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Dienstag, 19.09.2017
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Frierende Versuchsmäuse verfälschen Ergebnisse

Zu kalte Laborräume beeinflussen Stoffwechsel und Medikamentenreaktion

Die hohe Misserfolgsrate vieler Tierversuche könnte einen einfachen Grund haben: Den dafür genutzten Mäusen ist es zu kalt. Denn in den meisten Laboratorien werden die Mäuse absichtlich sechs bis zehn Grad unter ihrer Wohlfühltemperatur gehalten, damit sie ruhiger und weniger aggressiv sind. Das aber beeinflusse ihren Stoffwechsel und damit auch, wie ein getestetes Arzneimittel auf sie wirke. Dadurch sei die Gefahr groß, dass die Ergebnisse solcher Tierversuche verfälscht würden, berichten US-amerikanische Forscher im Fachmagazin „PloS ONE“.
Versuchtstier Maus

Versuchtstier Maus

„Wenn man ein Mittel entwickeln will, das einem Patienten im Krankenhaus helfen soll, dann geht das nicht mit Tieren, die unter Kältestress stehen und dies mit einem erhöhten Stoffwechsel kompensieren“, sagt Studienleiter Joseph Garner von der Stanford University School of Medicine. Statt bei ihrer Wohlfühltemperatur von 30 bis 32 Grad Celsius halte man die Versuchsmäuse in den meisten Laboren bei nur 20 bis 24 Grad.

Langsameres Wachstum und veränderte Immunreaktion


Aus früheren Tests wisse man, dass Mäuse, die bei 18 bis 20 Grad Celsius gehalten werden, langsamer wachsen. Außerdem begännen sie, Veränderungen in ihrer Immunreaktion zu zeigen. „In unseren Laboren leben sie meist direkt an dieser Untergrenze“, sagt Garner.

Die in den Labors übliche Kälte verändere alle Aspekte der Physiologie bei den Mäusen, berichten die Wissenschaftler. Das beeinflusse auch, wie schnell ein Wirkstoff beispielsweise von der Leber abgebaut werde. Dadurch werde es wahrscheinlicher, dass sich der Wirkstoff bei den Tieren ganz anders verhalte als beim Menschen, meinen die Forscher.


Nester als Ausgleich für zu kalte Laborumgebung


Einfach die Temperatur in den Laboratorien hochzudrehen ist aber nicht möglich, wie Garner und seine Kollegen berichten. Denn dann würden die Mäuse sehr aggressiv und damit kaum mehr für die Experimente einsetzbar. Eine andere Lösung für das Problem haben Garner und seine Kollegen aber bereits erfolgreich getestet: Nester. Bereits sechs bis zehn Gramm Papierschnipsel oder anderes Nestmaterial im Käfig reichen aus, damit sich die Mäuse ein wärmendes Nest bauen und so vor der Kälte schützen.

„Warum lassen wir sie nicht einfach das tun, was sie wild auch tun würden? Mäuse können sogar in einem Gefrierschrank bei Temperaturen unter null Grad überleben und sich vermehren - weil sie wunderbare Nester bauen“, sagt Garner. Durften Versuchsmäuse in den kalten Laborkäfigen ein Nest bauen, sank auch ihr Stoffwechsel wieder auf ein Normalmaß ab, wie die Forscher berichten. Das zeige sich unter anderem daran, dass die nestbauenden Mäuse weniger fraßen als die Mäuse ohne Nest. Solche Mäuse seien physiologisch mit dem Menschen vergleichbarer, sagt Garner. Daher seien sie auch bei Tierversuchen sehr viel geeigneter und aussagekräftiger als frierende Mäuse.

Kein Hindernis für effektive Forschungsarbeit


Und ein Hindernis für die Tierversuche seien die Nester auch nicht, wie die Forscher betonen. Es sei sogar leichter, sie daraus aufzunehmen als wenn sie ohne Nest frei im Käfig herumliefen. „Zudem verrät die Form des Nests einer erfahrenen Person bereits, ob die Tiere krank oder gesund sind, ob ihnen kalt oder warm ist und sogar ob sie demnächst Nachwuchs bekommen“, sagt Garner.

Und noch einen positiven Effekt könnten die Nester für die Tierversuche haben: Das geschützte, bequeme Nest biete den Mäusen über die Wärme hinaus eine Form der Sicherheit, meinen die Forscher. Wahrscheinlich trage dies dazu bei, Angst und Stress bei den Tieren zu senken. (PloS ONE, 2012)
(dapd / PloS ONE, 02.04.2012 - NPO)
 
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