Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Bonobo fertigt Werkzeuge wie Frühmenschen
"Kanzi" ist sowohl bei der Produktion als auch beim Einsatz der Hilfsmittel äußerst geschickt
Der Bonobo Kanzi - bereits bekannt wegen seines Kommunikationstalents - ist ein überaus geschickter Werkzeugmacher und -nutzer: Er fertigt sich Steinwerkzeuge wie Hämmer oder scharfe Bohrer an und nutzt sie gezielt für bestimmte Aufgaben. Das haben Forscher aus Israel und den USA beobachtet, als sie den 30-jährigen Menschenaffen nach vergrabenem und im Inneren eines Baumstamms eingeschlossenen Futter suchen ließen. Damit ist Kanzi sozusagen in der Steinzeit angekommen: Seine Fertigkeiten und seine Werkzeuge gleichen praktisch aufs Haar denen unserer Urahnen, den frühesten Vertretern der Gattung Homo, die vor rund zwei Millionen Jahren in Afrika lebten. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".
Bonobo Kanzi
Bonobo Kanzi
© Great Ape Trust Bonobo Kanzi
Kommunizieren per Symbolsprache
Bonobos, die eng mit den Schimpansen verwandt sind, gelten ohnehin als äußerst intelligente Menschenaffen. Kanzi sticht jedoch unter seinen Artgenossen heraus: Er beherrscht eine Art Symbolsprache, über die er entweder mit Hilfe einer speziellen Tastatur oder mit Tafel und Kreide mit seinen Pflegern kommunizieren kann. Außerdem zeigte er schon früh ein Faible für Werkzeuge: In den 1990er Jahren brachten Forscher ihm bei, von einem Feuerstein mit einem anderen Stein Stücke abzuschlagen und die scharfen Splitter dann zu nutzen, um Seile oder Lederbänder durchzuschneiden.

Doch offenbar war ihm das noch nicht genug, zeigen die neuen Beobachtungen. Dabei hatten Eviatar Nevo von der Universität in Haifa und seine Kollegen Futterstückchen in einen hohlen Baumstamm gesteckt und diesen anschließend wieder versiegelt. Zusätzlich vergruben sie ein paar Snacks unter Steinen, in losem Sand und in festem Lehmboden. Anschließend ließen sie Kanzi und seine Halbschwester Pan-Banisha nach dem Futter suchen und stellten ihnen dazu verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung: Äste, Stücke von Hirschgeweihen und eine Auswahl von Steinen, darunter Sandsteine, Granitstücke und Feuersteine.

Hämmer, Äxte und Bohrer aus Feuerstein
Beide Bonobos bearbeiteten die Feuersteine, beobachteten die Forscher. Doch während Pan-Banisha die Bruchstücke, unabhängig von ihrer Form, ausschließlich zum Graben nutzte und den Baumstamm lediglich auf den Boden warf, war Kanzis Werkzeugeinsatz unerwartet differenziert: Er verwendete zum Graben vor allem breite, flache Steinstücke, wenn er mit einem Stock nicht weiterkam. Dem Baumstamm rückte er sowohl mit schwerem Gerät als auch mit feineren Werkzeugen zuleibe: einem großen Stein, den er wie einen Hammer einsetzte, anderen Bruchstücken, die als Axt und als Keile dienten sowie kleineren scharfen Fragmenten, die Schnittwerkzeuge und als Bohrer zum Einsatz kamen. Er konzentrierte sich dabei vor allem auf die Schnittstellen, an denen der Stamm wieder zusammengeklebt worden war und die somit auch dessen größte Schwachstellen darstellten.

Auf diese Weise schaffte Kanzi in allen 24 Versuchen auch tatsächlich, an das Futter im Stamm heranzukommen, Pan-Banisha gelang es dagegen nur in zwei Fällen. Das zeige, dass zumindest einzelne Bonobos prinzipiell technische Fähigkeiten besitzen, die bisher als typisch für den Menschen und seine Vorfahren galten, kommentieren die Wissenschaftler. Damit müsse die Frage gestellt werden, ob diese Kompetenz tatsächlich erst mit dem Aufkommen der Gattung Homo entstand oder ob sie nicht vielmehr bereits beim gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Bonobos vorhanden war. Um das zu beantworten, muss jedoch noch umfassender geprüft werden, ob Kanzis Fähigkeiten einzigartig und möglicherweise auf seine ungewöhnliche Lebensweise in direkter Nähe des Menschen zurückzuführen sind oder ob auch noch andere Bonobos zu solchen Leistungen imstande sind.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Menschenaffen, Bonobos, Werkzeuge, Werkzeugmacher, Feuersteine, Homo, Frühmenschen, Verhalten, Intelligenz, Lernen
Weitere News zum Thema
Neuer Speiseplan ebnete Weg zum Menschen (04.06.2013)
Erweiterung der Nahrung auf Gräser und Fleisch könnte Entwicklung unserer Vorfahren gefördert haben
Älteste Gehörknochen eines Vormenschen entdeckt (14.05.2013)
1,8 Millionen Jahre alter Fund bietet Einblick in das Gehör unserer Urahnen
Zwischen Mensch und Affe (12.04.2013)
Der Australopithecus sediba war ein direkter Vorfahre früher Menschengattungen
Schimpansen wissen, wann Erntezeit ist (11.04.2013)
Die Menschenaffen nutzen botanische Kenntnisse für die Nahrungssuche
Pavianart äußert verblüffend menschähnliche Laute (09.04.2013)
Von Vokalen unterlegtes Lippenschmatzen könnte die Vorform für unsere Sprache gewesen sein
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Menschenaffen
Affen
Dossiers zum Thema
Menschenaffen
Die Letzten ihrer Art?
Zwischen Hund, Affe und Mensch
Brian Hare: „3chimps“ und die Entwicklung des sozialen Verhaltens
Das Geheimnis der Gesten
Was Kommunikation bei Tieren über die Wurzeln der Sprache verrät
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Der Hund denkt mit
Tiere knacken ein vermeintlich menschliches Privileg
Wie klug sind Tiere?
Zwischen Instinkt und Intelligenz
News des Tages
Bonobo fertigt Werkzeuge wie Frühmenschen
Antibiotika in der Kindheit erhöhen offenbar das Übergewichtsrisiko
Ältere Väter bescheren Kindern mehr Erbgutfehler
Bücher zum Thema
Tierisch intelligent
Von schlauen Katzen und sprechenden Affen von Immanuel Birmelin
Abenteuer Evolution
Die Ursprünge des Lebens von Walter Kleesattel
Das Leben der Säugetiere
von David Attenborough, Dan Jones, und Ben Salisbury
Der dritte Schimpanse
Evolution und Zukunft des Menschen von Jared Diamond
Die Entdeckung der Intelligenz oder können Ameisen denken?
von Holk Cruse, Jeffrey Dean und Helge Ritter
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Lucy und ihre Kinder
von Donald C. Johanson, Blake Edgar
Wilde Intelligenz
Was Tiere wirklich denken von Marc D. Hauser
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Frühe Steinzeitbauern bevorzugten Inzucht
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst