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Donnerstag, 19.01.2017
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Knochenfresser-Wurm auch im Mittelmeer?

Forscher finden Osedax-Spuren an fossilem Walknochen

Forscher haben erstmals Spuren des bizarren Knochenfresser-Wurms Osedax im Mittelmeer entdeckt. Computertomografische Aufnahmen enthüllten an einem drei Millionen Jahre alten Walknochen aus der Toskana typische Beulen, die auf die zerstörerische Aktivität dieses Tieres hindeuteten. Das sei das erste Mal, dass man fossile Hinweise auf diesen Wurm in diesem Meer finde, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Historical Biology“. „Wir sind nahezu sicher, dass das Mittelmeer auch heute noch lebende, bisher unentdeckte Osedax-Arten beherbergt“, sagt Erstautor Nicholas Higgs von der University of Leeds in England.
Rekonstruktion des Osedax-Wurms

Rekonstruktion des Osedax-Wurms

Das Tier ohne Mund und Darm gilt als eine der Kuriositäten der Evolution: Es lebt in der dunkelsten Tiefsee und ernährt sich von den Knochen toter Wale. Um die Knochensubstanz aufzulösen, bildet der Wurm zahlreiche wurzelartige Auswüchse, die über den Knochen wuchern wie ein Pilzgewebe. Die aus dem Knochen gelösten Nährstoffe nimmt der Wurm mit dem Fuß auf und verarbeitet sie dann mit Hilfe von Bakterien.

Entdeckt wurde die Existenz von Osedax erst im Jahr 2002. Seither hatten Wissenschaftler lebende Exemplare dieses Wurms weltweit nur an zwei Stellen gefunden: an Walknochen in der Monterrey Bay vor der kalifornischen Küste und in den Knochen eines Minkewals vor der Westküste Skandinaviens. Der jetzige Fund belege, dass Osedax weiter verbreitet sei als angenommen, sagen die Forscher.

Über den Atlantik ins Mittelmeer eingewandert


Der neue Fund liefert auch wichtige Aufschlüsse über die frühere Verbreitung des Osedax-Wurms. „Die Tatsache, dass Osedax vor drei Millionen Jahren an diesem Walknochen fraß, sagt uns, dass seine Vorfahren auch im Atlantik gelebt haben müssen“, sagt Higgs. Denn das Mittelmeer sei vor rund sechs Millionen Jahren komplett ausgetrocknet und erst danach wieder durch Atlantikwasser aufgefüllt worden.


Die Forscher gehen daher davon aus, dass der Knochenwurm bereits vor mindestens sechs Millionen Jahren in nahezu allen Weltmeeren verbreitet gewesen sein muss.

Knochenfresser-Wurm zerstörte Fossilien


Bedeutung habe der Osedax-Fund in einem Fossil aber auch für eine seit langem unter Paläontologen diskutierte Frage, sagen die Forscher. Der Knochenfresser-Wurm könnte für große Lücken unter den Fossilfunden verantwortlich sein. Der Wurm habe vermutlich viele Skelette von Meeressäugern und anderen Tieren zersetzt, bevor sie eine Chance hatten, zu Fossilien zu werden.

Der einzige andere Beleg für die Existenz des Wurms schon vor Millionen von Jahren stammt von der Westküste der USA. Im Us-Bundesstaat Washington hatten Paläontologen die charakteristischen Beulen, die das Tier im Knochen hinterlässt, an einem Walfossil entdeckt.

Da der Wurm selbst in Fossilien nicht erhalten bleibt und auch lebend nur selten aus der Tiefsee an die Oberfläche befördert wird, sei es schwer, Lebensweise und Entwicklungsgeschichte des Tieres zu erforschen. Der jetzige Fund liefere einen wichtigen Einblick in die Vergangenheit dieser bizarren Tierart, sagen die Forscher. (Historical Biology, 2011; DOI: 10.1080/08912963.2011.621167)
(Historical Biology / dapd, 04.11.2011 - NPO)
 
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