Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Plankton aus den Tropen dringt in arktische Gewässer ein
Die marinen Einzeller reisten tausende von Kilometer in atlantischen Strömungen bis in den hohen Norden
Tropisches Plankton überlebt auch in eiskalten Gewässern. Im arktischen Ozean nordwestlich von Norwegen entdeckte ein internationales Forscherteam erstmals Einzeller aus den Subtropen und den Tropen. 89 der rund 145 gesichteten Arten stammten aus südlichen Gefilden. Die Organismen seien mithilfe von warmen atlantischen Meeresströmungen über mehrere Tausend Kilometer gereist, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Journal of Micropalaeontology". Ob die Ansiedlung der tropischen Einzeller im hohen Norden auch eine Folge des Klimawandels ist, sei noch nicht klar.
Tropische Planktonspezies Dictyocoryne truncatum
Tropische Planktonspezies Dictyocoryne truncatum
© Bjorklund et al., Jnl of Micropalaeontology, 2012 Tropische Planktonspezies Dictyocoryne truncatum
"Wenn wir plötzlich tropisches Plankton in der Arktis finden, fällt einem natürlich sofort der Klimawandel ein", erklärt Co-Autor Roger Anderson von der Columbia University. Es sei daher besonders wichtig, kritisch zu prüfen, ob es dafür Belege gebe. Relikte auf dem Meeresboden zeigten aber, dass sich Plankton aus wärmeren Gefilden bereits vor mehreren Tausend Jahren in den arktischen Ozean verirrt hatte. Ob dies heute möglicherweise häufiger der Fall sei, müsse man nun prüfen.

Die untersuchten Planktonarten gehören zu den sogenannte Radiolarien oder Strahlentierchen. Weil die verschiedenen Arten dieser winzigen Einzeller jeweils an bestimmte Temperaturbereiche angepasst sind, stellen sie ein beliebtes Untersuchungsobjekt für Klimawissenschaftler dar. Die algenfressenden Tierchen verarbeiten Material des Meeresbodens in ihrer sie umgebenden glasigen Schutzhülle, erklären die Forscher. Anhand der Schichten dieser Schale sei daher nachvollziehbar, wo sich die Einzeller aufgehalten haben. Daraus wiederum ließe sich die Ozeantemperatur in dem betreffenden Gebiet rekonstruieren.

Angesichts der klaren Temperaturvorlieben der Radiolarien waren Kjell Bjørklund von der University of Oslo und seine Kollegen umso überraschter, als sie gleich eine Fülle von tropischen und subtropischen Planktonarten im arktischen Ozean vorfanden. Für ihre Studie waren sie im August 2010 mit einem Forschungsschiff des Norwegischen Polar Institutes in See gestochen. Nördlich der Inselgruppe Svalbard, auf halben Wege von Norwegen zum Nordpol, analysierten sie die Zusammensetzung des Planktons im arktischen Meer. Insgesamt fanden sie 145 Radiolarien-Arten. 89 Spezies davon, und damit mehr als die Hälfte, stammten ursprünglich aus südlichen Gefilden bis hinunter zu den Tropen, berichten die Wissenschaftler.

Wissenschaftler lassen Planktonnetze ins Wasser
Wissenschaftler lassen Planktonnetze ins Wasser
© Beth Stauffer/Lamont-Doherty Earth Observatory Wissenschaftler lassen Planktonnetze ins Wasser
Verirrt im warmen Atlantikstrom
Der Name Plankton ist altgriechisch und steht für "das Umherirrende". Denn die marinen Organismen lassen sich ihre Schwimmrichtung einzig von den Meeresströmungen vorgeben. "Die tropischen Spezies müssen mit dem warmen Golfstrom, der von der Karibik bis in den Nordatlantik reicht, mitgeschwemmt worden sein", sagt Co-Autor Roger Anderson von der Columbia University. Normalerweise verlaufe dieser aber irgendwo zwischen Grönland und Europa. Da Ozeanographen bereits beobachtet haben, dass von Zeit zu Zeit warme Meeresströme auch die Norwegische Küste entlang bis ins arktische Becken vordringen, vermuten die Wissenschaftler, dass die Einzeller mit diesen Warmwasserpulsen in den Norden gelangten.

