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Genvariante macht Grippe lebensbedrohlich
Mutation erklärt die unterschiedliche Anfälligkeit für Virusinfektionen
Eine seltene Genvariante macht einige Menschen besonders anfällig für eine schwere Grippe. Die Träger dieser Genmutation erkranken stärker und müssen häufiger im Krankenhaus behandelt werden. Das hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. Ist das als IFITM3 bezeichnete Gen mutiert, funktioniert ein Protein nicht korrekt, das normalerweise die Ausbreitung des Virus hemmt. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Aktion nur eines einzigen Proteins den Verlauf der Influenza und anderer Viruserkrankungen fundamental ändern kann", berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature". Diese Erkenntnis habe auch Bedeutung für zukünftige Pandemien, besonders gefährdete Patienten könnten anhand dieser Genvariante frühzeitiger erkannt werden.
H1N1-Virus
H1N1-Virus
© Cynthia Goldsmith / CDC H1N1-Virus
Bei der Pandemie des Schweinegrippevirus H1N1 im Jahr 2009, aber auch bei anderen Grippewellen, erkrankten die meisten Infizierten nur leicht. Bei einigen Menschen aber nahm die Krankheit einen lebensbedrohenden Verlauf. "Viele fanden es erstaunlich, dass ein einziges Virus so unterschiedliche Folgen auslösen kann", kommentiert Mark Walport, Leiter des Wellcome Trust, an dessen Institut die Studie durchgeführt wurde. Jetzt habe man eine Erklärung für diese Unterschiede gefunden: Genetische Varianten beeinflussten die Art und Weise, mit der Menschen auf eine Virusinfektion wie die Grippe reagierten.

Wissen um Risikogen könnte Vorbeugung erleichtern
"Diese Erkenntnis ist wichtig für Menschen, die diese Genvariante tragen, denn ihre Immunreaktion könnte gegenüber einigen Virusinfektionen geschwächt sein", sagt Studienleiter Paul Kellam vom University College London. Diese Menschen könnten zukünftig gezielt einer Infektion vorbeugen, beispielsweise indem sie sich gegen Grippe impfen lassen. Bis dahin sei aber noch weitere Forschung nötig. Nach Einschätzung der Forscher könnte die Genmutation nicht nur bei der Influenza eine Rolle spielen, sondern auch bei anderen Virusinfektionen wie der Vogelgrippe oder dem Dengue-Virus. IFITM3 gehöre offensichtlich zur ersten Abwehrlinie des Immunsystems gegen Infektionen.

Todkrank nach Infektion mit mildem Virus
Für die Wirkung des neu identifizierten IFITM3-Gens fanden die Forscher Belege sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen. In einem ersten Test blockierten sie das Gen bei Mäusen und infizierten diese anschließend mit einem milden Influenza-Virus. "Die Mäuse mit der mutierten Form des Gens wurden todkrank und verloren ein Viertel ihres Körpergewichts", schreiben Aaron Everitt und seine Kollegen vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton. Auch mehrere Tage nach der Infektion zeigten diese Tiere noch schwere Entzündungen der Lunge. Mäuse ohne die Genmutation erkrankten dagegen nur leicht und erholten sich schnell wieder.

Anschließend analysierten die Forscher das Erbgut von 53 Patienten, die 2009 wegen Schweinegrippe H1N1 oder der saisonalen Grippe im Krankenhaus behandelt wurden. Bei diesen Patienten habe man eine signifikant höhere Zahl von mutierten IFITM3-Genen gefunden als beim europäischen Durchschnitt, berichten die Wissenschaftler. (Nature, 2012; doi:10.1038/nature10921)
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