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Regenwald: Kohle aus Brandrodungen landet im Meer
Relikte früherer Abholzungen schwemmen gewaltige Mengen stabiler Kohlenstoffverbindungen in den Atlantik
Die Brandrodung des Regenwalds in den vergangenen Jahrhunderten hat große Mengen Holzkohle im Waldboden hinterlassen. Diese wird durch Regenwasser ausgewaschen und über Flüsse ins Meer transportiert. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Nature Geoscience". Obwohl heute kaum mehr mit Feuer gerodet wird, hält diese Auswaschung alter Kohle noch heute an und könnte in Zukunft sogar noch zunehmen. Welche Folgen dies auf marine Mikroorganismen und den globalen Kohlenstoffkreislauf haben wird, ist noch unklar.
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Brennender Regenwald im Atlantischen Nationalpark Brasiliens
Brennender Regenwald im Atlantischen Nationalpark Brasiliens
© Gustavo Luna Peixoto, ICMBio, Rio de Janeiro, Brazil Brennender Regenwald im Atlantischen Nationalpark Brasiliens
Die Menschheit nutzt seit Urzeiten das Feuer, um Land urbar zu machen. Als im 16. Jahrhundert europäische Siedler nach Brasilien kamen, war dies auch dort bald gängige Praxis und der Anfang vom Ende des atlantischen Regenwalds. Die Brandrodung hat im Laufe der Jahrhunderte den Regenwald von mehr als 1,3 Millionen auf jetzt nur noch 100.000 Quadratkilometer schrumpfen lassen. Dabei blieben 200 bis 500 Millionen Tonnen Holzkohle in den Böden zurück. Diese im Boden gespeicherten Verbrennungsrückstände sind extrem stabile komplexe Kohlenstoffverbindungen. Das weitere Schicksal dieser Kohlenstoffverbindungen haben Thorsten Dittmar und seine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen jetzt mit Hilfe eines hochempfindlichen Massenspektrometers verfolgt.

Nicht aus heutigen Bränden
Die Forscher waren sehr überrascht, als sie die Bilanzen aufstellten. Es wurden erheblich mehr dieser Kohlenstoffverbindungen während der Regenperioden aus dem Boden gespült, als durch die jährliche Verbrennung nachgeliefert wurde. „Als wir unsere Messwerte aus den Proben der brasilianischen Kollegen über die Jahre mit den Niederschlagsmengen und dem Auftreten von Feuern in einer übersichtlichen Grafik darstellten, war der Zusammenhang klar. Diese Mengen Kohlenstoffs können nur aus den Zeiten der Brandrodung stammen.“

Denn das noch heute praktizierte Abrennen der Zuckerrohrplantagen vor der Ernte liefert nur geringe Verbrennungsrückstände von 190 bis 740 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Doch im gleichen Zeitraum werden 50.000 bis 70.000 Tonnen durch Flüsse abtransportiert und ins Meer geschwemmt, wie die Forscher ermittelten. Laboruntersuchungen von Bodenproben aus ehemaligen Regenwaldgebieten bestätigten den alten Ursprung der Kohle: Die Konzentrationen im Fluss konnten nicht von den heutigen Zuckerrohrplantagen stammen, da auch flussaufwärts hohe Konzentrationen nachgewiesen werden konnten, in Gebieten mit geringer Dichte an Zuckerrohrplantagen.

Holzkohle ist kein geeigneter Speicher
„Es gibt Überlegungen unter Wissenschaftlern, Holzkohle als langfristigen Kohlenstoffspeicher zu nutzen, um diesen Kohlenstoff aus dem globalen Kreislauf zu verbannen. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass dieses Verfahren kein nachhaltiges Konzept sein kann, denn dieser Kohlenstoff landet früher oder später im Meer und verändert dort das Ökosystem. Und wir wissen nichts über die Konsequenzen“, erklärt Dittmar.

Auch in gelöster Form sei Holzkohle in der Umwelt sehr stabil, denn es werde von Mikroorganismen kaum abgebaut. Diese Kohle könne heute in allen Weltmeeren nachgewiesen werden, bis in die entlegensten Bereiche der Tiefsee. "Unsere Studie legt nahe, dass diese stabile Form von Kohlenstoff in der Tiefsee durch menschliche Aktivität zunehmen wird, mit unbekannten Folgen auf marine Mikroorganismen und den globalen Kohlenstoffkreislauf“, so der Forscher. (Nature Geoscience, 2012; doi:10.1038/ngeo1541)
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