Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Spinnen: Mehr Nachwuchs durch Selbst-Kastration
Abgebrochenes Paarungsorgan überträgt mehr Spermien
Forscher haben herausgefunden, warum sich Männchen einer tropischen Spinnenart während der Paarung oft selbst kastrieren: Dieser Akt der Selbstverstümmelung verhilft ihnen zu mehr Nachkommen- obwohl er sie für den Rest ihres Lebens zeugungsunfähig macht. Denn ihr abgetrenntes Paarungssorgan bleibt dabei im Genital des Weibchens stecken und pumpt weiterhin Spermien in sie hinein. Durch diese Art der Fern-Kopulation könne das Männchen weitaus mehr Spermien übertragen als bei einer normalen Paarung. Gleichzeitig verhindere der abgebrochene Spermienüberträger, dass andere Männchen sich noch mit diesem Weibchen paarten. Das erhöhe die Chancen des opferbereiten Männchens beträchtlich, der Vater der Nachkommen zu werden, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters".
Weibchen der Art Nephilengys malabarensis  mit einem abgetrennten Taster (roter Rahmen)
Weibchen der Art Nephilengys malabarensis mit einem abgetrennten Taster (roter Rahmen)
© Li et al. /Biology Letters Weibchen der Art Nephilengys malabarensis  mit einem abgetrennten Taster (roter Rahmen)
Bei der Paarung der Seidenspinnenart Nephilengys malabarensis geht es alles andere als liebevoll zu: Passt das fünf Mal kleinere Männchen nicht auf, bricht ihm das Weibchen die Spitze seines Paarungsorgans ab, einem zu einem Spermienüberträger umgebildeten Taster. Die Paarung und damit auch die Übertragung der Spermien ist damit vorzeitig beendet. Hat das Männchen Pech, wird es obendrein vom Weibchen getötet und verspeist.

Taster wird freiwilig geopfert
Doch die Spinnenmännchen haben eine Gegenstrategie entwickelt: Sie trennen freiwillig ihren gesamten Taster ab und lassen ihn im Weibchen stecken. Anschließend bleiben sie aber in der Nähe und bekämpfen jedes andere Männchen, das sich ihrem Weibchen nähert. "Dieses Verhalten scheint auf den ersten Blick ein Irrweg und damit eine Fehlanpassung zu sein, weil es die Männchen unfruchtbar macht", sagt Erstautor Daiqin Li von der National University of Singapore. Aber evolutionär gesehen profitiere das Männchen: Denn diese Strategie erhöhe seine Chance, seine Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Für das Männchen sei dies daher durchaus eine lohnende Anpassung an den sexuellen Kannibalismus der Weibchen.

Spinnen-Paarungen mit Zuschauern
Für ihre Studie hatten die Forscher jeweils ein Männchen auf das Netz eines noch unbegatteten Weibchens von Nephilengys malabarensis gesetzt. Die Paarung der beiden Spinnen wurde gefilmt und die Zeitdauer bis zum Abbruch einen der beiden Partner gestoppt. Anschließend ermittelten die Forscher, wie viele Spermien jeweils ihren Weg in den Genitaltrakt der Weibchen gefunden hatten.

Bei 22 von 25 Paarungen brach das Männchen seinen Taster ab und ließ ihn im weiblichen Genitaltrakt stecken. Zum diesem Zeitpunkt habe der Taster noch 67 bis 72 Prozent seiner Spermienfracht enthalten, berichten die Forscher. Weitere Beobachtung habe aber gezeigt, dass der Taster auch nach dem Abbrechen weiter Spermien an das Weibchen übertrug.

"Dieses Verhalten verlängert damit nicht nur indirekt die Paarungsdauer, es erhöht auch tatsächlich die Menge der übertragenen Spermien.", schreiben Li und seine Kollegen. Beendete nicht das Männchen, sondern das Weibchen die Paarung, habe man anschließend signifikant weniger Spermien in der Spermientasche des Spinnenweibchens gefunden. Da die Weibchen ihre Eier nach und nach mit dem Spermienvorrat aus dieser Tasche befruchten, bedeuten mehr Spermien auch mehr Nachwuchs. (Royal Society Biology Letters, 2012; doi: 10.1098/rsbl.2011.1202)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Spinnen, Seidenspinne, Selbst-Kastration, Paarung, Fortpflanzung, Biologie
Weitere News zum Thema
Schwarze Witwe: Auch Männchen sind Kannibalen (07.05.2013)
Älteren Spinnenweibchen droht der Tod noch vor der Paarung
Pulsar erweist sich als zerstörerische Schwarze Witwe (26.10.2012)
Ungewöhnlicher Neutronenstern verzehrt seinen kleineren Partner
Urzeit-Insekt reiste per Anhalter (19.10.2012)
Bernstein konservierte einen Springschwanz auf dem Rücken einer Fliege
Forscher entdeckt in Laos einen Riesen-Weberknecht (17.10.2012)
In einer Höhle gefundenes Spinnentier hat eine Beinspannweite von 33 Zentimetern
Bernstein hat Spinne beim Angriff konserviert (11.10.2012)
Attacke auf Wespe im Netz blieb über 100 Millionen Jahre erhalten
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Spinnen
Nobody is perfect
Dossiers zum Thema
Leben auf acht Beinen
Spinnen und ihre Verwandten
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
Kannibalismus
"Dinner for One" unter Artgenossen
Pfui Spinne!
Warum wir uns ekeln
News des Tages
Vulkanausbrüche lösten die Kleine Eiszeit aus
Gehörte Wörter aus Gehirnwellen rekonstruiert
Spinnen: Mehr Nachwuchs durch Selbst-Kastration
Kurzzeitgedächtnis beruht auf Synchronisation
Light-Limonaden erhöhen Schlaganfall-Risiko
Bücher zum Thema
Das geheime Leben der Tiere
Ihre unglaublichen Fahigkeiten, Leistungen, Intelligenz und magischen Kräfte von Ernst Meckelburg
Tierisch!
Expedition an den Rand der Schöpfung von Dirk Steffens
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Top-Clicks der Woche
1. Giftiges Mutterkorn breitet sich an der Nordsee aus
2. Neandertaler-Mütter stillten ihre Kinder genauso kurz wie wir
3. Urzeit-Wald auf Baustelle entdeckt
4. Zweisprachige nutzen zwei Lautsysteme
5. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen