• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 25.06.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Gasreservoir erweist sich als sicherer CO2-Speicher

Weltgrößtes Pilotprojekt verlief ohne Lecks und Grundwasserschäden

In ausgedienten Erdgas-Lagerstätten kann das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) auch in großen Mengen sicher gespeichert werden. Das belegen die Ergebnisse des weltgrößten Pilotprojekts im australischen Bundesstaat Victoria. Forscher haben dort mehr als 65.000 Tonnen CO2 in ein unterirdisches Gasreservoir eingeleitet, ohne dass es Lecks oder andere Umweltfolgen gab. "Die Beobachtungen zeigen, dass es keine messbaren Auswirkungen des gespeicherten CO2 auf Boden, Grundwasser oder die Atmosphäre gab", berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".
Bohrturm der CCS-Pilotanlage Otway in Australien

Bohrturm der CCS-Pilotanlage Otway in Australien

Die Speicherung von CO2 im Untergrund gilt als eine vielversprechende Methode, um die Emissionen von Treibhausgasen zu senken: Statt das Klimagas in die Luft zu blasen, wird es von den restlichen Abgasen abgetrennt, komprimiert und in ehemalige unterirdische Erdöl-, Kohlen- oder Gaslagerstätten gepumpt. "Ausgediente Erdgasfelder könnten die Treibhausgas-Emissionen vieler Jahre aufnehmen, doch im Gegensatz zu den anderen Reservoirtypen wird diese Möglichkeit bisher kaum erprobt", sagen Charles Jenkins von der australischen Forschungsorganisation CSIRO und seine Kollegen. Die meisten Pläne für Pilotprojekte seien am Widerstand der Anwohner gescheitert, die Lecks und chemische Verunreinigungen des Grundwassers befürchteten. Auch in Deutschland ist dies der Fall.

CO2 wurde 2.000 Meter tief unter die Erde gepumpt


Das CO2CRC Otway Projekt ist eine der wenigen und gleichzeitig die weltweit größte Pilotanlage zur CO2-Speicherung in Gaslagerstätten. Dort wurden von März 2008 bis August 2009 CO2 über eine gut 2.000 Meter tiefe Bohrung in eine Erdgas führende Gesteinsschicht eingeleitet. Über eine zweite Bohrung wurde eine Sonde zahlreichen Messinstrumenten abgelassen, die die Veränderungen im Untergrund überwachte. Zusätzlich registrierten Messgeräte an der Erdoberfläche mögliche Gasspuren im Boden und in der Luft.

Ängste unbegründet


Die Ergebnisse des CO2CRC Projekts im australischen Otway zeigten, dass Ängste von Anwohnern und Umweltschützern unbegründet seien, meinen die Forscher. Das Gas habe sich im Untergrund genauso ausgebreitet, wie Modelle es zuvor berechnet hatten. CO2-Austritte in umliegende Gesteinsschichten oder an die Oberfläche seien auch mit sensibelster Überwachungstechnik nicht nachweisbar gewesen. "Das Projekt zeigt, dass unser Wissen über die Vorgänge im Reservoir ausreicht, um in Zukunft solche Gasspeicher auch in großem Maßstab einzurichten", schreiben Jenkins und seine Kollegen. Die CO2-Speicherung in Gaslagerstätten sei sicher und effektiv genug, um weltweit größere Mengen Treibhausgas aufzunehmen.


Versuchsanlagen in Gaslagerstätten bisher Mangelware


Ehemalige Erdöl-Lagerstätten werden bereits seit Jahren in großem Maßstab als Speicher für CO2 eingesetzt - unter anderem von der norwegischen Ölindustrie. Auch Kohlenflöze werden weltweit in zahlreichen Pilotanlagen getestet. Doch für die Lagerung von CO2 in ausgedienten Gaslagerstätten gebe es bisher nur wenige, sehr kleine Versuchsanlagen - unter anderem im brandenburgischen Ketzin, berichten die Forscher.

Unter anderem deshalb war bisher unklar, wie viel Kohlendioxid unterirdische Gaslagerstätten aufnehmen können und wie schnell sich das eingeleitete CO2 sich in dem Reservoir ausbreitet. In Otway habe man erstmals die Kapazität eines solchen Reservoirs direkt gemessen. "56 bis 84 Prozent des ursprünglich vom Erdgas belegten Raumes wurde durch das CO2 eingenommen", schreiben die Forscher. Das belege die hohe Kapazität solcher Speicher. (PNAS, 2011; doi:10.1073/pnas.1107255108)
(PNAS, 13.12.2011 - NPO)