"Da Radiolaria nur etwa einen Monat lang leben, müssen sie bei ihrer fünf bis sieben Jahre langen Reise bis zu 80 Generationen überlebt haben", erklären die Forscher. Sie vermuten, dass die Einzeller sich durch die vielen Generationswechsel auf ihrem Weg an die kälteren Bedingungen anpassen konnten. Dabei zeigen Überbleibsel auf dem arktischen Meeresboden, dass die Tiere solche Abstecher schon mehrmals in der Vergangenheit geschafft hatten; rund 4.000 Jahre vor Christus und dann wieder 200, 400 und 1.100 Jahre n.Chr.

"Die Planktonansiedlungen müssen also nicht zwingend eine Folge des Klimawandels sein", folgert der Biologe Anderson. Allerdings würde vieles darauf hindeuten, dass die Erwärmung der Meere eine Rolle spiele. Denn gerade der arktische Ozean habe sich in den letzten Jahren rasant erwärmt. In einigen Gebieten seien die Wassertemperaturen dort sogar um fünf Grad Celsius seit 1950 gestiegen. Es deute zudem einiges darauf hin, dass die Warmwasserpulse heute häufiger und stärker aufträten als in der Vergangenheit. Noch ist nicht klar, ob sich die Eindringlinge in ihrer neuen Umgebung lange halten werden. Weitere Forschungen müssten klären, ob sie wieder verschwinden oder sich weiter anpassen und überleben. (doi:10.1144/0262-821X11-030)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Meeresbiologie, Meeresströmungen, Klimawandel, Arktis, Tropen, Ozean, Nordatlantik, Plankton, Radiolarien
Weitere News zum Thema
Bakterium zeigt Todeszonen im Meer an (15.04.2013)
Forscher entdecken in der zentralen Ostsee ein Indikator-Bakterium für marine Sauerstoffdefizitzonen
Klimawandel lässt Fische schrumpfen (01.10.2012)
Sauerstoffmangel und wärmeres Wasser beeinträchtigen Wachstum der Meeresbewohner
Tiefsee-Krebse können trotz Dauerdunkel Farbensehen (06.09.2012)
Gute Sehfähigkeit hilft beim Erkennen von leuchtender Beute
Unterwasser-Eruption trifft Meeresökosystem schwer (09.07.2012)
Vulkanausbruch vor der Kanareninsel El Hierro macht Ozean über Wochen zur Todeszone
Tintenfische täuschen Rivalen mit Farbtrick (04.07.2012)
Balzende Sepia-Männchen tarnen sich auf einer Körperseite als Weibchen
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Ozeanwasser
Dossiers zum Thema
Meeresströmungen
Schlüssel zum Klima der Zukunft
Biopumpen wälzen Klima um
Wie Meereslebewesen den Kohlendioxidhaushalt beeinflussen
Forschen am "System Erde"
Die Geowissenschaften im Wandel
Eisberg ahoi!
Vergängliche Kolosse der Polarmeere
Grönland im Schwitzkasten
Eisiges Naturparadies in Gefahr
Meereis adé?
Erster internationaler Polartag für eine schwindende Eiswelt
„All you can eat“ für Mikroben
Weltmeere speichern große Mengen an organischem Material
Auftriebsgebiete der Ozeane
Alles Gute kommt von unten
News des Tages
1.500 Meter tiefer Graben beschleunigt Gletscherschmelze
Wirkstoff lässt blinde Mäuse wieder sehen
Plankton aus den Tropen dringt in arktische Gewässer ein
Fossiles Skelett erhellt Ursprung der Schlangen
Stress stärkt die Macht der Gewohnheit
Bücher zum Thema
Der Arktis- Klima-Report
von Michael Benthack und Maren Klostermann (Übersetzer)
Ein Planet voller Überraschungen
Neue Einblicke in das System Erde von Reinhard F. J. Hüttl (Herausgeber)
Zu den Kältepolen der Erde
von Klaus Fleischmann
Warum der Eisbär einen Kühlschrank braucht
... und andere Geheimnisse der Klima- und Wetterforschung von Mojib Latif
Top-Clicks der Woche
1. Zucker macht Goldgewinnung "grün"
2. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
3. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
4. Die Minoer kamen nicht aus Afrika
5. Merkmale des seltensten chemischen Elements enträtselt