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Sonntag, 26.03.2017
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Pflanzenschutzmittel gefährden Fledermäuse

Tiere nehmen Gift über Insekten und Spinnen auf

Pflanzenschutzmittel haben langfristige Folgen für Fledermäuse: Über ihre Insektennahrung nehmen die Tiere die Giftstoffe auf und reichern sie im Körper an. Dadurch könnte die ohnehin akut gefährdete Tiergruppe noch weiter dezimiert werden. Umso bedenklicher sei es, dass beim EU-weiten Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln die Auswirkungen auf Fledermäuse nicht überprüft werden, konstatieren Forscher der Universität Koblenz-Landau im Fachmagazin "Environmental Toxicology and Chemistry".
Großes Mausohr (Myotis myotis) im Flug

Großes Mausohr (Myotis myotis) im Flug

Bevor die EU einem Pflanzenschutzmittel die Marktzulassung erteilt, wird es einer gesetzlich vorgeschriebenen Risikoabschätzung unterzogen. Anhand verschiedener Szenarien werden die Risiken für verschiedene Organismen geprüft – akute Auswirkungen als auch Langzeiteffekte wie beispielsweise Auswirkungen auf die Vermehrung. Bisher wird zwar untersucht, ob neue Pflanzenschutzmittel Vögel und Säugetiere schädigen, die Fledermaus taucht in dieser Richtlinie zur Risikobetrachtung bei der Zulassung von Pestiziden aber nicht auf.

Studien weisen aber bereits darauf hin, dass Fledermäuse besonders empfindlich auf Pestizide reagieren. Dass die bedrohten Tiere bei der Risikoabschätzung selbst nach der Novellierung der gültigen Regelungen in 2009 nach wie vor schlichtweg ignoriert werden, hängt laut Dr. Carsten Brühl und Peter Stahlschmidt vom Institut für Umweltwissenschaften Landau mit einem Datenmangel zusammen. „Die meisten Untersuchungen zu Fledermäusen fanden in Naturschutz- oder Waldgebieten statt“, erklärt Stahlschmidt. „Bislang ist nicht untersucht worden, ob Fledermäuse für ihre Nahrungsaufnahme überhaupt in Kulturlandschaften aktiv sind. Und das, obgleich mehr als die Hälfte der Fläche der BRD landwirtschaftlich genutzt wird.“ In einer vorangegangenen Untersuchung konnten die Wissenschaftler auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen insgesamt 14 Fledermaus-Arten nachweisen.

Insekten und Spinnen auf Obstbäumen am stärksten belastet


In ihrer aktuellen Studie nahmen die Landauer Ökotoxikologen auf einer Obstbaumplantage die Nahrung der Fledermäuse genauer unter die Lupe. Zwei Wochen lang nach Ausbringen des kommerziellen Pflanzenschutzwirkstoffes Fenoxycarb, der das Wachstum von Insekten hemmt, maßen die Wissenschaftler die chemischen Rückstände auf Fliegen und Faltern. Die höchsten Rückstände fanden sie bei Insekten und Spinnen, die auf den Blättern der Obstbäume saßen, weniger belastet waren die Fluginsekten. Auf dieser Datenbasis berechneten sie - wie sie bei einer Risikoabschätzung üblich sind - stufenweise verschiedene Szenarien für Fledermäuse, die sich in der Plantage ernähren.


Im errechneten Bestfall, in dem die Tiere ihre Nahrung teilweise auch in unbelasteten Gegenden aufnehmen können, waren Langzeiteffekte bei einer der sechs in der Berechnung verwendeten Fledermaus-Arten nicht auszuschließen, im schlechtesten Falle bei drei Arten. Am stärksten betroffen waren die Arten, die zur Nahrungsaufnahme auf Obstbäumen sitzende Insekten und Spinnen absammeln. Das tatsächliche Risiko könnte sogar noch höher liegen als errechnet, vermutet Stahlschmidt. „Die Fledermaus ist aber aufgrund ihrer ökologischen Eigenschaften wie einer langen Lebenszeit und geringen Nachkommenschaft mit meistens einem Jungtier ein sehr empfindlicher Organismus“, so der Forscher. Das könnte bedeuten, dass auch bei den Arten, die nur die weniger belasteten Fluginsekten bevorzugen, ein nicht akzeptables Risiko vorliegt.

Es muss sich also dringend etwas ändern, wenn die bedrohten Flugsäuger nachhaltig geschützt werden sollen. „Die verantwortlichen Stellen müssen aktiv werden“, unterstreicht Stahlschmidt. „Das aktuelle Zulassungsverfahren für Pestizide muss auf Fledermäuse ausgeweitet werden und weitere Forschungsarbeiten zur Empfindlichkeit der Säugergruppe gegenüber Pestiziden sind umgehend notwendig“, so der Wissenschaftler weiter. (Environmental Toxicology and Chemistry, 2012; doi:10.1002/etc.1834)
(Universität Koblenz-Landau, 27.08.2012 - NPO)
 
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