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Dienstag, 17.01.2017
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Virus schwächt im Alter die Abwehrkräfte

Forscher zeigen Spätfolgen von chronischer Infektion mit dem Cytomegalie-Virus (CMV)

Eine meist harmlose Form der Herpes-Viren kann im Alter Spätfolgen haben: Denn dann konzentriert sich das Immunsystem auf dieses Virus und die Abwehrkraft gegen andere Erreger wird geschwächt. Das berichten deutsche und US-amerikanische Forscher im Fachmagazin "PLoS Pathogens". Diese Ablenkung des Immunsystems könnte erklären, warum Senioren oft anfälliger für Infektionskrankheiten sind als junge Menschen.
T-Zellen (rot) und dendritische Zelle, beide sind für die Immunabwehr wichtig.

T-Zellen (rot) und dendritische Zelle, beide sind für die Immunabwehr wichtig.

Das Cytomegalie-Virus (CMV) ist ein Mitglied der Familie der Herpes-Viren. Ohne es zu bemerken, sind die meisten Erwachsenen mit CMV infiziert. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn in 99 Prozent der Fälle macht uns dieses Herpes-Virus nicht krank. Nur bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr, zum Beispiel Empfängern eines Spenderorgans oder HIV-Infizierten, oder wenn die Infektion während der Schwangerschaft erfolgt, kann die Cytomegalie gefährlich werden. Bei allen anderen wird das Virus vom Immunsystem in Schach gehalten, obwohl es im Körper verbleibt.

Jetzt haben Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) zusammen mit Kollegen aus den USA herausgefunden, dass die Anwesenheit von CMV trotzdem Spätfolgen hat: „In jungen Menschen könnte die dauernde Aktivierung des Immunsystems sogar von Vorteil sein, weil andere Infektionen dadurch prompt abgewehrt werden können. Aber eine helle Kerze brennt auch schneller ab“, sagt Luka Cicin-Sain, Leiter der Nachwuchsgruppe „Immunalterung und Chronische Infektionen“ am HZI. Die Immunabwehr wird im Laufe der Lebensjahre quasi abgenutzt. Es kommt zu Veränderungen des Immunsystems, die als „Immun-Risiko-Profil“, kurz IRP, zusammengefasst werden.

Schwächere Abwehr gegen Grippe durch Cytomegalie-Virus


Ein Zusammenhang zwischen IRP und der Anwesenheit des Cytomegalie-Virus wurde schon in vielen anderen Studien beobachtet. Unklar war bisher allerdings, ob diese Immunalterung eine Auswirkung der CMV-Infektion ist oder ob anders herum das Risikoprofil CMV begünstigt. Die Ergebnisse von Experimenten mit Mäusen legen nahe, dass die andauernde Anwesenheit des Erregers zur Immunalterung zumindest beiträgt. Die Mäuse hatten auch noch Monate nach einer Infektion mit CMV schwächere Abwehrkräfte gegen andere Viren wie zum Beispiel Grippe-Erreger.


„Natürlich altert das Immunsystem auch ohne CMV“, erklärt Cicin-Sain. Aber: Als Dauergast verlangt das Virus immer mehr Aufmerksamkeit von den T-Zellen, einer wichtigen Gruppe von Zellen der Immunabwehr. Je länger die Mäuse in den Experimenten schon mit CMV infiziert waren, umso mehr dieser Zellen waren mit dem Cytomegalie-Virus beschäftigt. Und fehlten für die Abwehr von anderen Erregern. Folglich konnten CMV-infizierte Mäuse eine weitere Infektion, beispielsweise mit dem Grippe- oder dem West-Nil-Virus, viel schlechter bekämpfen als CMV-freie Vergleichstiere.

„Wahrscheinlich behindert die große Zahl von CMV-spezifischen T-Zellen in den Lymphknoten die Aktivierung der übrigen Zellen“, folgert der Forscher. Was im jungen Organismus noch die Immunabwehr beschleunigt hat, wird im Alter zur Belastung und fordert seinen Tribut. Luka Cicin-Sain denkt noch ein Stück weiter und resümiert: „Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig eine Impfung gegen das Cytomegalie-Virus wäre, auch wenn es nur wenige Menschen direkt krank macht.“
(Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, 17.08.2012 - NPO)
 
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