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Fukushima: Mehr radioaktives Xenon als bei Tschernobyl
Größte Belastung bereits unmittelbar nach dem Erdbeben - vor dem Tsunami
Ein internationales Forscherteam aus Norwegen, Österreich, Spanien und den USA kommt zu dem Ergebnis, dass durch den Super-GAU in Fukushima 2,5-mal so viel radioaktives Edelgas Xenon-133 freigesetzt wurde wie durch Tschernobyl. Es gibt laut Studie zudem "starke Hinweise" darauf, dass die Freisetzung am 11. März 2011 infolge des Erdbebens bereits gegen 15 Uhr japanischer Zeit und somit noch vor dem Eintreffen des Tsunami begann. Für die Wissenschaftler ein Hinweis für "strukturelle Schäden" an den Reaktoren durch die Einwirkungen durch das Erdbeben um 14.46 Uhr.
Luftaufnahme von Fukushima Daiichi am 18. März 2011
Luftaufnahme von Fukushima Daiichi am 18. März 2011
© Digital Globe Luftaufnahme von Fukushima Daiichi am 18. März 2011
Die vom Norwegian Institute for Air Research erstellte Fukushima-Studie errechnete eine Freisetzung von 16700 Peta-Becquerel Xenon-133 in den Tagen vom 11. bis zum 15. März - den Autoren zufolge "die größte zivile Freisetzung in der Geschichte der Menschheit". Für die bisher wohl umfangreichste Untersuchung haben die Wissenschaftler Daten von rund 1.000 Messungen der Konzentration und Deposition von Radioaktivität in Japan, den USA und Europa herangezogen.

Cäsium-Werte erreichten knapp die Hälfte des Tschernobyl-Niveaus
Die für die menschliche Gesundheit besonders gefährliche Freisetzung von radioaktivem Cäsium-137 in den Monaten März und April belief sich der Studie zufolge auf 36 Peta-Becquerel. Obwohl diese Menge nur rund zwei Prozent des Inventars der Fukushima-Reaktoren 1-3 und des Abklingbeckens von Block 4 entsprach, betrug damit die Freisetzung in diesem Zeitraum gut 40 Prozent der geschätzten Freisetzung durch Tschernobyl. Aufgrund der meteorologischen Bedingungen (vorherrschende Westwinde, begrenzte Niederschläge) gingen der Studie zufolge 20 Prozent dieser Cäsiums-137-Emissionen über Japan nieder, während 80 Prozent über dem Pazifischen Ozean deponiert wurden.

Bislang unterschätzt wurden der Studie zufolge die massiven Cäsium-Freisetzungen früh am 12. März während der ersten Wasserstoffexplosion in Reaktorblock 1. Und am 14. und am 15. März, während der höchsten Cäsium-137-Freisetzungen, seien große östliche Gebiete der japanischen Hauptinsel Honshu belastet worden. Unerwartet hohe Cäsium-137-Emissionen habe es zudem zwischen dem 16. und dem 19. März gegeben, die dann offenbar mit beginnender Kühlung des Abklingbeckens von Block 4 deutlich zurückgingen.

Bereits das Erdbeben löste Freisetzungen aus
"Das Studienergebnis ist somit ein weiterer Beleg dafür, dass die Darstellung der Atomindustrie, der japanischen Regierung, aber auch der deutschen Reaktorsicherheitskommission, wonach das Erdbeben alleine - ohne den dadurch ausgelösten Tsunami - nicht zum Super-GAU geführt hätte, falsch sein dürfte", so Henrik Paulitz, Atomexperte der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW. "Der Versuch der Atomlobby, die weltweit massive Erdbebengefährdung von Atomkraftwerken herunterzuspielen zu wollen, ist mit der neuen Studie wohl endgültig gescheitert. Es ist schon erstaunlich, wie die Reaktorsicherheitskommission und andere deutsche Regierungsstellen unbeirrt an der kaum noch haltbaren Tsunami-Theorie festhalten - vermutlich um erdbebengefährdete Anlagen wie Philippsburg-2 und Neckarwestheim-2 aus der politischen Schusslinie zu bringen."

Glück im Unglück hatte der Großraum Tokyo mit seinen rund 36 Millionen Einwohnern: Als die dichteste "radioaktive Wolke" am 15. März über die Hauptstadt hinweg zog, regnete es nicht. Wie dramatisch diese Tage waren, machte Ex-Premier Naoto Kan unlängst deutlich: Seine Regierung habe nach dem Erdbeben durchaus über eine Evakuierung der Einwohner Tokyos nachgedacht. Das hätte bedeutet, dass Tokyo zur Sperrzone geworden wäre. In dem Moment, so Kan, habe er daran gezweifelt, dass Japan als Staat weiterfunktionieren könne.
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Fukushima, Xenon, Erdbeben, Tsunami, Cäsium-137, Freisetzung, Atomkraftwerk, Japan, ABklingbecken, Reaktorkern, Tokyo, Tschernobyl
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