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Donnerstag, 25.08.2016
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Forscher lesen die Gedanken eines Träumenden

Muster der Gehirnaktivität verrät geträumte Bewegung

Deutsche Forscher haben erstmals an der Hirnaktivität eines Menschen abgelesen, was er gerade träumt. Sie konnten mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens unterscheiden, ob der Proband gerade davon träumte, seine linke oder seine rechte Faust zu ballen. Möglich wurde dies, weil das Gehirn bei dieser Traumhandlung ein ähnliches Signalmuster zeigte, wie bei einem Faustballen im Wachzustand. "Obwohl dies nur Vorversuch war, liefern wir damit den ersten Beleg dafür, dass sich spezifische Inhalte von Träumen während der REM-Phase sichtbar machen lassen", berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Current Biology".
Gehirnaktivität bei einer Bewegung der Hände im Wachen (links) und während einer geträumten Bewegung (rechts), aufgezeichnet mittels funktioneller Kernspintomografie.

Gehirnaktivität bei einer Bewegung der Hände im Wachen (links) und während einer geträumten Bewegung (rechts), aufgezeichnet mittels funktioneller Kernspintomografie.

Bisher gilt es als nahezu unmöglich, Träume sichtbar zu machen. "Das Haupthindernis beim direkten Auslesen von Trauminhalten ist die Tatsache, dass die Probanden im Schlaf ihre Träume nicht steuern können und daher auch keine vorher festgelegten Handlungen ausführen können", sagen die Forscher um Studienleiter Michael Czisch vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Dadurch konnte man nicht vergleichen, ob ein Traumerlebnis die gleiche Gehirnaktivität hervorruft wie das Erlebnis im Wachzustand. Diesen Vergleich benötigt man aber, um am Aktivitätsmuster erkennen zu können, was jemand gerade träumt.

Luzide Träumer als Versuchspersonen


Dieses Dilemma lösten die Forscher, indem sie ihre Studie mit Probanden duchführten, die zu sogenannten luziden Träumen fähig sind. Dieser Zustand gleicht in Bezug auf die Hirnströme und die komplette Erschlaffung aller Muskeln dem Traumschlaf. Im Gegensatz zu den meisten Menschen sind sich luzide Träumer jedoch bewusst, dass sie träumen und können die Handlung ihres Traums steuern. Dies machten sich die Wissenschaftler für ihre Studie zunutze.

Für den Versuch erhielt ein luzider Träumer die Aufgabe, zunächst im Wachzustand abwechselnd die linke und die rechte Hand zu ballen. Währenddessen zeichneten die Forscher die Hirnaktivität des Probanden mit Hilfe der funktionellen Kernspintomografie auf. Diese Technik zeigt, welche Gehirnregionen besonders gut durchblutet und damit aktiv sind. Anschließend legte sich der Proband schlafen und träumte nun nun davon, dass er abwechselnd Fäuste ballt.


In ihren Messungen stellten die Forscher fest, dass das Gehirn im Traum das gleiche Aktivitätsmuster zeigte, wie bei der tatsächlich ausgeführten Handlung im Wachzustand. In beiden Fällen waren Teile der Gehirnrinde aktiv, die für die Steuerung von Handbewegungen zuständig sind. Anhand der entweder rechts oder links im Gehirn stärker ausgeprägten Signale konnten die Wissenschaftler identifizieren, welche Hand der Proband gerade im Traum ballte.

Ähnliche Gehirnsignale bei geträumter und realer Bewegung


Nach Ansicht der Forscher zeigen diese Ergebnisse, dass Trauminhalte grundsätzlich gemessen werden können, da ihr Muster dem bei real erlebten Ereignissen ähnelt. „Unsere Träume sind also kein ‚Schlaf-Kino’, in dem wir passiv ein Geschehen nur beobachten, sondern schließen Aktivität in denjenigen Hirnregionen mit ein, die für die Traumhandlung relevant sind“, sagt Czisch. Wenn wir uns im Traum bewegen, sind im Gehirn die Zentren für die Muskelsteuerung aktiv - obwohl unser Körper bewegungslos im Bett liegt.

Die Studie habe nun gezeigt, dass das luzide Träumen bei der Erforschung dieser Parallelen weiterhelfen könne. "Diese Technik könnte zukünftig genutzt werden, um anhand der neuronalen Aktivität auf weitere spezifische Trauminhalte zu schließen", schreiben die Wissenschaftler. Das gelte nicht nur für einfache Bewegungen, sondern möglicherweise auch für komplexere Inhalte wie Bilder oder geträumte Emotionen. (Current Biology, 2011; doi:10.1016/j.cub.2011.09.029)
(Max-Planck-Gesellschaft, 28.10.2011 - NPO)
 
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