• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 29.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Neuer Wirkstoff macht Autismus-Symptome bei Mäusen rückgängig

Versuch weckt Hoffnung auf medikamentöse Behandlung der Störung

Forscher haben einen Wirkstoff entdeckt, der typische Symptome des Autismus rückgängig machen kann: Bei Mäusen mit einer autistischen Störung hob das Mittel schon nach einmaliger Gabe Verhaltensstörungen wie stereotyp wiederholte Bewegungen auf. Die mit dem Mittel behandelten Tiere wurden zudem wieder sozialer und zeigten mehr Interesse für ihre Artgenossen. Bei gesunden Mäusen habe der Wirkstoff zudem keine Nebenwirkungen oder krankhafte Verhaltensänderungen bewirkt. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science Translational Medicine".
Versuchsmaus beschnuppert einen ihr unbekannten Artgenossen

Versuchsmaus beschnuppert einen ihr unbekannten Artgenossen

"Diese Ergebnisse wecken die Hoffnung, dass diese Wirkstoffklasse auch beim Menschen als Therapie gegen zwei Kernsymptome des Autismus eingesetzt werden könnte", schreiben Jill Silverman vom National Institute of Mental Health in Bethesda und ihre Kollegen. Menschen mit einer autistischen Störung haben meist extreme Probleme, die Reaktionen und das Verhalten anderer Menschen zu verstehen, sie meiden soziale Kontakte und Berührungen. Viele neigen unter Stress zu stereotypen Bewegungen und Wortäußerungen.

Die an den Mäusen getestete Substanz namens GRN-529 wirke auf bestimmte Andockstellen des Hirnbotenstoffs Glutamat, berichten die Forscher. Störungen im Glutamathaushalt können bei Säugetieren die Aktivität und das Sozialverhalten beeinflussen, aber auch stereotype Bewegungen, wie beispielsweise ein ständig wiederholtes Hin- und Herwippen auslösen. Der Wirkstoff GRN-529 habe sich bei den autistischen Mäusen an die Andockstellen für das Glutamat angelagert und ihr Verhalten wieder normalisiert.

Inwieweit dieser Wirkstoff auch beim Menschen autistische Symptome lindern könnte, ist noch unklar. Die Forscher sehen in GRN-529 und verwandten Substanzen jedoch lohnende Objekte für weitere Tests auch in klinischen Studien mit Menschen. Bisher gebe es keine Mittel gegen die Kernsymptome des Autismus, Verhaltenstherapie sei zurzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit. Angesichts der großen emotionalen und finanziellen Last für Betroffene und Angehörige seien bezahlbare medikamentöse Therapien daher dringend nötig.


Mittel an zwei Mäusestämmen mit Autismus getestet



Für ihre Studie setzten die Forscher zwei verschiedene Stämme von Mäusen mit Autismus-ähnlichen Symptomen ein: Die Tiere interessierten sich mehr für Objekte als für Artgenossen, kommunizierten kaum und putzten sich unnatürlich oft und mit stereotypen Bewegungen. Diesen Mäusen injizierten die Wissenschaftler eine einmalige Dosis des GRN-529 in das Gehirn, die Dosis entsprach dabei drei Milligramm Wirkstoff pro Kilogramm Körpergewicht.

"In drei Wiederholungen durch zwei Labore reduzierte diese Behandlung die stereotypen Bewegungen der Mäuse nahezu vollständig", schreiben die Forscher. Dabei habe das Mittel aber nicht einschläfernd gewirkt, wie ein weiterer Versuch zeigte.

Auch das Sozialverhalten der autistischen Mäuse normalisierte sich: Statt sie wie zuvor zu ignorieren, beschnupperten sie fremde Artgenossen wieder intensiv. Sie hielten nach der Behandlung länger in einem Käfigteil mit einem Artgenossen auf als in dem Teil mit einem unbekannten Objekt und verhielten sich damit wie die gesunden Kontrollmäuse. "GRN-529 kehrte damit die sozialen Defizite in zwei standardisierten Versuchen zum Sozialverhalten um", berichten die Forscher. Die Kommunikation der autistischen Mäuse habe sich durch GRN-529 allerdings nicht gebessert. Möglicherweise sei dafür ein anderer Mechanismus zuständig, der vom Wirkstoff nicht beeinflusst wurde.
(doi:10.1126/scitranslmed.3003501)
(Science Translational Medicine, 26.04.2012 - NPO)
 
Printer IconShare Icon