• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 23.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Klimawandel erhöht Bedrohung durch Schlafkrankheit

Forscher prognostizieren Verlagerung des Risikogebiets in dicht besiedelte Gebiete

Durch den Klimawandel könnten zukünftig bis zu 77 Millionen Menschen zusätzlich von der afrikanischen Schlafkrankheit bedroht sein. Denn das Risikogebiet für diese von Tsetsefliegen übertragene Infektionskrankheit wird sich durch die globale Erwärmung stark verschieben. Das prognostizieren US-amerikanische Forscher im Fachmagazin „Interface“. Statt sich auszudehnen verlagere sich das Risikogebiet im Osten Afrikas um 60 Prozent weiter nach Süden in dicht besiedelte Hochlandgebiete. „Diese Verschiebung wird bis zum Jahr 2090 die Gesundheit von zusätzlichen 46 bis 77 Millionen Menschen gefährden“, sagt Erstautor Sean Moore von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Fort Collins.
Trypanosoma brucei

Trypanosoma brucei

Die afrikanische Schlafkrankheit wird durch einzellige Parasiten, die sogenannten Trypanosomen ausgelöst und über blutsaugende Tsetsefliegen auf Tiere und Menschen übertragen. Jährlich erkranken in Afrika 70.000 Menschen an der mit hohen Fieber, Nervenschädigungen und im Extremfall dem Tod verbundenen Infektion, wie die Forscher berichten. Rund 60 Millionen Menschen im Süden Afrikas seien bereits heute von der Krankheit bedroht.

Effekt des Klimas auf das Krankheitsrisiko besser verstehen


„Die Schlafkrankheit gilt als eine der zwölf Infektionskrankheiten, die sich durch den Klimawandel weiter ausbreiten könnten“, sagen die Wissenschaftler. Wie sich eine Erwärmung, wie sie bis zum Ende dieses Jahrhunderts prognostiziert wird auf den Erreger, die Überträgerfliegen und das Verbreitungsgebiet beider auswirkt, habe man nun mit Hilfe eines Modells untersucht.

Die neu gewonnenen Informationen seien wichtig für die Menschen und Gesundheitsbehörden in den zukünftig betroffenen Gebieten. „Sie zeigen aber auch, dass solche Modellierungen essenziell sind, um den Effekt des Klimas auf das Krankheitsrisiko besser zu verstehen“, schreiben Moore und seine Kollegen. Das hier eingesetzte Modell könne nun auch für andere Infektionskrankheiten eingesetzt werden.


Ostafrikanische Schlafkrankheit verläuft besonders schnell


Für ihre Studie hatten die Forscher die Verbreitung der ostafrikanischen Schlafkrankheit untersucht. Sie wird durch die Erreger-Unterart Trypanosoma brucei rhodesiense ausgelöst und kann schon innerhalb weniger Monate zum Tod der infizierten Patienten führen. Die in West- und Zentralafrika verbreitete Variante der Schlafkrankheit verläuft dagegen deutlich langsamer und kann erst nach Jahren in Erscheinung treten.

Nach Angaben der CDC ereignen sich heute 95 Prozent der Krankheitsfälle durch die ostafrikanische Schlafkrankheit in Tansania, Uganda, Malawi und Sambia. Dieses Risikogebiet werde sich zukünftig nach Süden, bis nach Südafrika hinein ausdehnen, sagen die Forscher. Im Norden entstünden dafür Lücken im bisherigen Verbreitungsgebiet.

Temperatur begrenzt Verbreitung von Erreger und Überträger


Entscheidend für die Verteilung des Erregers und der übertragenden Tsetsefliegen sei vor allem die Temperatur. „Unser Modell sagt voraus, dass sich die Schlafkrankheit in Gebieten mit einer mittleren Jahrestemperatur von 20,7 bis 26,1 Grad Celsius besonders gut halten kann“, schreiben die Forscher.

Die von Klimaforschern prognostizierte Erwärmung um 1,1 bis 6,4 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts ermögliche es dem Erreger, sich in einige bisher zu kalte Gebiete auszubreiten, sagen Moore und seine Kollegen. Die Modellierung gebe aber auch Entwarnung für einige bisher betroffenen Gebiete. So würden unter anderem Teile Südwest-Äthiopiens schon in den kommenden Jahrzehnten zu heiß für den Erreger und die meisten Tsetsefliegen. Auch der bisherige Epidemieherd South Luangwa Valley in Sambia liege dadurch ab dem Jahr 2055 wahrscheinlich nicht mehr in der Gefahrenzone. (Interface, 2011; DOI:10.1098/rsif.2011.0654)
(Interface / dapd, 10.11.2011 - NPO)
 
Printer IconShare Icon