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Dienstag, 24.01.2017
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Therapie-Kombination hilft besser gegen Tinnitus

Neue Strategie liefert Grundlage für effektivere und einheitlichere Behandlung von Ohrgeräuschen

Tinnitus-Patienten können neue Hoffnung schöpfen: Forscher haben eine Behandlungsstrategie entwickelt, die besser als bisherige Ansätze gegen die quälenden Ohrengeräusche hilft. Sie besteht aus intensiver Verhaltenstherapie kombiniert mit einer Hörtherapie, bei der spezielle Instrumente die Wahrnehmung des Ohrgeräuschs verändern sollen. In einer einjährigen Studie mit 492 Tinnitus-Patienten verbesserte diese Kombinationstherapie die Intensität des Tinnitus und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "The Lancet" berichten.
Menschliches Ohr

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"Diese Ergebnisse sind enorm bedeutend für die klinische Praxis, denn bisher existieren keine klaren Behandlungsrichtlinien und die gängigen Therapiestrategien sind uneinheitlich und teuer", schreiben Rilana Cima von der Universität Maastricht in den Niederlanden und ihre Kollegen. Die neuen Befunde lieferten nun die Basis für ein effektives neues Konzept und einheitlichere Richtlinien bei der Behandlung von Tinnitus.

Etwa jeder Fünfte ist betroffen


16 bis 21 Prozent der Bevölkerung leiden unter einem anhaltenden Klingeln oder Geräuschen im Ohr, die keine äußere Quelle haben. "Tinnitus ist einer der unangenehmsten und behinderndsten Hörstörungen überhaupt, er beeinträchtigt nahezu alle Bereiche des Alltagslebens", sagen die Forscher. Die Ursachen für diese Störung sind ganz unterschiedlich, sie können sowohl im Ohr selbst liegen als auch in Veränderungen der Gehirnaktivität.

Noch sei weitgehend unklar, welche Behandlung den Patienten am ehesten Linderung verschaffe, ein einfaches, effektives Gegenmittel gebe es nicht. "Die Betroffenen bekommen deshalb häufig zu hören, dass man ohnehin nichts gegen die Erkrankung tun kann und dass sie besser lernen, damit zu leben", kritisieren Cima und ihre Kollegen. Eingesetzt wird bisher manchmal eine Verhaltenstherapie, bei der die Patienten lernen, besser mit den Ohrgeräuschen und den damit verbundenen Ängsten und dem Stress umzugehen. Häufig gehören auch Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen dazu. Ein zweiter Ansatz ist die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie. Sie soll die Wahrnehmung und die Verarbeitung der Geräusche im Gehirn verändern. Dabei wird meist ein spezielles Hörgerät eingesetzt, das bestimmte Tonbereiche verstärkt und zusätzlich eine Art Gegenrauschen gegen den Tinnituston erzeugt.


Spezialisierte Abfolge von Therapiebausteinen


Für ihre Studie entwickelten die Forscher ein Behandlungskonzept, bei dem die Patienten sowohl verhaltenstherapeutisch betreut wurden als auch Übungen und Techniken aus der Retraining-Therapie nutzten. Abgestimmt auf die Schwere der Tinnitus-Störung folgten dabei die einzelnen Behandlungskomponenten nach einem bestimmten Schema aufeinander.

Von den 492 Tinnitus-Patienten erhielt die Hälfte acht Monate lang diese gestaffelte Kombinationstherapie, die andere eine an der gängigen Retraining-Methode angelehnte Behandlung. Nach drei, acht und zwölf Monaten prüften die Forscher anhand von Hörtests und intensiven Befragungen, wie sich das subjektive Ohrgeräusch, die dadurch ausgelösten Beeinträchtigungen und die Lebensqualität der Probanden verändert hatte. Die auswertenden Forscher wussten dabei selbst nicht, welcher Gruppe der jeweilige Patient angehörte.

Das Ergebnis: In allen drei Bereichen empfanden die Patienten mit der spezialisierten Kombinationsbehandlung deutlich mehr Verbesserungen als die Vergleichsgruppe. Diese Unterschiede seien bereits nach drei Monaten aufgetreten und hätten auch noch vier Monate nach Behandlungsende angehalten, berichten die Forscher.
(doi: 10.1016/S0140-6736(12)60561-3)
(The Lancet, 29.05.2012 - NPO)
 
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