• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 28.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Neu entdeckte Froschart färbt ab

Gelbfärber-Regenfrosch hinterlässt bei Berührung gelbe Farbspuren

Er ist nur etwa zwei Zentimeter groß, leuchtend gelb und färbt bei Berührung ab: Ein deutsches und panamaisches Forscherteam hat in den Bergen Panamas eine zuvor unbekannte Froschart entdeckt. Den Gelbfärber-Regenfrosch Diasporus citrinobapheus färbt bei Berührung ab. Bei ihrer Expedition stießen sie zudem auf mehrere Frosch- und Salamanderarten, die seit dem Amphibien-Massensterben Ende der 1990er Jahre als verschollen galten.
Frosch Diasporus citrinobapheus

Frosch Diasporus citrinobapheus

Auf verschiedenen Expeditionen zwischen 2008 und 2010 drangen Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt gemeinsam mit Kollegen aus Panama tief in die unzugängliche Bergwelt der Zentralkordilleren im Westen Panamas ein. Sie suchten vor allem an den Ufern von Bergbächen und im Nebelwald nach seltenen Fröschen und Salamandern. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler 18 von insgesamt 33 gefährdeten und stark gefährdeten Amphibienarten nachweisen, die in dem untersuchten Gebiet als heimisch gelten. Darunter ist auch ein Salamander, der seit seiner Entdeckung vor 34 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden konnte und ein Frosch, der seit 27 Jahren nicht mehr in Panama gefunden wurde.

Regenfrosch verriet sich durch Paarungsrufe


Aber auch eine zuvor völlig unbekannte Art entdeckten die Wissenschaft - den Gelbfärber-Regenfrosch Diasporus citrinobapheus. Die Paarungsrufe der männlichen Regenfrösche hatte sie verraten. „Die Rufe dieser Art unterscheiden sich stark von anderen Fröschen. Da hatten wir gleich den Verdacht, dass wir hier eine neue Art gefunden haben“, erklärt Biologe Andreas Hertz vom Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt. „Es war aber gar nicht so einfach, die winzigen Tiere im dichten Regenwald ausfindig zu machen, geschweige denn zu fangen.“

Als die Forscher den kleinen Frosch dann doch in den Händen hielten, stellten sie schnell eine Besonderheit fest: „Beim Anfassen des Tieres färbten sich unsere Finger gelb.“, erzählt Hertz. „Wir können aber leider noch nicht sagen, welchen Sinn das Abfärben hat.“ Zur Abwehr von Fressfeinden ist die spezielle Eigenschaft jedenfalls ungeeignet; die Biologen konnten keinerlei giftige Komponenten finden. „Vielleicht lässt sich die Farbe einfach nur leicht abwaschen und hat gar keine spezielle Funktion. Wie auch immer: Diese Besonderheit des Frosches bleibt rätselhaft.“, sagt der Amphibienforscher.


Frosch der neotropischen Art Agalychnis lemur

Frosch der neotropischen Art Agalychnis lemur

Status der Amphibienkrise unklar


Unklar ist auch, welche Bedeutung der Wiederfund der ausgestorben geglaubten Tiere hat: Ob er für ein Überwinden der Amphibienkrise steht, können die Frankfurter Biologen zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Ende des 20. Jahrhunderts fielen Amphibien massenhaft einer Pilzerkrankung zum Opfer. Der Pilz Batrachochytrium dentrobatidis breitete sich damals von Costa Rica kommend wellenartig nach Osten aus und tötete vor allem Frösche, Lurche und Salamander in höheren Lagen.

„Der Verlust von geeignetem Lebensraum stellt aber ein weitaus größeres Problem dar“, meint Hertz. In dem entlegenen Cerro Colorado Areal innerhalb des Autonomiegebiets der indigenen Ngöbe-Buglé konnten die Forscher zwei Froscharten finden, die offensichtlich nur dort überleben. Ausgerechnet dieses Gebiet soll jedoch, gegen den Widerstand der Ureinwohner, großflächig dem Kupferabbau durch ausländische Firmen zum Opfer fallen. „Das Cerro Colorado Areal sollte umgehend als Schutzgebiet ausgewiesen werden, wenn wir diese Arten für zukünftige Generationen erhalten wollen. Es gibt sie an keinem anderen Ort der Welt.“, schließt Hertz.
(Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 31.05.2012 - NPO)
 
Printer IconShare Icon