• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 28.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Forscher vermuten riesige Mengen Methan in der Antarktis

Über Millionen von Jahren hinweg könnten Mikroben unter der Eisdecke das Treibhausgas erzeugt haben

Bis zu vier Milliarden Tonnen des Treibhausgases Methan könnten unter dem Eis der Antarktis eingeschlossen sein. Das zeigen Modellberechnungen eines internationalen Forscherteams. Ausgangspunkt dieses Modells ist, dass der Kontinent vor rund 35 Millionen Jahren statt mit Eis mit Wasser bedeckt war. Im Laufe der Zeit hätten Meerestiere und Pflanzen organisches Material hinterlassen, welches heute in Sedimenten eingelagert unter der Eisdecke begraben sei, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".
Panorama der Ross-Insel von der McMurdo-Station aus gesehen

Panorama der Ross-Insel von der McMurdo-Station aus gesehen

Dabei zeigten Daten anderer Gletschereisfelder bereits, dass dort keineswegs lebenswidrige Bedingungen herrschen. Mikroben fühlten sich wahrscheinlich sogar sehr wohl unter dem Eis und könnten über Millionen von Jahren hinweg das alte organische Material in Methan umgewandelt haben. Falls ihre Berechnung sich in weiteren Studien bestätige, hätte dies weitreichende Folgen für das Klima, warnen die Forscher. Denn durch die globale Erwärmung könne die Eisdecke schmelzen und das Methan entweichen. Als Treibhausgas in der Atmosphäre würde dieses den Klimawandel wiederum verstärken.

Dass am Meeresboden, in Seesedimenten, oder unter kilometerdicken Eisschichten große Mengen Methan lagern können, ist allgemein bekannt, schreiben Jemma Wadham von der University of Bristol School und ihre Kollegen. Denn unter bestimmten Bedingungen zersetzten Mikroben das organische Material, das dort ehemals angesiedelte Lebewesen hinterlassen hätten. Durch den hohen Druck und niedrige Temperaturen in der Tiefe würde das Methan schließlich in Form von Hydraten gespeichert, einem eisartiger Feststoff. Am besten erforscht seien dabei die riesigen Methanhydratspeicher unter dem Meer und den Eisschichten der Arktis, sagen die Forscher. Für die Antarktis hätte man Ähnliches zwar bereits vermutet, das Ausmaß der Methanansammlungen sei dort jedoch bisher nicht berechnet worden.

"Man vergisst leicht, dass der antarktische Kontinent vor rund 35 Millionen Jahren, bevor sich das Gletschereis bildete, noch mit Leben erfüllt war“, sagt Coautor Slawek Tulaczyk von der UC Santa Cruz. Statt dem Eis befand sich dort Wasser, wodurch sich über Millionen von Jahren hinweg marine Sedimente am Meeresgrund ablagerten. Dabei schätzten die Forscher mithilfe bereits vorhandener Daten, dass unter der antarktischen Eisdecke heute insgesamt 21.000 Milliarden Tonnen organisches Material eingeschlossen sind. "Das ist die über zehnfache Menge verglichen mit den Sedimentablagerungen unter den Eisschichten am Nordpol," sagt Studienleiterin Wadham.

Vier Milliarden Tonnen Methan könnten im Sediment lagern


Ob Bakterien auch die marinen Sedimente unter der antarktischen Eisdecke zu Methan zersetzen, sei noch nicht direkt erforscht worden, sagen die Forscher. Daten ähnlicher Gletschereisgebiete in Grönland oder der kanadischen Arktis wiesen jedoch darauf hin, dass die Lebensbedingungen für die Mikroben auch hier gegeben sind. Insgesamt könnten diese Einzeller bereits vier Milliarden Tonnen des Treibhausgases gebildet haben, schätzen die Forscher. Das sei ähnlich den Mengen, die unter der arktischen Eisdecke vermutet werden. Anhand eines Modells für Hydratbildung errechneten die Wissenschaftler zudem, dass Druck und Temperatur ausreichen, damit das Methangas nicht einfach entweicht, sondern kompakt als Hydrat im Untergrundboden der Antarktis gespeichert bleibt.


Noch gebe es keine eindeutigen Belege für Methanspeicher in der Antarktis, sagen die Forscher. Ihre Untersuchung zeige jedoch, dass deren mögliche Existenz nicht vernachlässigt werden sollte. Denn ihren Berechnungen zufolge könnten die Hydrate im Vergleich zu anderen Methanvorkommen in relativ geringen Tiefen des Sediments gespeichert sein. Die Wissenschaftler warnen deshalb, dass durch ein weiteres Abschmelzen des antarktischen Eises, das Methangas in die Atmosphäre entweichen könnte. So könnte das Treibhausgas den Klimawandel noch weiter verstärken. (doi: 10.1038/nature11374)
(Nature, 30.08.2012 - INR)
 
Printer IconShare Icon