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Samstag, 02.07.2016
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Milchstraße: Planeten häufiger als Sterne

Exoplaneten sind nicht Ausnahme, sondern Regel

Jeder Stern der Milchstraße wird im Schnitt von mindestens einem Planeten umkreist. Das hat ein internationales Astronomenteam mit Hilfe des sogenannten Mikrogravitationslinseneffektes herausgefunden. Die Forscher kommen nach einer umfassenden statistischen Analyse ihrer sechs Jahre dauernden Messungen von mehreren Millionen Sternen in „Nature“ zu dem Schluss, dass die Existenz von Planeten im Umfeld anderer Sterne – sogenannte Exoplaneten – nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall ist.
Planeten umkreisen Sterne

Planeten umkreisen Sterne

In den vergangenen 16 Jahren haben Astronomen mehr als 700 Exoplaneten entdeckt und bereits damit begonnen, die Spektren und Atmosphären von einzelnen dieser fernen Welten zu erforschen. Eine der entscheidenden Fragen ist aber nach wie vor offen: Wie häufig sind Planeten in unserer Milchstraße?

Viele Exoplaneten blieben unentdeckt


Aufgespürt wurde der Großteil der heute bekannten Exoplaneten entweder durch die gravitative Anziehungskraft des Planeten auf seinen Mutterstern oder durch die winzige Abschwächung des Sterns, die zustande kommt, wenn ein Planet auf seiner Umlaufbahn von der Erde aus gesehen direkt vor dem Stern vorbeizieht. In diesen beiden Fällen lassen sich mit der Radialgeschwindigkeitsmethode oder der Transitmethode vor allem Planeten nachweisen, die massereich sind oder nur einen geringen Abstand zum Stern haben. Viele Exoplaneten werden daher bislang einfach übersehen, da sie unterhalb der Nachweisgrenze dieser Methoden liegen.

Professor Joachim Wambsganß vom Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg und sein Team fahnden mit einer anderen Methode nach Exoplaneten: Durch den Mikrogravitationslinseneffekt lassen sich derartige Planeten über die Wirkung ihrer Gravitationsfelder auf das Licht dahinterliegender Sterne nachweisen. Stern und Planet wirken dabei den Forschern zufolge wie eine Linse, die die Lichtstrahlen des Hintergrundsterns zum Beobachter hin fokussiert und ihn so für einige Tage heller erscheinen lässt. Der Verlauf der Helligkeitsänderung, die Lichtkurve, hat eine sehr charakteristische Form. Dabei ist der Einfluss des Planeten oft nur für einige Stunden messbar.


Daten aus sechs Jahren Beobachtungszeit durchforstet


Mit dieser Technik ist es nach Angaben der Astronomen möglich, Planeten aufzuspüren, die einen größeren Abstand zum Stern haben und über einen großen Massebereich verteilt sind. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering. „Um ein einziges stellares Mikrogravitationslinsenereignis beobachten zu können, muss die Helligkeit von einigen Millionen Sternen mehrmals pro Woche gemessen werden. Und selbst wenn alle so entdeckten Sterne einen Planeten aufweisen, zeigt sich dieser in weniger als einem Prozent der Fälle“, erläutert Wambsganß.

„Wir haben die Daten aus sechs Jahren Beobachtungszeit durchforstet. Tatsächlich hat sich dabei herausgestellt, dass Planeten in unserer Milchstraße häufiger vorkommen als Sterne“, sagt der Erstautor der Studie, Arnaud Cassan vom Institut d'Astrophysique de Paris.

Forscher messen Helligkeit von mehreren Millionen Sternen


Für die Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler aus Australien, Chile, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kroatien, Neuseeland, Österreich, Polen, Südafrika und den USA – unter ihnen Forscher der Europäischen Südsternwarte (ESO) – Daten der Beobachtungsteams PLANET (Probing Lensing Anomalies NETwork) und OGLE (Optical Gravitational Lensing Experiment).

Die Astronomen haben zwischen 2002 und 2007 immer wieder die Helligkeit von mehreren Millionen Sternen gemessen. Dabei haben sie insgesamt 3.247 durch Sterne erzeugte Mikrogravitationslinsenereignisse entdeckt. Bei drei dieser Lichtkurven wurden eindeutig Planeten nachgewiesen: eine „Supererde“ und jeweils ein Planet mit Neptun-ähnlicher und mit Jupiter-ähnlicher Masse.

Jupiterähnlicher Planet umkreist jeden sechsten Stern


Das internationale Forscherteam kombinierte die Daten dieser drei Entdeckungen mit denen von sieben weiteren Exoplaneten, die ebenfalls mit dem Mikrogravitationslinseneffekt gefunden worden sind. Hinzugezogen wurde außerdem eine große Zahl von Sternen, bei denen während der sechs Jahre kein Planet nachgewiesen werden konnte. Diese Nicht-Detektionen sind laut Cassan für die statistische Analyse ebenso wichtig wie die entdeckten Planeten.

Durch Vergleich mit intensiven Computer-Simulationen fanden die Wissenschaftler heraus, dass etwa jeder sechste Stern von einem jupiterähnlichen Planeten umkreist wird. Die Hälfte aller Sterne haben danach Planeten mit Neptun-Masse, und zwei Drittel aller Sterne werden von einer „Supererde“ begleitet. Die Studie erfasst dabei Planeten, deren Abstände von ihrem Stern 75 Millionen bis 1,5 Milliarden Kilometer betragen und deren Massen von fünf Erdmassen bis zur zehnfachen Jupiter- Masse reichen.
(Universität Heidelberg, 12.01.2012 - DLO)