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Freitag, 20.10.2017
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Erdmantel beeinflusst Magnet-Umpolung

Konvektionsströmungen können Umpolung fördern oder ausbremsen

Strömungen im Erdmantel beeinflussen den Takt, in dem sich das Erdmagnetfeld umpolt. Entscheidend dafür ist der Wärmetransport des glutflüssigen Gesteins. Je nachdem, wo Wärme oder Kältezonen liegen, kann dies eine Umpolung offenbar fördern oder aber bremsen. Das berichten Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience". Möglicherweise ist dieser Prozess mit dafür verantwortlich, dass die nächste Umpolung des Magnetfelds schon lange überfällig ist.
Räumliche Verteilung der Subduktion ozeanischer Platten während der letzten 300 Millionen Jahre

Räumliche Verteilung der Subduktion ozeanischer Platten während der letzten 300 Millionen Jahre

Bekanntlich entsteht das Erdmagnetfeld durch Konvektionsströmungen in einem elektrisch leitfähigen Eisen-Nickelgemisch im flüssigen Erdkern, rund 3.000 Kilometer unter der Erdoberfläche. Das Erdmagnetfeld ist hochvariabel, Veränderungen des Erdmagnetfeldes gibt es auf einer
Vielzahl von Raum- und Zeitskalen. Über dem flüssigen äußeren Erdkern befindet sich der Erdmantel, dessen Gestein aufgrund der großen Hitze und des hohen Drucks sich plastisch verformbar verhält. An der Grenze zwischen Erdkern und Erdmantel in 2.900 Kilometern Tiefe findet ein intensiver Wärmeaustausch statt, der einerseits aus dem Erdkern in den Mantel gerichtet ist. Andererseits beeinflussen Prozesse im Erdmantel wiederum diesen Wärmefluss.

Berechnete gegenwärtige Wärmestromverteilung an der Kern-Mantel-Grenze

Berechnete gegenwärtige Wärmestromverteilung an der Kern-Mantel-Grenze

Schlüsselgröße Wärmetransport


„Die Schlüsselgröße ist der Wärmefluss. Ein kühlerer Erdmantel beschleunigt den Wärmefluss aus dem heißen Erdkern und verändert dadurch die ebenfalls wärmegetriebenen Konvektionsströmungen im Erdkern“, erläutert Bernhard Steinberger vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ. „Aufgrund tektonischer Prozesse in den Mantel absinkende Ozeanböden können zur Abkühlung im Mantel führen. Sie erzeugen an diesen Stellen
einen erhöhten Wärmestrom in die kühleren Stellen hinein, und zwar so lange, bis sie zur Umgebungstemperatur aufgeheizt wurden.“ Das kann allerdings schon mehrere Hundert Millionen Jahre dauern.

Umgekehrt führt der heiße Erdkern auch zum Aufsteigen von erhitztem Gestein in großen Blasen, so genannten Mantelplumes, die sich von der Kern-Mantel-Grenze ablösen und sich bis zur Erdoberfläche durchsetzen, Hawaii ist so entstanden. Das erhöht lokal den Wärmestrom aus dem
Erdkern heraus und modifiziert so wiederum den Generator des Erdmagnetfeldes.


Umpolung des Magnetfeldes überfällig


In der Erdgeschichte sind Umpolungen des Erdmagnetfeldes nichts Außergewöhnliches, die letzte fand erst vor nur 780.000 Jahren statt, ein – geologisch gesehen – recht kurzer Zeitraum. Die Forschergruppe konnte feststellen, dass im Zeitraum von 200 bis 80 Millionen Jahren vor
heute es anfänglich noch häufiger zu Umpolungen kam, nämlich bis zu zehn Mal pro hundert Millionen Jahren. „Überraschenderweise stoppten diese Umpolungen vor etwa 120 Millionen Jahren und blieben fast 40 Millionen Jahre aus“ erläutert GFZ-Wissenschaftler Sachs.

Als Grund vermuten die Wissenschaftler eine gleichzeitig stattfindende Umorientierung des gesamten Mantels und der Erdkruste mit einer Verlagerung der geographischen und magnetischen Pole von etwa 30 Grad. Diese als "echte Polwanderungen" bezeichneten Prozesse haben ihre Ursache in einer veränderten Dichteverteilung im Erdmantel. Wenn sich dadurch der Wärmefluss in äquatorialen Gebieten erhöht, führt dies vermutlich zu häufigerer Feldumkehr, wenn er sich verringert, kann die Feldumkehr möglicherweise ausbleiben.

Nach gegenwärtigem Wissenstand scheint demnach ein Einfluss der Plattentektonik und Mantelkonvektion auf das Erdmagnetfeld sehr wohl möglich. Der Beitrag zeigt aber auch auf, welche zukünftigen Forschungen noch notwendig sind, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.
Insbesondere sollte versucht werden, aus paläomagnetischen Daten weitere Episoden von „echten Polwanderungen“ abzuleiten, und festzustellen, ob diese üblicherweise mit verändertem Verhalten des Magnetfeldes (z.B. Häufigkeit der Feldumkehr) assoziiert sind. Auch sollten künftige Modelle zur Erzeugung des Erdmagnetfeldes den Einfluss der räumlichen und zeitlichen Variation des Wärmestroms an der Kern-Mantelgrenze noch genauer untersuchen. (Nature Geoscience, 2012; doi:10.1038/NGEO1521)
(GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ), 30.07.2012 - NPO)
 
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