Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Archäologen entdecken in Bonn einen römischen Tempel
Zufallsfund bei einer Grabung mit Studenten
Archäologen haben in Bonn eine überraschende Entdeckung gemacht: Bei einer Lehrgrabung stießen sie auf die Reste eines römischen Tempels aus der Zeit um 100 nach Christus. "Der charakteristische Grundriss der angeordneten Steine gab uns den Hinweis darauf, dass es sich dabei um das Fundament eines sogenannten gallo-römischen Umgangstempels handelt", sagt der Grabungsleiter Frank Rumscheid, Professor für Klassische Archäologie der Universität Bonn. Ein solcher Tempel besteht meist aus einem Raum mit einem umlaufenden offenen Säulengang. Dieser Tempeltyp sei in den gallischen, germanischen und britischen Provinzen des Römischen Reichs weit verbreitet gewesen, erklärt der Forscher. Bei dem Fund handele es sich aber um eine regionale Rarität. Denn aus dem Gebiet um Bonn-Poppelsdorf seien zuvor keine solchen römischen Aktivitäten bekannt gewesen.
Grabungsgelände auf dem Campus der Universität Bonn in Poppelsdorf
Grabungsgelände auf dem Campus der Universität Bonn in Poppelsdorf
© Frank Rumscheid/Uni Bonn Grabungsgelände auf dem Campus der Universität Bonn in Poppelsdorf
Bekannt war zuvor schon, dass die Römer weiter nördlich ein Legionslager errichtet hatten. Dieses findet noch heute im Stadtteilnamen Bonn-Castell seinen Niederschlag. "Auffällig ist, dass der nun auf dem Campus Poppelsdorf gefundene Tempel verglichen mit dem Militärlager und der römischen Siedlung ein ganzes Stück weiter entfernt vom Rheinufer lag", stellt Rumscheid fest. Der Tempel könnte deshalb entweder zu einem etwas außerhalb gelegenen Landgut oder zu einem Heiligtum mit möglicherweise weiteren Bauten gehört haben. Welcher Gottheit der Tempel geweiht war, lasse sich allerdings nicht erkennen.

Entdeckt wurde der Tempel von einem Team aus Studierenden und Wissenschaftlern der Universität Bonn. Die Wissenschaftler hatten von einer vorhergehenden Grabung durch eine Auftragsfirma den Hinweis, dass dort irgendein Fundament im Untergrund vorhanden ist. Erst die Lehrgrabung durch die Uni-Archäologen brachte dann Klarheit. "Wir haben selbst erst nach etwa zwei Wochen erkannt, dass es sich um einen gallo-römischen Umgangstempel handelt", berichtet Rumscheid.

Tempelwände aus Holz oder Lehm
Grundriss des römischen Umgangstempels
Grundriss des römischen Umgangstempels
© Ulrich Mania/Uni Bonn Grundriss des römischen Umgangstempels
Die Forscher stießen im ockerbraunen Lehm des Ortsteils Poppelsdorf auf zwei nahezu quadratische Fundamente aus losen, weißen und grauen Steinen. Die Relikte zeigen, dass der Tempel etwa 6,75 Meter breit und rund 7,5 Meter lang war. "Da außer dem Fundament aus kleineren, in den Lehm gesteckten Steinen bei der Grabung kein weiteres Material der Wände gefunden wurde, war der Tempel wahrscheinlich aus vergänglichen Baustoffen wie zum Beispiel Holz und Lehm errichtet", sagt Ulrich Mania, ebenfalls Archäologe der Universität Bonn.

Wie die Forscher berichten, trug das innere Fundament des Tempels einst einen Raum mit einer Tür. Drumherum befand sich vermutlich ein niedrigerer, überdachter, mit Dachziegeln gepflasterter Umgang, dessen Stützen auf dem äußeren rechteckigen Fundament ruhten. Neben dem Fundamentsteinen stießen die Archäologen auf weitere Funde aus der Römerzeit, darunter Dachziegel, Eisennägel und vor allem Tonscherben. Auch einige Keramikscherben aus vorrömischer Zeit seien darunter gewesen, berichten die Forscher. Die ältesten stammen spätestens aus dem achten Jahrhundert vor Christus.

Nach der Sicherstellung und Dokumentation der Baureste und Funde wurde die Grabungsfläche wieder zugeschüttet. "Für einen wissenschaftlich fundierten Nachbau des Tempels reichten die erhaltenen Reste nicht aus", begründet Rumscheid diese Entscheidung. Außerdem musste man vorsorgen, dass niemand in die Grabungsfläche stürzen und sich verletzen kann. Die Forscher wollen aber auf dem Gelände weitere wissenschaftliche Projekte in Angriff nehmen und damit vor allem die römische Vergangenheit Bonns weiter rekonstruieren. "Unser Bild ist immer noch lückenhaft", sagt der Archäologe.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Bonn, Tempel, Umgangstempel, Römer, Rheinland, Römischen Reichs, gallo-römisch
Weitere News zum Thema
Klima: Trotz Kapriolen keine Entwarnung (08.05.2013)
DWD-Bilanz: 2012 war zwar kein Rekordjahr, aber noch immer deutlich zu warm
Bizarrer Doppelstern bestätigt Einstein (26.04.2013)
Paar aus ultraschwerem Pulsar und Weißem Zwerg belegt Krümmung der Raumzeit und Gravitationswellen
ALMA enträtselt galaktische Sternenwiegen (17.04.2013)
Genaue Ortsbestimmung für die produktivsten Galaxien im Universum
Rätsel um ausgestorbene Tiergruppe gelöst (04.04.2013)
Die nilpferdähnlichen Urzeit-Säuger waren vor allem im Meer heimisch
Vampirstern saugt seinen Planeten aus (02.04.2013)
Gelber Zwergstern WASP-12 ist damit vermutlich keine Ausnahme im Kosmos
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Luftbildarchäologie
Dossiers zum Thema
Luftbildarchäologie
Wenn Archäologen zur Cessna statt zum Spaten greifen
News des Tages
Ständiges Lesen und Stubenhocken macht Kinder kurzsichtig
Ein vertauschter Genbuchstabe macht Südseebewohner blond
Grönlands Gletscher schmelzen langsamer als gedacht
Spinnen: Design der Giftklauen sichert Jagderfolg
Archäologen entdecken in Bonn einen römischen Tempel
Was soziale Netzwerke auch über Nicht-Mitglieder wissen
Bücher zum Thema
Archäologie erleben
50 Ausflüge in die Vergangenheit von André Wais, Karoline Müller und Tina Steinhilber
Rätsel der Archäologie
Unerwartete Entdeckungen - Unerforschte Monumente von Luc Bürgin
Top-Clicks der Woche
1. Obst und Gemüse mit Perchlorat kontaminiert
2. Egoismus macht nicht glücklich
3. Riesige Stadt um Angkor Wat entdeckt
4. Forscher erfinden ein Lichtrad
5. Mittelalterliches Lepra-Rätsel gelöst