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Donnerstag, 21.09.2017
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Resistente Keime auch im Putenfleisch

Krankheitserreger sind bis zu 90 Prozent immun selbst gegen neuere Antibiotika

Nicht nur Hähnchenfleisch, auch Putenfleisch ist häufig mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet. Das hat jetzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt. In dem bundesweit durchgeführten Zoonosen-Monitoring 2010 war Putenfleisch mit Salmonellen, Campylobacter und Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) belastet, die teilweise zu 90 Prozent resistent gegen Antibiotika waren.
Putenfleisch

Putenfleisch

Im Rahmern ihrer Untersuchung hatte das BfR 3.748 Isolate verschiedener Bakterien auf ihre Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen untersucht und nach epidemiologischen Kriterien bewertet. Die Isolate stammen von Proben aus Puten-, Hähnchen- und Mastkälberbeständen sowie Putenfleisch, Rohmilch und Eiern. „Die Keime stammen ursprünglich aus der Tierhaltung und werden während des Schlachtprozesses und der Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen“, sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. Resistente Erreger in der Tierproduktion können vor allem über den Kontakt mit Tieren sowie über kontaminierte Lebensmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs zum Verbraucher gelangen.

Maßnahmen gefordert


Diese Erkenntnis verlangt aus Sicht des BfR Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Da von antibiotikaresistenten Keimen ein Gesundheitsrisiko ausgehen kann, müssen Anstrengungen unternommen werden, eine Ausbreitung resistenter Bakterien entlang der Lebensmittelkette zu vermeiden. Verbraucher können sich gegen resistente und krankmachende Keime in Lebensmitteln durch eine sorgfältige Küchenhygiene schützen. Das BfR empfiehlt, Fleisch nur gut durcherhitzt zu verzehren.

Bis zu 90 Prozent der Keime waren resistent


Wie die Forschr berichten, gab es große Unterschiede zwischen den Tiergruppen und Lebensmitteln hinsichtlich der Belastung mit antibiotikaresistenten Bakterien: Mehr als 90 Prozent der Escherichia coli-Bakterien aus Puten-, Hähnchen- oder Mastkälberbeständen sowie aus Putenfleisch waren gegen mindestens eine, häufig auch mehrere Antibiotikasubstanzklassen resistent. Dagegen waren Escherichia coli aus Rohmilch oder aus Legehennenbeständen nur zu 24 bzw. 40 Prozent resistent. Ebenso waren Salmonellenisolate aus Masthähnchenbeständen im Vergleich zu denen aus Putenbeständen seltener resistent.


Mehr als 70 Prozent der Campylobacter jejuni- und 90 Prozent der Campylobacter coli-Isolate aus Putenbeständen und Putenfleisch waren resistent gegen mindestens eine Antibiotikaklasse. Infektionen mit Campylobacter sind seit Jahren die häufigste Ursache bakteriell bedingter Durchfallerkrankungen des Menschen. Geflügelfleisch ist als eine der wichtigsten Quellen für diese Infektionen identifiziert worden. Resistenzen gegen Fluorchinolone wurden bei beiden Arten häufig gefunden. Fluorchinolone und Cephalosporine sind für die Therapie von Infektionen des Menschen von besonderer Bedeutung. Die Ausbreitung von Keimen, die gegen diese Antibiotika resistent sind, kann daher erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben.

Salmonellen

Salmonellen

Krankmachender Salmonellen-Stamm ist ebenfalls resistent


Im Rahmen der Resistenzuntersuchungen hat das BfR auch einen besonders resistenten Stamm von Salmonella Kentucky im Putenfleisch gefunden. Dieser Stamm hat in mehreren europäischen Mitgliedstaaten zu Erkrankungen bei Menschen geführt und weist eine hochgradige und stabile Resistenz gegenüber Fluorchinolonen auf.

Fast alle MRSA-Isolate aus Putenbeständen und Putenfleisch zeigten neben der Resistenz gegen Beta-Laktam-Antibiotika auch eine oder mehrere Resistenzen gegen weitere Wirkstoffklassen. Das Vorkommen von Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) in den Tierbeständen führt insbesondere für Beschäftigte in der Tierhaltung zu einer häufigen Besiedlung mit MRSA. Die Rolle der aus diesen Tieren erzeugten Lebensmittel für die Ausbreitung der nutztierassoziierten MRSA ist nach derzeitiger Einschätzung des BfR jedoch aufgrund der meist niedrigen Keimzahlen gering.
(Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 21.02.2012 - NPO)
 
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