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Forscher entdecken älteste Töpferwaren der Menschheit in China
Jäger und Sammler nutzen Tongefäße schon auf dem Höhepunkt der Eiszeit
Schon vor 20.000 Jahren stellten unsere nomadischen Vorfahren Tongefäße her, mit denen sie kochten und Nahrungsmittel transportierten. Das zeigt der Fund der bisher ältesten Relikte von Töpferwaren in der Xianrendong-Höhle im Südosten Chinas. Die Scherben stammen von einfachen, unverzierten Gefäßen, die wahrscheinlich über dem offenen Feuer gebrannt worden sind. An den Bruchstücken lasse sich noch ablesen, wie die Urzeit-Töpfer einst ihre Gefäße formten. Sie gehörten zu den Jägern und Sammlern, die auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit in Ostasien lebten, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science". Die Scherben seien 2.000 bis 3.000 Jahre älter als andere, zuvor in China und Japan gefundene Gefäßrelikte.
Verziertes Gefäßfragment aus der Xianrendong-Höhle
Verziertes Gefäßfragment aus der Xianrendong-Höhle
© Science/AAAS Verziertes Gefäßfragment aus der Xianrendong-Höhle
"Noch bis vor kurzem dachte man, dass die ersten Töpferwaren erst während der sogenannten neolithischen Revolution hergestellt wurden", schreiben Xiaohong Wu von der Peking Universität und seine Kollegen. Mit diesem Begriff wird der Übergang zu sesshaften Bauernkulturen bezeichnet, der vor gut 10.000 Jahren begann. Die Funde von Xianrendong zeigten nun, dass die Jäger und Sammler in Ostasien schon rund 10.000 Jahre lang Töpferwaren produzierten bevor sie sesshaft wurden und Pflanzen anbauten, sagen die Forscher.

Zusammengefügt aus Tonwülsten und -platten
Die von den Eiszeitmenschen genutzten Gefäße hatten wahrscheinlich runde Böden und Wände von etwa einem Zentimeter Dicke, wie die Wissenschaftler berichten. Anhand der Scherben könne man zwei verschiedene Töpfertechniken identifizieren: Ein Teil der Gefäße wurde aus flachen Tonplatten zusammengefügt. Für andere schichteten die Urzeit-Töpfer dünne Tonwülste spiralig aufeinander und strichen dann die Wülste glatt. Feine, parallele Linien auf beiden Seiten der Scherben deuteten zudem daraufhin, dass die Töpfer ihre Gefäße vor dem Brand mit Grasfasern glätteten, schreiben Wu und seine Kollegen. Aus der Zusammensetzung der Scherben schließen sie, dass die Gefäße anschließend über dem offenen Feuer bei relativ niedrigen Temperaturen gebrannt wurden.

"Die Herstellung von Töpferwaren markiert auch einen fundamentalen Wendepunkt in der menschlichen Ernährungsweise", konstatieren die Forscher. Denn sie erlaubten es erstmals, stärkehaltige Lebensmittel wie Getreide zu kochen oder zu rösten. Dies machte sie besser verdaulich und erhöhte den Nährwert dieser Nahrungsmittel. Für die Bewohner der Xianrendong-Höhle könne dies besonders wichtig gewesen sein, sagen die Forscher. Denn sie lebten auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit und damit in einer Ära, in der die Nahrung knapp war.

Höhle war schon vor 29.000 Jahren bewohnt
Schon in den 1960er Jahren entdeckten Archäologen in der rund 100 Kilometer südlich des Jangtse-Flusses gelegenen Xianrendong-Höhle die ersten Spuren menschlicher Besiedlung. In der Nähe des Höhleneingangs fanden sie Werkzeuge aus Stein und Knochen, Knochenreste von Tieren sowie zahlreiche Scherben. Datierungen ergaben, dass die Höhle seit mindestens 29.000 Jahren immer wieder bewohnt war. Das Alter der ältesten Gefäßbruchstücke blieb aber auch bei späteren Ausgrabungen unsicher.

Für ihre Datierung gruben Wu und seine Kollegen ganze Sedimentblöcke mitsamt Scherben und anderen Relikten aus dem Höhlenboden aus. Aus diesen entnahmen sie Proben von Knochenresten und anderen organischen Relikten in unmittelbarer Nachbarschaft der Gefäßbruchstücke. Diese datierten sie mit Hilfe der Radiokarbonmethode. Ihren Ergebnissen nach stammen die ältesten Scherben aus der Zeit vor 19.000 bis 20.000 Jahren. (doi: 10.1126/science.1218643)
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Eiszeit, Jäger und Sammler, Tonscherben, Töpferwaren, Kultur, Xianrendong-Höhle, China, Radiokarbonmethode
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