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Stammzellen aus Nabelschnurblut könnten Diabetes Typ 1 heilen
Umerziehung des Immunsystems schützt Insulin-produzierende Zellen
Stammzellen aus Nabelschnurblut können Diabetes Typ 1 lindern und möglicherweise zukünftig ganz heilen. Das zeigt eine erste Studie an 15 Patienten mit dieser angeborenen Autoimmunerkrankung. Beim Diabetes Typ 1 greift das Immunsystem irrtümlich die Insulin-produzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Doch die fehlgeleitete Abwehr lasse sich umerziehen, wenn man Immunzellen mit gesunden Stammzellen aus gespendetem Nabelschnurblut in Kontakt bringe, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin BMC Medicine.
Insulinspritze bei Diabetes
Insulinspritze bei Diabetes
© gemeinfrei Insulinspritze bei Diabetes
Für die neue Methode unterzogen die Wissenschaftler die Patienten einer Art Blutwäsche. Sie entnahmen Blut und isolierten daraus vorübergehend die weißen Blutkörperchen. Diese Abwehrzellen des Immunsystems ließen sie über eine Fläche mit Stammzellen aus Nabelschnurblut strömen. Anschließend wurden die Abwehrzellen wieder mit dem restlichen Blut vereinigt und dieses in den Körper der Patienten zurückgeleitet. Die gesamte Prozedur dauert rund zwei bis drei Stunden.

"Bereits eine einmalige Behandlung mit dieser Methode brachte Patienten mit mittlerer bis schwerer Diabetes Typ 1 eine anhaltende Verbesserung", berichten Yong Zhao von der University of Illinois in Chicago und seine Kollegen. Die Patienten mussten sich nach der Behandlung erheblich weniger Insulin spritzen als zuvor. Diese Wirkung habe auch noch nach 40 Wochen angehalten.

Umerziehung der Abwehrzellen
Es habe deutliche Anzeichen dafür gegeben, dass die Behandlung die Autoimmunreaktion gegen die Insulin-produzierenden Zellen abschwäche, sagen die Forscher. Durch den Kontakt mit Signalmolekülen an der Oberfläche der Stammzellen hätten die Abwehrzellen und damit auch das Immunsystem gelernt, die Inselzellen nicht mehr anzugreifen. Das ermögliche es diesen, sich zu regenerieren und selbst wieder Insulin zu erzeugen.

Nach Ansicht der Forscher lassen sich mit der neuen Methode die beiden Hauptziele für die Heilung von Diabetes Typ 1 erreichen: die Umkehr der fehlgeleiteten Autoimmunreaktion und die Regeneration der Inselzellen. Sollte sich dieses Ergebnis in weiteren Studien bestätigen, könnte sich die Erziehung des Immunsystems durch Nabelschnur-Stammzellen als vielversprechende Therapie gegen Diabetes Typ 1, aber auch gegen andere Autoimmunerkrankungen erweisen.

Stammzellen gelangen nicht in den Körper
Die Besonderheit an der neuen Methode sei, dass die Stammzellen nicht in den Körper der Patienten gelangten, sagen die Wissenschaftler. Der Kontakt zu deren Lymphozyten finde nur während der Blutwäsche statt. Das verringere die Gefahr einer Übertragung von Krankheiten oder einer Abstoßungsreaktion.

An der Studie hatten 15 junge Erwachsene teilgenommen, die bereits seit acht und mehr Jahren an Diabetes Typ 1 litten. Bei sechs von ihnen waren die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse bereits so stark zerstört, dass sie kein eigenes Insulin mehr produzierten. Die Wirkung der einmaligen, zwei bis drei Stunden dauernden Behandlung testeten die Forscher nach 4, 12, 24 und 40 Wochen. Im Blut der Patienten habe man dabei zunehmend mehr Substanzen gefunden, die nur bei der Produktion von körpereigenem Insulin entstehen, berichten die Wissenschaftler. Außerdem hätten sich auch Anzeichen für eine korrekte Immunreaktion vermehrt.
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