• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 26.07.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Bilder kalorienreicher Nahrung beeinflussen den Geschmacksinn

Forscher entdecken neue Querverbindung zwischen Sehen und Schmecken

Bilder von Lebensmitteln beeinflussen, wie gut uns etwas schmeckt. Wer sich kalorienreiches Essen wie Lammkoteletts, Pizza, Lachs oder Gebäck anschaut, empfindet einen nachfolgenden Geschmacksreiz als angenehmer, als wenn er zuvor kalorienarme Nahrung wie Wassermelonen oder Joghurt gesehen hat. Das berichten Forscher im Fachmagazin „Plos One“. Auch im Gehirn habe man dabei deutliche, von den Abbildungen beeinflusste Unterschiede festgestellt: Die Gehirnareale, die Geschmack und Belohnungsverhalten verarbeiten, feuerten stärker, wenn einem Geschmacksreiz ein Bild kalorienreicher Kost voranging.
Pommes frites

Pommes frites

Schon seit längerem gibt es Hinweise darauf, dass allein schon der Anblick von Essen unbewusste Reaktionen unseres Gehirns hervorruft. So wecken Lebensmittelbilder beispielsweise unbewusste Erwartungen darüber, wie das abgebildete Nahrungsmittel schmecken könnte. Welche Wirkungen diese visuellen Reize auf das direkte Geschmacksempfinden haben, sei aber bisher unerforscht gewesen, sagen die Forscher.

„Unsere Ergebnisse enthüllen einen bisher unbekannten Mechanismus, über den visuelle und geschmackliche Sinnesreize wechselwirken“, schreiben Kathrin Ohla vom Nestlé Research Center in Lausanne und ihre Kollegen von den Universitäten Lausanne und Tokio.

Stromstoß statt Essen


Für die Studie hatten die Forscher 14 Versuchspersonen jeweils eine halbe Sekunde lang ein Bild eines Nahrungsmittels gezeigt. Anschließend reizten sie die Geschmackssensoren der Probanden mit einer Elektrode. „Dieser elektrisch erzeugte Geschmack wird in Bezug auf seine Annehmlichkeit als neutral empfunden“, schreiben die Wissenschaftler. Zudem stelle dies sicher, dass der Geschmack, der auf ein Bild folgte, objektiv stets derselbe blieb. So werde das Experiment nicht davon gestört, dass die Geschmäcker bestimmter Lebensmittel auch immer erlernt seien.


Nach jedem Bild-Geschmacksreiz-Durchgang ließen die Forscher die Versuchspersonen einschätzen, wie angenehm sie den Geschmack empfanden. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Nach dem Ansehen kalorienarmer Lebensmittel bewerteten die Probanden den Reiz im Durchschnitt mit einer 2,75 auf einer Skala von 1 bis 5. Den genau gleichen Reiz empfanden sie nach Betrachten von Pizza & Co mit einer 2,9 als angenehmer.

Auch im Gehirn zeigen sich Unterschiede


Was sich während des Versuchs im Gehirn der Probanden abspielte, beobachteten die Wissenschaftler um Ohla mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG). In diesen Aufzeichnungen der Gehirnströme fanden sie starke Unterschiede in der Aktivität von Insellappen und anderen Hirnrindenarealen, die mit Geschmack, Belohnung und der Bewertung von Nahrung beschäftigt sind.

Die Forscher äußern sich nicht dazu, welche Konsequenzen sich aus diesem Studienergebnis beispielsweise für Werbung, Erziehung und die Therapie von Essstörungen ergeben. Der nächste Schritt sei aber, so heißt es, in einer weiteren Studie die Reaktion von Probanden zu untersuchen, die sich beispielsweise Werbeplakate anschauen und anschließend richtiges Essen zu sich nehmen. (Plos One, 2012; doi: 10.1371/journal.pone.0032434)
(Plos One / dapd, 15.03.2012 - NPO)