglandhummel (Bombus monticola) im Nationalpark Berchtesgaden auf einer Kleeblüte

Gletscher schmelzen, Dauerfrostböden tauen auf: Die Klimaerwärmung zeigt sich auch in den Hochgebirgen. Und natürlich werden sich die höheren Temperaturen dort auch auf Tiere und Pflanzen auswirken – zum Beispiel auf Wildbienen, die wichtigsten Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen. Wie beeinflussen unterschiedliche klimatische Bedingungen die Artenvielfalt der Wildbienen? Welche Eigenschaften dieser Bienen sind für ihr Überleben unter anderen klimatischen Verhältnissen wichtig? Das haben die Würzburger Biologen Bernhard Hoiß, Jochen Krauss und Ingolf Steffan-Dewenter im Nationalpark Berchtesgaden untersucht. „Der Nationalpark ist dafür hervorragend geeignet, weil es dort auf engem Raum große Höhen- und damit große Klimaunterschiede gibt“, erklärt Hoiß.

Anpassungen nur bei kühlerem Klima vorteilhaft


In 600 bis 2.000 Metern Höhe haben die Würzburger Forscher im Nationalpark Berchtesgaden insgesamt 87 Arten von Wildbienen nachgewiesen. Allein 19 davon gehören zu den Hummeln. Der Artenreichtum und die Zahl der Individuen sind auf den niedriger gelegenen, warmen Flächen ungefähr zwei bis drei Mal größer als auf den Wiesen weiter oben. Der Großteil der Arten in höheren Lagen hat nur ein kleines Verbreitungsgebiet und ist an alpine und kühle Lebensräume angepasst. Diese Arten leben daher besonders häufig in sozialen Staaten, bauen unterirdische Nester und besitzen größere Körper. Diese evolutionären Anpassungen erleichtern das Überleben unter den widrigen klimatischen Bedingungen im Gebirge, sie gehen aber auch auf Kosten der Konkurrenzstärke

Sollten daher zukünftig weniger kältetolerante Arten mit ähnlichen Ansprüchen in den Lebensraum der „Hochgebirgsspezialisten“ vordringen, wären diese im Nachteil – etwa weil ihre Blüten nun auch von anderen Bienen als Nahrungsquelle genutzt werden. „Diese reduzierte Konkurrenzkraft könnte den Spezialisten zum Verhängnis werden, wenn mit einem wärmer werdenden Klima die dominanteren, wärmeliebenden Arten die alpinen Lebensräume erobern“, sagt Bernhard Hoiß. Dadurch sei das Überleben der spezialisierten Wildbienen in den hohen Lagen der Alpen gefährdet. Und für Regionen in hohen Breitengraden sei derselbe Effekt zu erwarten, zum Beispiel in Nordskandinavien.


Wie wird sich der prognostizierte Schwund der Wildbienen auf die Bestäubung und damit auf die artenreichen Pflanzen-Lebensgemeinschaften in den entsprechenden Regionen auswirken? Diese Frage wollen die Würzburger Biologen als nächstes angehen. Erste Experimente dazu haben sie im Nationalpark Berchtesgaden schon gemacht. (Proc. R. Soc. B, 2012; doi:10.1098/rspb.2012.1581)
(Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 30.08.2012 - NPO)
 
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