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Donnerstag, 27.07.2017
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Singvögel erkennen Verwandte am Geruch

Zebrafinken bevorzugen Nester mit familiärem Duft

Entgegen bisherigen Annahmen können Singvögel nicht nur gut riechen, sie nutzen ihren Geruchssinn auch, um Verwandte zu erkennen. Das haben deutsche Forscher in Experimenten mit Zebrafinken herausgefunden. Vor die Wahl zwischen zwei Nester gestellt, bevorzugten die Jungvögel immer das Nest, das die Forscher zuvor mit dem Geruch ihrer Eltern und Geschwister präpariert hatten. Dieser Duft der Verwandtschaft habe sich sogar dann als attraktiver erwiesen, wenn die Zebrafinken kurz nach dem Schlupf aus dem Nest genommen und von Pflegeeltern aufgezogen worden waren, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Biology Letters".
Diese beiden Zebrafinken-Geschwister erkennen ihre Verwandtschaft am Geruch, wie Forscher herausgefunden haben.

Diese beiden Zebrafinken-Geschwister erkennen ihre Verwandtschaft am Geruch, wie Forscher herausgefunden haben.

"Die Fähigkeit, Verwandte zu erkennen, ist für Tiere entscheidend wichtig, damit sie gezielt mit Familienangehörigen kooperieren können, aber auch um unnötige Konkurrenz und Inzucht zu vermeiden", schreiben Tobias Krause von der Universität Bielefeld und seine Kollegen. Auch Singvögel besäßen diese Fähigkeit, man habe aber bisher nicht gewusst, woran sie ihre Verwandten erkennen. Erst vor kurzem hatten die Bielefelder Forscher belegt, dass Singvögel riechen können - anders als vielfach in Lehrbüchern behauptet.

Küken aus Pflegefamilien bevorzugen Familienduft


Um zu klären, ob Zebrafinken ihre Verwandten riechen können, führten die Bielefelder Verhaltensforscher mehrere Experimente durch. Dafür setzten sie zunächst Vogelküken wenige Tage nach dem Schlüpfen in ein Nest mit nicht-verwandten Zebrafinken und ließen sie in dieser Pflegefamilie aufwachsen.

Etwa drei Wochen später wurden diese Jungvögel vor zwei neue Nester gesetzt. Das eine enthielt Kokosfasern und Kot aus dem Nest, in dem das jeweilige Küken geschlüpft war. Es roch daher nach den Eltern und Geschwistern des Kükens. Das zweite Nest enthielt Material aus dem Nest, in dem das Küken zusammen mit Nicht-Verwandten aufgewachsen war.


"Die Pflegeküken bevorzugten das Nest, in dem sie geschlüpft waren gegenüber dem, in dem sie aufgewachsen waren", berichten die Forscher. Die Jungvögel hielten sich deutlich länger in der Nähe des Nistplatzes auf, der nach ihren leiblichen Eltern und Geschwistern roch. In einem weiteren Experiment fanden die Forscher heraus, dass Küken ein Nest mit familiärem Geruch umso stärker bevorzugten, je mehr ihrer Geschwister sich zuvor darin aufgehalten hatten.

"Wir liefern den ersten Beweis dafür, dass die Vögel ihren Geruchssinn dafür nutzen, um Verwandte von Nicht- Verwandten zu unterscheiden", sagen die Forscher. Den Wissenschaftlern zufolge lassen sich die Ergebnisse der Zebrafinken-Versuche auch auf andere Singvögel übertragen. "Die Fähigkeit zu riechen und Geruchssignale zu deuten basiert wahrscheinlich auf genetischen Grundlagen, die auch bei anderen Singvögeln vorhanden sind", meinen Krause und seine Kollegen.

Dufterkennung könnte gelernt oder angeboren sein


Nach Ansicht der Forscher könnte das Erkennen der Verwandten am Geruch auf zwei unterschiedliche Mechanismen zurückzuführen sein: Die Küken könnten in den ersten Stunden nach dem Schlupf den vertrauten Geruch der Verwandten gelernt haben.

Es sei aber auch möglich, dass der familiäre Duft nicht erlernt werden müsse, sondern dass er durch genetische Ähnlichkeiten entstehe und daher von Anfang an instinktiv erkannt würde, mutmaßen die Forscher. Welche der beiden Varianten zutreffe, müsse man nun in weiteren Versuchen klären. (Biology Letters, 2012; doi:10.1098/rsbl.2011.1093)
(Universität Bielefeld, 05.01.2012 - NPO)
 
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