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Freitag, 21.07.2017
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Erneutes Amselsterben durch tropisches Virus

Erste Amsel aus Nordrhein-Westfalen infiziert

Das Amselsterben durch den Usutu-Virus nimmt offenbar wieder Fahrt auf: Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) haben sechs tote Amseln aus Rheinland Pfalz und erstmals auch eine Amsel aus Nordrhein-Westfalen positiv auf das von Mücken übertragene Usutu-Virus getestet. Damit bestätigten sie die Prognose von Mückenexperten aus dem Frühjahr, dass im Sommer 2012 ein erneutes Amselsterben zu erwarten sei und der Ausbruch andere Bundesländer erfassen könnte.
Im Sommer 2011 begann ein durch Usutu-Viren ausgelöstes Massensterben der Amseln und anderer Vögel im Dreiländereck von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. „In den letzten Tagen wurden uns etwa 95 tote Amseln aus dem Raum Neustadt an der Weinstraße, Landau und Bad Dürkheim gemeldet“, berichtet Norbert Becker, wissenschaftlicher Leiter der KABS und Dozent an der Universität Heidelberg. Seine Mitarbeiter sammelten verendete Vögel ein und insgesamt 73 Tiere wurden am BNI auf eine Usutu-Virus-Infektion untersucht. „Leider haben sich die Befürchtungen nun bestätigt, dass das Usutu-Virus in der bekannten Ausbruchregion seit Juni wieder aktiv ist und viele Vögel an der Infektion versterben“, sagt Becker.

Laut Schmidt-Chanasit wurde am Donnerstagabend zudem erstmals eine tote Amsel, die eine aufmerksame Bürgerin außerhalb des ursprünglichen Ausbruchsgebietes gefunden hatte, positiv auf das Usutu-Virus getestet. Die Amsel wurde in der Stadt Siegen im Bundesland Nordrhein-Westfalen tot aufgefunden. Im April dieses Jahres hatte das interdisziplinäre Expertenteam die Bevölkerung dazu aufgerufen, tote Vögel zu melden und die Überträgermücke zu bekämpfen. „Auch dank der Unterstützung von Bürgerinnen und Bürger ist es uns gelungen, den Usutu-Virus-Ausbruch geografisch genau eingrenzen zu können“, sagt Becker.

Der aktuelle Ausbruch biete die einmalige Chance, in Deutschland die komplexen biotischen Interaktionen zwischen Viren, Stechmücken und Vögeln unter Einbeziehung ökologischer Rahmenbedingungen zu untersuchen, so Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Deshalb sollen wissenschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger infizierte Vögel weiterhin melden und möglichst früh an das BNI, die KABS oder ein örtliches Veterinäramt schicken. Mit dem Usutu-Virus infizierte Vögel zeigen oftmals Verhaltensauffälligkeiten und ein zerzaustes Gefieder.
(Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg, 16.07.2012 - NPO)
 
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