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Mittwoch, 13.12.2017
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Viele Raubtiere können Süßes nicht schmecken

Entwicklung zu reinen Fleischfressern machte Geschmackssensor entbehrlich

Katzen, Hyänen, Seelöwen und Delfine können nichts Süßes schmecken. Denn sie und andere Raubtiere haben ihren Geschmackssinn für Süßes verloren, als sie sich auf Fleisch spezialisierten. Das hat ein internationales Forscherteam durch genetische Untersuchungen und Verhaltenstests herausgefunden. Das Ergebnis zeige, dass weitaus mehr Tierarten als bisher angenommen einen oder mehrere ihrer fünf Geschmackssinne verloren haben könnten, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
Hungrige Seelöwen in einem Tierpark

Hungrige Seelöwen in einem Tierpark

Bisher galten süß, salzig, sauer, bitter und umami als Geschmacksrichtungen, die alle Säugetiere schmecken können. Umami ist ein herzhafter Geschmack, der durch Bausteine von Eiweißmolekülen ausgelöst wird. Vor allem süß galt dabei als wichtige Geschmacksinformation, weil Süße in der Natur häufig zuckerreiche und damit nahrhafte Pflanzen anzeigt.

Deaktivierter Süßsensor


Doch bei acht der zwölf jetzt untersuchten Raubtierarten fanden die Forscher einen durch Mutationen deaktivierten Süßsensor. Darunter sind neben den Katzen auch Tüpfelhyänen, eine asiatische Otterart, Pelzrobben, Seehunde, Seelöwen und zwei in Asien beheimatete Katzenartige.

„Dass so viele verschiedene Arten im Laufe der Evolution unabhängig voneinander ihren Süßgeschmack verloren haben, war ziemlich unerwartet“, sagt Studienleiter Gary Beauchamp vom Monell Chemical Senses Center in Phildelphia. Denn die betroffenen Arten sind nicht eng miteinander verwandt, sondern entstammen ganz unterschiedlichen Säugetiergruppen. „Innerhalb der Gruppen gibt es zudem Arten, die Süßes schmecken und andere, die dies nicht können.“


Fleischnahrung machte Süßgeschmack entbehrlich


Eine Gemeinsamkeit habe man bei den acht Raubtierarten ohne Süßgeschmack aber gefunden, sagen die Wissenschaftler: Alle seien strikte Fleisch- oder Fischfresser. Die Raubtiere, die noch Süßes schmecken können, fräßen dagegen neben Fleisch oft auch noch andere Nahrung, wie beispielsweise viele Bären.

„Es ist daher wahrscheinlich, dass die Nahrungsgewohnheiten und vor allem der Wandel zum obligatorischen Fleischfresser den Verlust des Süßsensors bei den Raubtieren gefördert haben“, sagen die Forscher. Da der Süßgeschmack bei Fleisch nicht vorkommt, sei er für die reinen Fleischfresser entbehrlich.

Delfine haben sogar drei Geschmackssinne verloren


Eine Sonderrolle in punkto Geschmackssinn nimmt der Delfin ein. Denn diesem Meeressäuger fehlt nicht nur der Sinn für Süßes, auch umami und bitter kann er höchstwahrscheinlich nicht schmecken. Die Forscher fanden auch in den Sensoren dieser Geschmacksrichtungen deaktivierte Gene. Delfine und Seelöwen hätten zudem insgesamt nur noch sehr wenige Geschmacksknospen. Vermutlich sei dies eine Anpassung daran, dass diese Meeressäuger ihre Beute meist ganz herunterschlingen - zum Schmecken ist dabei ohnehin kaum Gelegenheit. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2012; doi: 10.1073/pnas.1118360109)
(Proceedings of the National Academy of Sciences / dapd, 13.03.2012 - NPO)
 
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