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Montag, 21.04.2014

Ständiges Lesen und Stubenhocken macht Kinder kurzsichtig

Moderne Lebensweise löst Welle der Kurzsichtigkeit in Ostasien aus

Forscher warnen vor einer Epidemie der Kurzsichtigkeit in Ostasien, aber auch in anderen Industrieländern. Bereits 80 bis 90 Prozent der Schulabgänger in den Städten Chinas, Japans, Singapurs und Südkoreas müssen inzwischen eine Brille tragen. Einen ähnlichen, wenngleich etwas schwächeren Trend gibt es auch in Nordamerika und Europa, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "The Lancet" berichtet. Der Grund für die grassierende Sehschwäche ist die moderne Lebensweise: Die Kinder gehen nicht mehr zum Spielen nach draußen und hocken in der Schule, aber auch zuhause zu lange über Büchern oder vor dem Computer. Als Folge seien 10 bis 20 Prozent der Kinder in Ostasien bereits so stark kurzsichtig, dass sie im späteren Leben durch Folgeschäden zu erblinden drohen, warnen die Wissenschaftler.
Macht Lesen kurzsichtig?

Macht Lesen kurzsichtig?

"Noch vor 50 Jahren hielt man die Kurzsichtigkeit für einen genetischen Defekt, auf den die Umwelt nur geringe Einflüsse haben", schreiben Ian Morgan von der Australian National University in Canberra und seine Kollegen. Inzwischen zeige sich, dass diese Sehschwäche auf viele Faktoren zurückgehe, darunter einen sehr großen Anteil von Umweltfaktoren.

Eine Ursache der modernen Epidemie der Kurzsichtigkeit sei häufiges oder zu nahes Lesen in der Schulzeit, sagen die Forscher. Unter den Absolventen höherer Schulen sei der Anteil der Kurzsichtigen daher besonders hoch. Es sei vermutlich auch kein Zufall, dass die Länder Ostasiens mit besonders vielen Kurzsichtigen auch in der Rangliste der Weltbildungsorganisation OECD die vorderen Plätze belegten.

Stubenhocker werden eher kurzsichtig



Auch die veränderte Lebensweise in den Industrieländern könnte eine entscheidende Rolle für die zunehmende Kurzsichtigkeit spielen, wie die Wissenschaftler berichten: Die Kinder verbringen heute mehr Zeit in geschlossenen Räumen und halten sich weniger im Freien auf. Dadurch sind ihre Augen seltener dem hellen, direkten Licht der Sonne ausgesetzt. Dieser Lichtmangel verringere den Gehalt des Botenstoffs Dopamin im Auge, der normalerweise ein zu starkes Wachstum des Augapfels hemme, erklären die Forscher. Stadtkinder seien daher häufiger kurzsichtig als Kinder auf dem Land, die noch mehr draußen spielen.

"Jüngste Studien haben gezeigt, dass ein häufigerer Aufenthalt im Freien Kinder gegen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit schützen kann", sagen Morgen und seine Kollegen. In China und Singapur seien bereits Pilotprogramme im Gange, die Familien gezielt zu mehr Freizeitaktivitäten draußen anregen sollen.

Eine wirksame Vorbeugung oder Therapie gibt es noch nicht



Gegen die Kurzsichtigkeit gibt es heute zwar Sehhilfen wie Brillen und Kontaktlinsen, Aufhalten oder Verhindern lässt sich die Sehschwäche mit medizinischen Mitteln bis heute aber nicht. Es gebe verschiedene Versuche mit speziellen Kontaktlinsen und pharmazeutischen Wirkstoffen, berichten die Forscher. Deren Wirksamkeit sei jedoch meist nur gering, vorübergehend oder mit starken Nebenwirkungen verbunden.

"Selbst wenn eine erfolgreiche Prävention möglich ist, wird ein Großteil der Bevölkerung Ostasiens noch für die nächsten hundert Jahre kurzsichtig sein und ein hohes Risiko für entsprechende Augenschäden haben", warnen Morgan und seine Kollegen. Es sei daher enorm wichtig, weiter nach möglichen Therapien und Präventionsmaßnahmen zu suchen.

Kurzsichtigkeit entsteht meist, weil der Augapfel in der Kindheit zu stark wächst und die Augenlinse dann das Gesehene nicht mehr genau auf die Netzhaut projizieren kann. Als Folge erscheint alles weiter Entfernte unscharf. Bei stark kurzsichtigen Menschen mit fünf oder mehr Dioptrien wächst zudem die Gefahr, dass im Laufe des Lebens Netzhautschäden und Fehlbildungen auftreten, die sogar zur Erblindung führen können. "Viele Betroffenen sind sich dieses Risikos nicht bewusst", waren die Forscher. Hier müssten auch Augenärzte stärker aufklären.

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