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Montag, 29.05.2017
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Mechanismus der Alkoholsucht aufgeklärt

Gehirn schüttet beim Trinken Opium-ähnliche Substanzen aus

Ähnlich wie Kokain oder andere Drogen setzt auch Alkohol im Gehirn des Menschen körpereigene Endorphine frei. Das haben Forscher jetzt erstmals direkt nachgewiesen. Die mit dem Opium verwandten Botenstoffe stimulieren zwei Areale, die zum Belohnungssystem des Gehirns gehören und lösen dadurch starkes Wohlgefühl aus. Gleichzeitig erzeugt die Ausschüttung dieser Opioid-Botenstoffe aber auch den Wunsch nach mehr. Damit sei dieser Mechanismus die Triebkraft für die Alkoholsucht, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science Translational Medicine“.
Bier

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Obwohl die Wirkung von Alkohol seit langem erforscht wird, war bisher unklar, welche Mechanismen im Gehirn dafür sorgen, dass Trinker immer wieder zur Flasche greifen. Erst jetzt sei es gelungen, den genauen Prozess beim Menschen zu identifizieren, sagen die Forscher. Das eröffne auch Möglichkeiten, Alkoholikern gezielter als bisher zu helfen.

Gehirnscan bei 13 Alkoholikern


Für ihre Studie hatten die Forscher 13 Alkoholiker und 12 nicht-süchtige Versuchspersonen jeweils vor und nach dem Trinken einem Gehirnscan unterzogen. Mit Hilfe des Verfahrens der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) konnten die Wissenschaftler dabei die Endorphin-Ausschüttung im Gehirn der Probanden beobachten. Eine radioaktiv markierte Substanz zeigte an, wo und in welchen Mengen Endorphine im Gehirn freigesetzt wurden.

Wie die Wissenschaftler berichten, setzte das Trinken von Alkohol die Botenstoffe in zwei Bereichen des Vorderhirns frei, dem Nucleus accumbens und dem orbitofrontalen Kortex. Beide Areale sind Teil des Belohnungssystems und spielen eine entscheidende Rolle für Glücksgefühle, aber auch für die Sucht.


Gehirne von Alkoholikern reagieren anders


Die Forscher fanden auch Unterschiede zwischen starken Trinkern und nicht-süchtigen Alkoholkonsumenten. Die Alkoholiker empfanden den Rausch umso stärker, je mehr Endorphine in ihrem orbitofrontalen Kortex freigesetzt wurden. Bei den normalen Versuchspersonen steigerte sich das Rauschgefühl dadurch nicht.

„Das deutet darauf hin, dass die Gehirne von Alkoholikern verändert sind“, sagt Erstautorin Jennifer Mitchell von der University of California in San Francisco. Das bei ihnen mit steigendem Pegel stärkere Belohnungsgefühl bringe sie vermutlich dazu, so viel zu trinken. Ob diese Gehirnveränderung bei den Betroffenen erst im Laufe der Alkoholsucht entstanden ist oder ob sie bereits vorher vorhanden war und damit die Anfälligkeit für Alkohol förderte, ließ sich durch diese Studie allerdings nicht feststellen.

Gezieltere Hilfe beim Entzug möglich


Nach Ansicht der Wissenschaftler eröffnet dieses Wissen auch neue Möglichkeiten, um Menschen mit Alkoholproblemen gezielter zu unterstützen. Das bislang beim Entzug eingesetzte Mittel Naltrexon blockiert unspezifisch alle Andockstellen für die körpereigenen Opioide. Dadurch ruft es teilweise starke Nebenwirkungen hervor. Viele Alkoholiker, denen das Mittel beim Entzug helfen soll, setzen es daher frühzeitig ab.

Jetzt habe man herausgefunden, dass die Suchtwirkung des Alkohols nur von einer Opioid-Bindungsstelle ausgehe, dem sogenannte Mu-Opioid-Rezeptor, sagen die Forscher. Jetzt könne man daher spezifischere Mittel entwickeln, die nur diesen Rezeptor blockieren. Das verringere wahrscheinlich auch die Nebenwirkungen. (Science Translational Medicine, 2012, doi: 10.1126/scitranslmed.3002902)
(Science Translational Medicine / dapd, 12.01.2012 - NPO)
 
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