• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 22.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei

Veränderte Grundwassernutzung ist Hauptgrund für den Effekt

Der Klimawandel ist nicht die einzige Ursache für den Anstieg des Meeresspiegels: Auch der Mensch und seine Eingriffe in den globalen Wasserkreislauf tragen entscheidend dazu bei, hat ein japanisches Forscherteam berechnet. Der größte Faktor ist dabei der Verbrauch von Grundwasser, das nach der Nutzung nicht wieder in das ursprüngliche System zurückfließt, sondern über verschiedene Kanäle schlussendlich in die Ozeane gelangt. Zwar wird ein Teil des daraus resultierenden Meeresspiegelanstiegs durch die Effekte von Stauseen und anderen künstlichen Wasserreservoirs aufgefangen. Dennoch gehen etwa 42 Prozent der Zunahme im Zeitraum zwischen 1961 und 2003 auf menschengemachte Faktoren zurück, berichten Yadu Pokhrel von der University of Tokyo und seine Kollegen im Fachmagazin "Nature Geoscience".

Schmelzwasser und thermische Ausdehnung


In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg der Meeresspiegel weltweit im Durchschnitt um 1,8 Millimeter pro Jahr an. Als verantwortlich dafür galten bisher vor allem die direkten Effekte der globalen Erwärmung. Denn Gletscher und Eiskappen schmelzen ebenso zunehmend wie die Eismassen auf Grönland und der Antarktis, und das Schmelzwasser gelangt unmittelbar in die Ozeane. Zudem nimmt die Dichte des Meerwassers mit steigender Temperatur ab, was mit einer Volumenzunahme einhergeht - das Wasser dehnt sich also aus und benötigt mehr Raum.

Allerdings hatte bereits der Weltklimarat IPCC in seinem letzten Bericht im Jahr 2007 festgestellt, dass diese Faktoren nicht die einzige Ursache für den beobachteten Anstieg sein können: Zusammengenommen erklären sie lediglich 1,1 der 1,8 Millimeter pro Jahr. Der Rest müsse auf Veränderungen im globalen Wasserkreislauf zurückzuführen sein, die vermutlich größtenteils menschengemacht seien, vermuteten die Klimaexperten bereits damals. Daten gab es jedoch kaum.

Stauseen und Grundwasserverbrauch spielen große Rolle


Staudamm

Staudamm

Pokhrel und seine Kollegen haben nun ein neues, aufwendiges Modell entwickelt, das ihnen eine Abschätzung solcher Beiträge erlaubt. Im Fokus standen dabei vor allem zwei Faktoren: Stauseen und andere künstliche Wasserreservoirs sowie die Grundwassernutzung durch den Menschen. Erstere haben weltweit eine Kapazität von mehr als 8.000 Kubikkilometern und halten damit große Wassermengen von den Ozeanen fern. Sie senken also den Meeresspiegel, erläutert das Team. Wären sie vollständig gefüllt gewesen, hätten sie zwischen 1951 und 2000 den Pegel insgesamt um 22 Millimeter sinken lassen, bei der durchschnittlichen tatsächlichen Füllmenge könne man von 15 Millimetern ausgehen.


Sozusagen den Gegenpart spielt der Verbrauch von Grundwasser: Wird es dem Boden entnommen, und sei es nur für eine Bewässerung, gelangt es anschließend entweder in die Kanalisation oder über Verdunstung und Regen in die Flüsse, von wo aus es schlussendlich in den Ozeanen landet. Der Gesamtverbrauch weltweilt lag nach Berechnungen der Forscher bei etwa 359 Kubikkilometer pro Jahr. Unter der Annahme, dass 97 Prozent davon in den Weltmeeren ankommen, käme man auf einen Anstieg um 48 Millimeter. Weitere 8 Millimeter trugen Faktoren wie Veränderungen der Bodenfeuchtigkeit, eine Verringerung der Schneemengen und aufgetauter Permafrostboden im betrachteten Zeitraum bei.

Beste Näherung bisher, aber zuverlässige Daten problematisch


Insgesamt mache das 0,77 Millimeter pro Jahr und damit 42 Prozent des tatsächlich beobachteten Anstiegs aus, resümiert das Team. Das entspreche etwa dem Anteil, den die bisherigen Modelle nicht erklären konnten. Trotzdem betonen die Forscher, dass die Berechnungen und vor allem die als Grundlage verwendeten Daten optimiert werden müssten, um die echten Verhältnisse wiederzugeben. Aus einigen Gebieten der Welt gebe es beispielsweise kaum belastbare Informationen über Niederschlagsmengen oder den Verbrauch von Wasser. Erst dann könne man geeignete Maßnahmen einleiten.
(doi: 10.1038/ngeo1476)
(Nature Geoscience, 21.05.2012 - ILB)
 
Printer IconShare Icon