Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Benachteiligung ist die Triebkraft fürs Bestrafen
Nicht jeder Betrüger muss im Spiel-Experiment für seinen Diebstahl büßen
Menschen bestrafen vor allem dann, wenn sie sich benachteiligt und übervorteilt fühlen. Diese Ungleichheit motiviert mehr zur Strafe als das bloße Bedürfnis, es dem Übeltäter heimzuzahlen. Das haben zwei Forscherinnen in einem Computer-Experiment mit 560 Probanden herausgefunden. Diese tolerierten es, wenn ihnen ihr Spielpartner eine geringe Geldsumme wegnahm - solange er hinterher weniger oder maximal gleich viel Geld besaß wie sie. Hatte der Dieb aber am Ende mehr Geld, entschieden sich die Probanden mehrheitlich dafür, ihn zu bestrafen. Dieses Ergebnis zeige, dass die erlittenen Verluste nicht die Hauptmotivation für eine Strafe seien. Stattdessen vergleiche das Opfer seine Verluste mit dem Profit des Betrügers, bevor er sich für oder gegen eine Strafe entscheide, berichten die Wissenschaftlerinnen im Fachmagazin "Biology Letters".
Handschellen
Handschellen
© SXC Handschellen
Stellen Sie sich vor, ein Betrüger prellt Sie um zehn Euro. Würden Sie ihn bestrafen, weil Sie nun zehn Euro ärmer sind oder würden Sie dies nur dann tun, wenn der Betrüger dadurch mehr Geld hätte als Sie? "Wir zeigen, dass Menschen vor allem dann strafen, wenn die Betrüger am Ende besser dastehen als sie selbst", erklärt Erstautorin Nichola Raihani vom University College London. Dies widerspreche allerdings der landläufigen Ansicht. Denn nach dieser diene eine Strafe vor allem dazu, es dem Gestraften mit gleicher Münze heimzuzahlen.

Der Mensch unterscheidet sich damit deutlich von den wenigen Tieren, die Artgenossen strafen. "Bei ihnen ist höchstwahrscheinlich nur der eigene Verlust die treibende Kraft", erklären die Forscherinnen. Das könne unter anderem daran liegen, dass es mehr Intelligenz erfordere, den jeweiligen Profit des Täters mit der eigenen Situation zu vergleichen. Für den Menschen sei offensichtlich vorteilhafter, nicht immer zu strafen. "Eine mögliche Erklärung ist, dass Strafe in einer Gesellschaft nur dann auf Dauer kooperatives Verhalten sichert, wenn die Strafe auch als fair empfunden wird", schreiben Raihani und ihre Kollegin Katherine McAuliffe von der Harvard University in Cambridge.

Akteure wurden um 20 Cent geprellt
An dem Experiment nahmen 560 Männer und Frauen zwischen 16 und 69 Jahren teil. Die Hälfte von ihnen nahm die Betrügerrolle ein, die andere die des Akteurs. Die Akteure erhielten zu Beginn jeweils 70 Cent, die Betrüger entweder 10, 30 oder ebenfalls 70 Cent. Die Betrüger konnten dem Akteur 20 Cent von seinem Anteil wegnehmen. Je nach Variante hatten sie dadurch weniger, gleich viel oder aber mehr Geld als der Akteur. Im Gegenzug konnte nun der Proband entscheiden, ob er den Betrüger bestrafen wollte. Er musste dafür zwar 10 Cent investieren, dafür aber wurden dem Betrüger 30 Cent abgezogen.

Hatte der Betrüger nach dem Diebstahl weniger oder gleich viel Geld wie der Akteur, ging er meist straffrei aus. Weniger als 20 Prozent der Akteure entschieden sich dann für eine Strafe, wie die Forscher berichten. Anders sah es dagegen aus, wenn der Dieb am Ende 90 Cent, der Akteur aber nur noch 50 Cent besaß. Dann wählten fast 50 Prozent der Akteure die Option der Bestrafung. "Wenn der Betrug die Akteure benachteiligte, motivierte sie dies eher dazu, den Dieb zu betrafen", erklären Raihani und McAuliffe. (doi:10.1098/rsbl.2012.0470)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Psychologie, Verhalten, Moral, Strafe, Bestrafung, Fairness, Revanche, Betrug, Spiel-Experiment, Geld, Profit
Weitere News zum Thema
Mit Adele und Enya gegen Flugangst? (17.05.2013)
Gezielte Musik-Berieselung soll Angstgefühle lindern und den Körper beruhigen
Online-Test verrät Abhängigkeit von Facebook und Co (30.04.2013)
Wie groß ist die Angst, im sozialen Online-Netzwerk etwas zu verpassen?
Fünfjährige haben schon einen Sinn für gerechte Verteilung (23.04.2013)
Vorschulkinder fordern "reiche" andere Kinder zum Teilen auf, Kindergartenkinder noch nicht
Wir haben Mitleid auch mit Robotern (23.04.2013)
Beobachtung von Roboter oder Mensch aktiviert gleiche Hirnareale
Placebos vom Hausarzt sind kein Einzelfall (21.03.2013)
Studie: 97 Prozent der Mediziner geben zu, schon Scheinbehandlungen durchgeführt oder verordnet zu haben
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Das Gehirn vor Gericht
Auf der Suche nach den neurobioloigischen Wurzeln der Moral
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Die Angst nach dem Terror
Wie gehen wir mit Bedrohungen um?
Die Gedanken der Anderen
Der Zuschreibung von Wahrnehmungen und Gedanken auf der Spur
Mustererkennung
„Mustergültige Erkenntnis“ in Astrophysik, Musik und Medizin
News des Tages
Benachteiligung ist die Triebkraft fürs Bestrafen
In Europas Vogelwelt verschwinden die Spezialisten
Zukünftig mehr Krebstote durch Fukushima
Ein Specht zu Ehren Mandelas
Bücher zum Thema
50 Schlüsselideen Psychologie
von Adrian Furnham
Das Angstbuch
Woher sie kommen und wie man sie bekämpfen kann von Borwin Bandelow
Das selbstbewusste Gehirn
Perspektiven der Neurophilosophie
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Gefühle lesen
Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren von Paul Ekman
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Top-Clicks der Woche
1. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
2. Neandertaler-Mütter stillten ihre Kinder genauso kurz wie wir
3. Urzeit-Wald auf Baustelle entdeckt
4. Kluge Hirne sind wählerisch
5. Zweisprachige nutzen zwei Lautsysteme