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Freitag, 20.10.2017
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Antibakterieller Zusatzstoff schwächt Mäuse-Muskeln

Tierversuche geben Hinweis auf gesundheitsschädliche Wirkung von Triclosan

Die in antibakteriellen Seifen und anderen Konsumprodukten enthaltene Chemikalie Triclosan kann die Muskelfunktion drastisch beeinträchtigen. Darauf deuten Versuche US-amerikanischer Forscher mit Mäusen, Fischen und Zellkulturen hin. Schon nach Einnahme einer einzigen Dosis Triclosan sei die Herzleistung bei den Mäusen um 25 Prozent abgesunken. Die Tiere hätten zudem 18 Prozent weniger Kraft in den Pfoten gehabt als zuvor, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Versuche mit Muskelzellen zeigten, dass die Chemikalie die Kommunikation zwischen zwei Eiweißen eines wichtigen Ionenkanals stört und dadurch den Muskel schwächt.
Seifenspender

Seifenspender

Dieses Ergebnis sei überraschend, denn Triclosan sei weit verbreitet und bereits ausgiebig auf seine Giftigkeit hin getestet worden. Die neuen Ergebnisse belegten nun aber, dass Triclosan sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt schädlich sein könne, warnen die Wissenschaftler. "Triclosan findet sich heute in nahezu jedem Haushalt und ist auch in der Umwelt verbreitet", erklärt Studienleiter Isaac Pessah von der University of California in Davis. Es sei in antibakteriellen Pflegeprodukten wie Seifen, Deodorants, Mundspülungen und Zahnpasta, aber auch in Matratzen, Textilien, Müllbeuteln oder sogar Spielzeug enthalten. Die chemisch auch als 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)-phenol bezeichnete Substanz wirkt desinfizierend und hemmt das Bakterienwachstum.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) findet sich Triclosan auch in Deutschland in Konsumartikeln. Lediglich in Lebensmitteln und Materialien, die direkt mit Nahrung in Berührung kommen, darf es europaweit seit 2010 nicht mehr eingesetzt werden. Auf eine Anfrage der dapd zu den aktuellen Studienergebnissen und ihrer Bedeutung wollte sich das Bundesinstitut jedoch zunächst nicht äußern.

Spuren des Triclosans habe man bereits im Blut und in der Muttermilch von Menschen nachgewiesen, aber auch in Gewässern und Fischen. Wie die Forscher berichten, gab es bereits erste Hinweise darauf, dass Triclosan bestimmte Andockstellen hemmt, die auch auf der Oberfläche von Muskelzellen sitzen. Welche Folgen dies für die Muskelfunktion hat, habe man aber erst jetzt erstmals untersucht.


In den Tierversuchen zeigte das Triclosan seine muskelschwächende Wirkung bereits bei Konzentrationen, wie sie auch im menschlichen Blut nachgewiesen wurden. Zwar müsse man erst noch testen, ob die Chemikalie auch beim Menschen ähnlich wirke wie bei den Mäusen und Fischen, sagen die Forscher. Sie halten es aber für sehr wahrscheinlich, dass Triclosan auch für die menschliche Gesundheit eine Gefahr darstellt. "Die Behörden sollte daher sehr genau prüfen, ob diese Substanz wirklich weiterhin in Konsumprodukten verwendet werden darf", konstatieren Pessah und seine Kollegen.

Dramatische Wirkung auf die Herzleistung


Für ihre Studie hatten die Forscher zunächst Mäusen drei verschiedene Dosierungen einer Triclosanlösung in den Herzbeutel gespritzt. Eine Testgruppe erhielt stattdessen eine sterile Salzlösung. Bereits nach zehn Minuten zeigten die mit Triclosan behandelten Mäuse eine deutliche Reaktion, wie die Forscher berichten. Die Pumpleistung ihres Herzens sei um bis zu 25 Prozent zurückgegangen. "Die Wirkung von Triclosan auf die Herzfunktion war wirklich dramatisch", sagt Koautor Nipavan Chiamvimonvat. Obwohl diese Chemikalie nicht als Arzneimittel gelte, wirke sie wie ein starker Betablocker.

In einem weiteren Test senkte das Triclosan auch die Griffstärke der Mäuse um 18 Prozent ab. Gaben die Forscher zudem Larven der Goldelritze eine geringe Menge Triclosan ins Aquariumswasser, schwammen die Fische weniger aktiv umher und wichen auch Attrappen von Feinden nicht mehr aus.

Um herauszufinden, worauf die muskelschwächende Wirkung des Triclosans beruht, führten die Wissenschaftler Versuche mit Herzmuskel- und Skelettmuskelzellen von Mäusen durch. Dabei zeigte sich, dass die Chemikalie die Funktion von zwei Proteinen in den Kalziumkanälen der Muskelfasern stört. "Diese beiden Proteine sind für alles Leben von fundamentaler Bedeutung", warnen die Forscher. Sei ihre Kommunikation blockiert, arbeite der Ionenkanal nicht mehr korrekt und als Folge könne sich die Muskelfaser nicht mehr oder nur noch schwach zusammenziehen. (doi: 10.1073/pnas.1211314109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 14.08.2012 - NPO)
 
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