Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Indogermanische Sprachen stammen aus Anatolien
Forscher nutzen Modell für Genanalyse für die Entwicklung eines Sprachstammbaums
Ein internationales Forscherteam hat die Heimat der indoeuropäischen - häufig auch indogermanisch genannten - Sprachen identifiziert: Die riesige Sprachfamilie mit heute etwa 400 Sprachen stammt ursprünglich aus Anatolien in der heutigen Türkei. Von dort hat sie sich vor ungefähr 9.000 Jahren mit der aufblühenden Landwirtschaft über Asien und Europa ausgebreitet. Dieses Ergebnis stärkt eine der beiden gängigen Theorien zum Ursprung der indoeuropäischen Sprachen. Die andere, nach der die Sprachfamilie ursprünglich aus der russischen Steppe stammt, erscheine nach den Daten der aktuellen Analyse als äußerst unwahrscheinlich, sagt Studienleiter Quentin Atkinson von der University of Auckland. Er und seine Kollegen hatten für ihre Untersuchung eine Methode eingesetzt, mit der sonst genetische Informationen analysiert werden. Über ihre Arbeit berichten sie im Fachmagazin "Science".
Zwischen 5.000 und 7.000 Sprachen gibt es weltweit
Zwischen 5.000 und 7.000 Sprachen gibt es weltweit
© MMCD / Peter Kirchhoff / GFDL Zwischen 5.000 und 7.000 Sprachen gibt es weltweit
Zwei streitbare Lager
Heute sprechen etwa drei Milliarden Menschen eine der indoeuropäischen Sprachen, zu deren Hauptzweigen die keltischen, die germanischen, die italischen sowie die balto-slawischen und die indo-iranischen Sprachen gehören. Wo allerdings die erste indoeuropäische Sprache erklang, ist äußerst umstritten. Es gibt vor allem zwei große Lager, die sich gegenseitig heftig bekämpfen: Das erste vermutet den Ursprung in der russischen Steppe nördlich des kaspischen Meers, wo die Sprache von halbnomadisch lebenden Reitervölkern gesprochen worden sein soll. Ihre Verbreitung über Europa und Asien soll dieser These zufolge vor etwa 5000 bis 6000 Jahren begonnen haben. Die rivalisierende Theorie geht dagegen von einer sehr viel früheren Verbreitung aus, die bereits vor 8000 bis 9500 Jahren in Anatolien ihren Anfang nahm. In diesem Fall hätte die Ursprache zusammen mit der Landwirtschaft ihren Siegeszug über Europa und Asien angetreten.

Um die beiden Thesen auf den Prüfstand zu stellen, analysierten Atkinson und seine Kollegen 6000 sogenannte Kognate aus insgesamt 103 ausgestorbenen und noch existierenden indoeuropäischen Sprachen. Kognate sind Wörter, die sich aus einem gemeinsamen Ursprungsbegriff entwickelt haben, wie etwa die Begriffe "Mutter", "mother" und "madre". Die Forscher konzentrierten sich auf 200 sehr grundlegende Bedeutungen, wie eben Mutter, Vater, Feuer, Wasser oder Verben wie laufen und gehen, und analysierten deren Entwicklung. Außerdem fütterte das Team sein Analyse-Programm mit geografischen Daten zur Verbreitung der verschiedenen Sprachen. Daraus entwickelte der Computer verschiedene mögliche Stammbäume der indoeuropäischen Sprachfamilie, die sowohl zeitliche als auch räumliche Informationen enthielten.

Modell deutet auf anatolische Heimat
Dieses Vorgehen wird normalerweise eingesetzt, um den Ausbruch von Viruserkrankungen wie Influenza oder Tollwut anhand der genetischen Information des Erregers nachzuvollziehen, erläutert Atkinson. Doch auch im vorliegenden Fall führte es zu einer sehr klaren Tendenz: Die möglichen Stammbäume verorteten die Ursprache in der überwältigenden Mehrheit der Fälle in Anatolien und datierten sie zudem auf eine Zeit weit vor der in der Steppentheorie angenommenen Entstehungszeit. Demnach lautet auch das Fazit der Forscher: Die Steppentheorie ist im Vergleich zur Anatolien-These sehr unwahrscheinlich.

Allerdings gibt es auch Kritik an der Studie. Der amerikanische Archäologe David Anthony vom Hartwick College in Oneonta, Staat New York, moniert ebenfalls in "Science" beispielsweise, dass sich die Wissenschaftler lediglich auf Wörter konzentriert hätten - und Sprachstruktur, Grammatik und ähnliches ignorierten. Zudem gebe es wirklich sehr gute archäologische Belege, die auf einen Ursprung der Sprachfamilie in der russischen Steppe hindeuteten. Diese seien von Atkinson und seinem Team ebenfalls nicht berücksichtigt worden. Vollständig lösen können wird die neue Studie den alten Streit daher wohl nicht, auch wenn sie, wie der Sprachforscher Paul Heggarty vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig kommentiert, die Anhänger der Steppen-Hypothese an einigen Stellen durchaus in Erklärungsnot bringe. (doi: 10.1126/science.1219669)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Sprachforschung, Kommunikation, Sprachstammbaum, Sprachfamilien, Kognate, Türkei, Anatolien
Weitere News zum Thema
Broca-Sprachzentrum viel komplexer als gedacht (22.09.2010)
Interaktion einer Vielzahl von bisher unbekannten Arealen entdeckt
Hormonmangel macht schwerhörig im Alter (13.02.2006)
Aldosteron reguliert Kaliumgehalt im Innenohr
Atlas zeigt Sprachstrukturen (02.08.2005)
Geographische Verteilung enthüllt Überraschendes
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Sprachen
Dossiers zum Thema
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen
Das Geheimnis der Gesten
Was Kommunikation bei Tieren über die Wurzeln der Sprache verrät
Zwischen Hund, Affe und Mensch
Brian Hare: „3chimps“ und die Entwicklung des sozialen Verhaltens
News des Tages
Forscher entdecken in Asien neue aidsähnliche Immunschwäche
Gibbons singen wie Opernsängerinnen
Indogermanische Sprachen stammen aus Anatolien
Personaler diskriminieren Menschen mit Übergewicht
Intelligente Katheter bekämpfen Infektionen selbstständig
Bücher zum Thema
Animal Talk
Die Sprache der Tiere von Eugene S. Morton und Jake Page
Das ist Evolution
von Ernst Mayr
Der Affe und der Sushimeister
Das kulturelle Leben der Tiere von Frans de Waal
Tierisch intelligent
Von schlauen Katzen und sprechenden Affen von Immanuel Birmelin
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Frühe Steinzeitbauern bevorzugten Inzucht
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst