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Montag, 24.07.2017
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Potenzpille lindert Herzprobleme

Wirkstoff Sildenafil macht versteifte Herzwände wieder elastisch

Wie der Viagra-Wirkstoff Sildenafil Herzprobleme lindern kann, hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam in der Fachzeitschrift „Circulation“ gezeigt. Laut der neuen Studie macht Sildenafil versteifte Herzwände wieder elastisch. Das Medikament schaltet dazu ein Enzym an, das das Riesenprotein Titin in den Herzmuskelzellen erschlaffen lässt.
Mittel gegen Herzinsuffizienz

Mittel gegen Herzinsuffizienz

„Hiermit haben wir erstmals eine Therapie im Tiermodell entwickelt, die auch Hoffnung auf eine erfolgreiche Behandlung von Patienten macht“, sagt Professor Wolfgang Linke vom Institut für Physiologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Zusammen mit Kollegen der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, hatten die deutschen Forscher Hunde mit so genannter diastolischer Herzinsuffizienz untersucht. Bei solchen Tieren füllte sich die Herzkammer nicht ausreichend mit Blut.

„Gummiband-Proteine“ beeinflussbar


Sildenafil hemmt den Wissenschaftlern zufolge ein spezielles Enzym - Phosphodiesterase 5 A -, was dazu führt, dass sich ein Botenstoff (cGMP) vermehrt bildet. Der Botenstoff schaltet das Enzym Proteinkinase-G an, das Phosphatgruppen an bestimmte Proteine anheftet.

Diese so genannte Phosphorylierung lässt Blutgefäße erschlaffen, wofür die „Potenzpille“ Viagra ursprünglich auf den Markt kam. Die Bochumer und Rochester Forscher stellten fest, dass durch den gleichen Mechanismus auch das Herzmuskelprotein Titin phosphoryliert wird.


„Die Titinmoleküle sind ähnlich wie Gummibänder“, erklärt der Physiologe Linke. „Sie tragen entscheidend zur Steifigkeit der Herzwände bei.“ Die Aktivität der Proteinkinase-G lässt Titin erschlaffen. Das macht die Herzwände dehnbarer. Der Effekt tritt bereits innerhalb von Minuten nach Gabe des Medikaments auf, so die Wissenschaftler.

Medikamente gegen Herzinsuffizienz nicht ausreichend


„Von allen Patienten im Alter über 60, die wegen eines schwachen Herzens im Krankenhaus sind, hat die Hälfte eine diastolische Herzinsuffizienz“, erläutert Linke. „Obwohl wir wissen, dass die verminderte Dehnbarkeit der Herzwände die Ursache ist, kann die Erkrankung mit den heutigen Medikamenten nicht vernünftig behandelt werden“.

In der so genannten „Relax“-Studie des „Heart Failure Network“ wird die Wirksamkeit von Sildenafil bei Menschen bereits getestet. „Sollte sich mit dem Medikament erstmals ein positiver Effekt bei Herzinsuffizienz nachweisen lassen, hätten wir schon einen molekularen Mechanismus parat, der die Wirkung erklärt“, so Linke.
(Ruhr-Universität Bochum, 22.12.2011 - DLO)
 
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