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Sonntag, 22.01.2017
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Schon die frühen Menschen liebten es bunt

Werkzeuge und Behälter belegen Fähigkeit zur gezielten Pigmentproduktion

Schon vor 100.000 Jahren nutzten unsere Vorfahren Werkzeuge, um aus rötlichen Erden Farbe herzustellen. Das zeigt eine urzeitliche Pigmentwerkstatt, die ein internationales Forscherteam in Südafrika entdeckt hat. In der 300 Kilometer östlich von Kapstadt gelegenen Blombos-Höhle habe man zwei Behälter mit Resten einer flüssigen Pigmentmischung gefunden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science“. Außerdem seien dort Werkzeuge entdeckt worden, mit deren Hilfe diese Mischung offenbar gefertigt worden sei.
Abalone-Muschelschale

Abalone-Muschelschale

Zu den in der Pigmentwerkstatt entdeckten Werkzeugen gehörten Knochen, Malsteine und Steine, die offenbar zum Zerschlagen der ockerhaltigen Erden genutzt worden waren. „Die farbigen Erden müssen aus mehren Kilometern Entfernung herbeigeholt worden sein“, berichten die Wissenschaftler. Die als Behälter genutzten Abalone-Muschelschalen stammten vom damals einige hundert Meter entfernten Meeresufer.

„Diese Entdeckung repräsentiert einen wichtigen Meilenstein in der Evolution komplexer geistiger Fähigkeiten des Menschen“, sagt Studienleiter Christopher Henshilwood von der University of Witwatersrand. Der Fund demonstriere, dass der Mensch schon vor 100.000 Jahren elementare Kenntnisse der Chemie und die Fähigkeit zu langfristigem Planen besaß. Er habe gezielt die Zutaten zusammengesucht und gesammelt, die er für die Pigmentherstellung benötigte.

Muschelschale mit Farbresten

Muschelschale mit Farbresten

Funde erlauben Rekonstruktion des Verfahrens


Aus den Funden und ihrer Anordnung rekonstruierten die Forscher, wie unsere Vorfahren bei der Herstellung der Farbe wahrscheinlich vorgingen. „Sie zerrieben dafür zunächst Stücke rötlicher Ocker-Erden mit Hilfe eines Gesteinsbrockens auf einer flachen Quarzittafel“, schreiben die Wissenschaftler.


Das entstehende feine, rötliche Pulver vermischten die frühen Menschen dann mit erhitztem, zerstoßenem Knochenmehl, Kohle, Steinstaub und einer Flüssigkeit. „Da Kohle in dieser Schicht sonst selten ist, muss sie der Mischung absichtlich hinzugefügt worden sein“, schreiben die Wissenschaftler.

Eingang zur Blombos-Höhle

Eingang zur Blombos-Höhle

Nutzung der Farben noch unklar


Die fertige Mischung füllten unsere Vorfahren dann in zwei Abalone-Schalen ein. „Vermutlich nutzten sie einen Knochen, um die Mischung umzurühren und später einiges davon wieder aus diesem Behälter zu entfernen“, sagen Henshilwood und seine Kollegen.

Der Einsatzweck der Farbe sei unbekannt, sagen die Forscher. Vielleicht habe man sie genutzt, um die Haut gegen Sonne oder Insekten zu schützen. „Die Ockerfarbe könnte auch als symbolische Dekoration auf Körper und Kleidung aufgetragen worden sein“, sagt Henshilwood. (Science, 2011; DOI: 10.1126/science.1211535)
(Science / dapd, 14.10.2011 - NPO)
 
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