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Freitag, 09.12.2016
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Ärger über verpasste Chancen macht im Alter depressiv

Forscher finden Schlüssel zu zufriedenem Altern

Wer sich wenig über verpasste Chancen ärgert, altert zufrieden. Den wissenschaftlichen Beweis dafür liefern deutsche Forscher im Fachmagazin "Science". Wie ein Blick ins Gehirn zeigte, freuen sich glückliche ältere Menschen immer, wenn sie in einem Glücksspiel etwas gewonnen haben - auch dann, wenn sie mit mehr Risiko ihren Gewinn noch hätten steigern können. Junge Menschen und Ältere mit Altersdepression hingegen ärgern sich in so einem Fall. Obwohl sie Geld gewonnen hatten, signalisierte das Belohnungssystem in ihrem Gehirn einen Verlust, schreiben Stefanie Brassen und ihre Kollegen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Wer sich nicht über verpasste Chancen ärgert, altert zufrieden

Wer sich nicht über verpasste Chancen ärgert, altert zufrieden

Die Forscher hatten junge Menschen um 25 Jahre und Ältere um 65 im Magnetresonanztomographen ein Glücksspiel spielen lassen. Wenn die Probanden ein höheres Risiko eingingen, steigerte das den Gewinn - sie konnten aber auch auf Nummer sicher gehen und kleine Geldbeträge mit nach Hause nehmen. Sobald die Probanden etwas gewonnen hatten, wurde ihnen angezeigt, wie viel sie hätten gewinnen können, wenn sie mehr riskiert hätten.

Höheres Risiko nach verpassten Chancen



Jüngere Menschen spornte der entgangene Gewinn an, in weiteren Spieldurchläufen ein größeres Risiko einzugehen, berichten die Forscher. Genauso reagierten Probanden mit Altersdepression. "Obwohl die verpassten Chancen nur fiktive Verluste bedeuteten, stellten sie sich im Belohnungssystem des Gehirns ähnlich realen Verlusten dar", schreiben Brassen und Kollegen. Ältere Menschen , die glücklich sind, hingegen änderten ihr Spielverhalten im Laufe des Experiments nicht. Dadurch gewannen sie insgesamt aber nicht weniger Geld als ihre Mitspieler, betonen die Forscher.


Das Belohnungszentrum der gesunden Älteren signalisierte ihnen einen Gewinn - trotz des fiktiven Verlustes. Die Areale des Gehirns, die Gefühle verstandsmäßig kontrollieren können, feuerten bei ihnen zudem stärker. Diese Probanden könnten ihr Bedauern über entgangene Chancen daher möglicherweise besser regulieren, heißt es in "Science": Sie erinnerten sich selbst daran, dass Verlieren und Gewinnen von Faktoren abhänge, die sie nicht beeinflussen könnten. "Menschen mit Altersdepression hingegen geben sich selbst die Schuld für das Ergebnis."


Der Schlüssel zu zufriedenem Altern



"In jungen Jahren können Versuche, bedauerliche Situationen zu bezwingen, dabei helfen, das zukünftige Verhalten zu optimieren", schreibt das Team um Brassen. Wenn Menschen altern, sei es jedoch oft die bessere Alternative, loszulassen, statt zu bedauern und es besser machen zu wollen: "Bedauern beruht auf einem Gefühl der Verantwortung." Zu einem gesunden Altern gehöre, mit verpassten Chancen im Leben anders umzugehen. Sich über solche Situationen zu ärgern, mache ältere Menschen unzufrieden und depressiv, schlussfolgern die Forscher.

(doi: 10.1126/science.1217516)
(Science, 20.04.2012 - BOS)
 
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