• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 22.10.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Kaiserschnitt fördert frühen Beginn von Typ 1 Diabetes

Einfluss auf die Darmflora des Kindes begünstigt Ausbruch der Krankheit

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen, haben laut einer Studie ein mehr als doppelt so hohes Typ 1 Diabetes-Risiko als Kinder, die spontan entbunden wurden. Eine Erklärung sehen die Forscher in der Tatsache, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert. Dies begünstige die Entwicklung der fehlerhaften Reaktion des Immunsystems gegen die eigenen Insulinproduzierenden Zellen.
Insulinspritze bei Diabetes

Insulinspritze bei Diabetes

Diabetes Typ 1 ist angeboren. Bei dieser Erkrankung greifen Antikörper irrtümlicherweise die Inselzellen der Bauschspeicheldrüse an. Die Insulin produzierenden Zellen werden durch diese Autoimmunreaktion nach und nach zerstört. Die Geburt per Kaiserschnitt beeinfmlusse nicht den grundlegenden Mechanismus dieser Krankheit, sagen die Forscher. Aber sie begünstige offenbar die Entstehung von Diabetes nach dem Auftreten erster Autoantikörper.

In der Langzeit-Studie hatten Diabetesforscher der Technischen Universität München den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich 11 Jahre lang beobachtet.

Risiko einer frühen Erkrankung um das Doppelte erhöht


Das Ergebnis: Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, haben ein Diabetes-Risiko von 4,8 Prozent, bis zum 12. Lebensjahr daran zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent. Das erhöhte Diabetes-Risiko bei Kaiserschnitt trat unabhängig davon auf, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft, Frühgeburt oder um das Erstgeborene handelte. Auch der Geburtsmonat und Rauchen während der Schwangerschaft hatten keinen Einfluss.


Fehlende Impfung mit Bidifobakterien


„Eine Erklärung für diese Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt“, erläutert Anette-Gabriele Ziegler, Studienleiterin und Leiterin der Forschergruppe Diabetes. Unter den Mikroorganismen, die den Darm besiedeln, lassen sich bei Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zum Beispiel weniger Bifidobakterien nachweisen. „Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern“, so Ziegler weiter.

Bei den Bifidobakterien handelt es sich um die wichtigste Gruppe der nützlichen Darmbakterien. Sie sind auch in der Vagina gesunder Frauen zu finden, so dass sie bei einer vaginalen Entbindung vom Säugling aufgenommen werden können. Diese Mikroorganismen erfüllen neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen vielfältige Aufgaben für das Immunsystem: So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit wichtigen Informationen zur Bekämpfung von Erregern, bilden Vitamine wie das Vitamin K und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut. (DIABETES. Vol. 60. December 2011. 3300-3306)
(Technische Universität München, 15.02.2012 - NPO)
 
Printer IconShare Icon