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Freitag, 28.07.2017
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2011: „Dicke Luft“ in Deutschland

Hohe Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ermittelt

Die Luft in Deutschland war auch 2011 zu stark mit Feinstaub und Stickstoffdioxid belastet. Die Feinstaub-Werte lagen im Mittel sogar über dem Niveau der vorangegangenen vier Jahre. Beim Stickstoffdioxid war die Belastung unverändert hoch. Das ergab eine erste Auswertung von vorläufigen Messdaten der Länder und des Umweltbundesamtes (UBA).
Autoabgase

Autoabgase

Beim Feinstaub lagen laut UBA 42 Prozent der verkehrsnahen Stationen über dem zulässigen Tagesgrenzwert. Dieser erlaubt nur 35 Tage mit über 50 Mikrogramm Feinstaub (PM10) pro Kubikmeter Luft (µg/m³) im Tagesmittel. Beim Stickstoffdioxid (NO2) wurden sogar an 57 Prozent der Messstationen unerlaubte Jahresmittelwerte von über 40 µg/m³ ermittelt.

UBA-Präsident Flasbarth rief deshalb dazu auf, bei der Luftreinhaltung nicht nachzulassen: „In großen Teilen Deutschlands hat die Luft eine gute Qualität. Allerdings müssen wir dort mehr tun, wo die Atemluft der Menschen immer noch mit zu viel Feinstaub und Stickstoffdioxid belastet ist: In den Städten und Ballungsräumen. “ Umweltzonen seien dafür ein geeignetes Mittel. Mit Einführung der modernsten Abgas-Norm (EURO 6) und der stetigen Durchdringung der Flotte mit solchen Fahrzeugen werde die Situation in Zukunft verbessert.

BUND: Laissez-faire-Politik der Bundesregierung schuld an schlechten Werten


Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kommentierte die neuen Ergebnisse dagegen so: „Die schlechten Feinstaubwerte sind Resultat der Laissez-faire-Politik der Bundesregierung. Diese hatte auf EU-Ebene eine fünfjährige Fristverlängerung bis 2011 für Strafzahlungen durchgesetzt. Jetzt ist der Handlungsbedarf umso größer.“


Nur wenn die Kommunen nachweisen könnten, dass sie alle gebotenen Maßnahmen zur Feinstaubreduzierung ergriffen hätten, könnten sie kommenden Strafzahlungen in Millionenhöhe noch entgehen. Einige Städte wie Berlin oder Leipzig hätten bereits frühzeitig ambitionierte Maßnahmen eingeleitet. Diesen Vorbildern müssten nun alle anderen Kommunen folgen.

Umweltzonen nur ein Teil der Lösung


UBA-Präsident Flasbarth wies darauf hin, dass Umweltzonen nur ein Teil der Lösung sind, da Feinstaub und Stickstoffoxide zu großem Teil auch bei Verbrennungsprozessen in Industrie und Haushalten entstehen. Emissionen aus der Landwirtschaft tragen ebenfalls zur Feinstaubbelastung bei.

Erfolgreiche Luftreinhaltung funktioniere nur, wenn alle Sektoren einen Beitrag leisten: „Wir müssen ein Auge auf die Folgen der immer weiter dezentralisierten Energieerzeugung haben: Kleine Anlagen in Innenstädten dürfen nicht zu einer höheren Staubbelastung führen als die heutigen Großkraftwerke. Hier hat Deutschland mit der Verschärfung der Regelung für Kleinfeuerungsanlagen einen wichtigen Schritt gemacht“, so Flasbarth.

Austauscharme Wetterlagen


Ein weiterer Faktor, der sich vom Menschen nicht beeinflussen lasse, sei das Wetter: Bei austauscharmen Hochdruckwetterlagen wird die Luft viel weniger durchmischt. Das kann dazu führen, dass die Luft selbst dann schlechter wird, wenn die Emissionen der Autos, Heizungen oder Fabriken gleich bleiben.

Im Jahr 2011 gab es nach Angaben des UBA gleich mehrere solcher austauscharmen Wetterlagen: Von Ende Januar bis März und im November führte dies zu häufigeren Überschreitungen des Feinstaub-Tagesgrenzwertes als in den Vorjahren. Ursache dieser Luftschadstoffbelastung blieben jedoch die Emissionen, die es an der Quelle zu vermindern gelte.

Das UBA wird die abschließende Bewertung der Luftqualität 2011 in Deutschland im ersten Halbjahr 2012 vorlegen, wenn die validierten und ergänzten Daten aus den Luftmessnetzen von Bund und Ländern ausgewertet sind.
(Umweltbundesamt / BUND, 07.02.2012 - DLO)
 
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