• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 22.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Südfranzösischer Regenwurm erobert Nordeuropa

Bodenfresser dehnte sein Verbreitungsgebiet um tausend Kilometer bis nach Irland aus

Der Klimawandel verhilft auch Regenwürmern zu neuen Lebensräumen: Irische Forscher haben erstmals Würmer aus dem Süden Frankreichs im Boden einer irischen Farm entdeckt - tausend Kilometer von ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet entfernt. Das sei erstaunlich, denn bisher seien Regenwürmer zwar schon häufiger innerhalb Europas in neue Gebiete verschleppt worden. Bisher aber habe sich keine Art aus dem Süden des Kontinents in Nordeuropa ansiedeln können. Denn dort seien alle ökologischen Nischen bereits von einheimischen Wurmarten besetzt. Es habe daher als unwahrscheinlich gegolten, dass Neuankömmlinge sich dort auf Dauer halten könnten, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters". Doch die südfranzösische Regenwurmart habe sich gegen die einheimische Konkurrenz durchgesetzt. Sie sei inzwischen in zwei Lebensräumen sogar häufiger als die einheimischen Würmer.
Regenwurm der Art Prosellodrilus amplisetosus

Regenwurm der Art Prosellodrilus amplisetosus

"Dieser Fund ist bemerkenswert und wirft neue Fragen auf", erklärt Erstautorin Carol Melody vom University College Dublin. Denn wie gelinge es den Würmern, tausend Kilometer von ihrem Heimatgebiet entfernt zu überleben? Die 25 Regenwurmarten der Gattung Prosellodrilus kommen normalerweise nur in einem kleinen Gebiet im Südwesten Frankreichs vor, einige wenige Arten leben auch auf Sardinien und in Nordafrika. Jetzt habe man die Art Prosellodrilus amplisetosus erstmals auch in Böden nahe der irischen Hauptstadt Dublin entdeckt, berichten die Forscher. Die Würmer kamen dabei in sechs unterschiedlichen Lebensräumen vor. Sie fanden sich in Komposthaufen sowie in den Böden von Wiesen, Weiden, Gärten, Lauwäldern und Feldrändern. In Wiesen und Feldrändern seien sie sogar die dominante Art gewesen, sagen Melody und ihre Kollegen.

Das deute darauf hin, dass sich das Verbreitungsgebiet dieser Regenwurmart stark nach Norden hin ausgedehnt habe, sagen die Forscher. Während eine solche Nordwanderung für andere Tiergruppen wie die Insekten bereits häufiger beobachtet worden sei, sei dies für die Zersetzer-Organismen des Bodens das erste Mal.

Extremster Bodenfresser unter den bekannten Arten


Um herauszufinden, warum sich die südfranzösischen Regenwürmer so gut gegen ihre einheimische Konkurrenz durchsetzen konnten, analysierten die Forscher die chemische Zusammensetzung der Würmer und ihrer Nahrung. "Die Daten deuten darauf hin, dass Prosellodrilus amplisetosus der extremste Bodenfresser aller Regenwurmarten in den mineralischen Bodenanteilen ist", erklären die Wissenschaftler. Der Wurm verzehrt große Mengen an Erde und verdaut die darin enthaltenen organischen, nährstoffreichen Bestandteile. Den Rest scheidet er wieder aus.


Die Forscher stellten zudem fest, dass sich der Anteil von Kohlenstoff und Stickstoff in der Nahrung der eingewanderten Würmer deutlich von denen der einheimischen Arten unterschied. "Die Neuankömmlinge ernähren sich offensichtlich von einem Teil des Bodens, den die einheimischen Regenwürmer nicht fressen können", sagt Melody. Das erkläre, warum sie in der neuen Heimat so erfolgreich seien.

Durch ihre Ernährungsweise machten die Würmer aber auch Kohlenstoffvorräte wieder verfügbar, die normalerweise noch lange ungestört in den Böden des Nordens gespeichert wären, warnen die Forscher. Dieser Kohlenstoff gelange über weitere Zersetzungsschritte als Kohlendioxid an die Atmosphäre. "Wenn mehr von diesen Regenwürmern nach Nordeuropa einwandern, könnten sie mehr Kohlenstoff aus unseren Böden freisetzen", sagt Melody. Das würde die Bodeneigenschaften und die Ökologie dieses Lebensraums beeinflussen und könnte zusätzliches Treibhausgas an die Atmosphäre abgeben. (doi:10.1098/rsbl.2012.0537)
(Biology Letters, 25.07.2012 - NPO)
 
Printer IconShare Icon